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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Die Lernkurve ist supersteil

Im Handelssaal einer deutschen Großbank.

Im Handelssaal einer deutschen Großbank.

Bei Investmentbanken werden üblicherweise mehr als 70 Prozent der Einstiegsjobs mit ehemaligen Praktikanten besetzt. Mittlerweile bin ich in meiner vierten Praktikumswoche angelangt und verstehe wieso.

Zunächst fallen die Arbeitszeiten brutal aus, wofür das Investment Banking allerdings berüchtigt ist. Jeden Tag verbringe ich bis mindestens 2 Uhr nachts im Büro; meistens verlasse ich es aber eher gegen 4 Uhr. Für mehr Angst unter den Praktikanten sorgt allerdings, dass die Erwartungen ebenfalls angezogen haben.

Die Kollegen sind immer noch freundlich und hilfsbereit. Doch von Analysten und Associates wird heutzutage verlangt eine gewaltige Arbeitsbelastung in einem arg begrenzten Zeitfenster zu bewältigen. Es gibt auch nur wenig Spielraum für Fehler, was den Stress weiter steigert. Neben dem ständig wachsenden Berg von Arbeit auf meinen Schreibtisch, muss ich wie alle anderen Praktikanten auch ein längerfristiges Projekt bearbeiten. Dies braut sich zu einem Sturm zusammen, der mir kaum erlaubt, das Büro zu verlassen.

Bei alldem gibt es zwei Nachteile: Zunächst leidet meine Figur. Wer 12 bis 16 Stunden im Büro verbringt, hat keine Zeit, auf sich selbst zu achten und die Folgen meines sitzenden Lebensstils bekomme ich bereits zu spüren. Der zweite Nachteil besteht darin, dass man zu so etwas wie einem gesellschaftlichen Außenseiter mutiert. Ich musste so viele Treffen mit Freunden absagen, dass ich aufgehört habe, noch irgendwelche Pläne zu schmieden.

Dennoch möchte ich nicht als undankbar oder weinerlich erscheinen. Davon bin ich weit entfernt. Vielmehr liebe ich das Arbeitstempo in einer Investmentbank und die gesamte Erfahrung übertrifft meine Erwartungen. Unter jungen Bankern wird oft von einer steilen Lernkurve gesprochen und dies trifft tatsächlich zu. Ich habe in nur drei Wochen einen steilen Berg bestiegen und nun erwarten Analysten und Associates von mir wie ein gut geöltes Rädchen in einer großen Maschine zu funktionieren.

Das ist zwar schön, dennoch muss ich als Praktikant vorsichtig sein. Die meisten Kontakte haben wir zwar mit Analysten und Associates, doch uns werden auch Aufgaben von Managing Directors übertragen. Während jüngere Banker rasche und genaue Arbeit verlangen, wollen Managing Directors sehen, dass Ihr den Grips für eine Einstiegsstelle mitbringt.

Banken heuern längst nicht mehr allein Studenten der Wirtschaftswissenschaften an. Dennoch haben sie gegenüber mir einen Vorteil, denn ich studiere Ingenieurswesen. Ich kann zwar die Aufgaben genauso wie die übrigen Praktikanten erledigen, aber manchmal fällt es mir schwer, wenn die Analysten oder Associates ein größeres Bild von den Finanzmärkten zeichnen. Dazu fehlen mir oft die erforderlichen Finanzkenntnisse. Fragen sind zwar willkommen, aber wer möchte schon immer als derjenige dastehen, der eine Extraerläuterung benötigt.

Letztlich besteht der größte Vorteil an meinem Praktikum in den Erfahrungen und Kontakten, die ich hier sammeln kann. So habe ich eng mit den Teams von Equity Capital Markets, Debt Capital Markets und Leveraged Finance zusammengearbeitet und hatte auch Kontakt zu Bankern in New York, Tokyo und Dubai. Und genau darum geht’s in einem Praktikum.

Bei James Robert handelt es sich um ein Pseudonym. Robert verbringt sein Praktikum im M&A-Geschäft einer Großbank in London. Er berichtet hier regelmäßig von  seinen Erfahrungen.

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