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Mitarbeiter sauer: Immer mehr Deutsche Banker klopfen bei Headhuntern an

Deutsche Bank

Neulich bei der Deutschen Bank.

Die Deutschen Banker sind sauer: In einer internen Umfrage zweifelten drei Viertel der Teilnehmer, dass sie in drei Jahren noch für den Konzern arbeiten werden. 40 Prozent hielten ihre Leistungen für nicht angemessen honoriert. Konzernchef John Cryan hatte im Frühjahr die individuellen Boni für die meisten Mitarbeiter vom Vice President aufwärts gestrichen. Doch einige Glückliche werden stattdessen mit Halteprämien bedacht.

Das Maß scheint tatsächlich voll zu sein, denn immer mehr Mitarbeiter kontaktieren in Frankfurt einschlägige Headhunter. „Das hat schon deutlich zugenommen. Wir erhalten immer mehr Initiativanrufe von Mitarbeitern der Deutschen Bank, obwohl wir überhaupt keine passende Position für sie haben“, erzählt Personalberater Patrick Riske von Fricke Finance & Legal in Frankfurt. „Wenn eine Stelle frei wird, dann sollten wir doch bitte an sie denken, sagen sie.“

Vor zehn Jahren sind Headhunter bei der Deutschen Bank meist abgeblitzt

„Vor zehn Jahren war das noch ganz anders. Damals sind wir bei Deutsche Bank-Mitarbeitern regelmäßig abgeblitzt“, erinnert sich Riske. Für viele sei damals ein Wechsel undenkbar gewesen. Der Headhunter kann sich jedoch an keinen bestimmten Zeitpunkt erinnern, an dem die Stimmung umschlug. „Das ist wie mit einem Aktienkurs. Wenn der fällt reagieren viele auch nicht sofort, doch irgendwann ist das Maß einfach voll.“

Laut Headhunterin Sabrina Tamm war die Loyalität unter den Mitarbeitern der Deutschen Bank in der Vergangenheit besonders stark ausgeprägt. „Das waren die, die am höchsten ,committed‘ zur ihrem Arbeitgeber waren – auch und besonders im Investment Banking“, erinnert sich Tamm. „Diese Einstellung hat sich vor drei, vier Jahren geändert und seit zwei Jahren sehen wir auch in den Senior-Rängen immer mehr Wechsel.“

Einer der prominentesten Abgänge war sicherlich der damalige Deutschland Co-Chef im Corporate and Investment Banking Armin von Falkenhayn, der heute die Bank of America erfolgreich in Frankfurt leitet. Erst kürzlich ist dagegen der ehemalige Managing Director im Large-Cap M&A-Team Holger Knittels zur Citigroup in Frankfurt gewechselt.

Gestrichene Boni spielen bei Wechselwillen nur untergeordnete Rolle

Den Hauptgrund für den Wechselwillen sieht Riske in der „Perspektivlosigkeit“ der Mitarbeiter. Viele glauben nicht mehr, dass sich die Situation deutlich verbessert, Beförderungen jenseits des Vice Presidents oder nennenswerte Gehaltserhöhungen möglich werden. Die stetigen Restrukturierungen hätten die Mitarbeiter zermürbt und so mancher fürchtet, von der nächsten Abbauwelle selbst getroffen zu werden. Dagegen spiele der gestrichene Bonus für 2016 nur eine Nebenrolle. „Das war dann nur noch das i-Tüpfelchen“, meint Riske.

Besonders wundert den Headhunter, dass sogar Mitarbeiter aus Bereichen mit erstklassigen Perspektiven wechselwillig seien. „Wir haben beispielsweise kürzlich jemanden aus der Compliance vermittelt“, erzählt Riske. In diesem Bereich baut der Konzern immer noch Personal auf.

Deutsche Banker gehen immer häufiger zu kleinen Adressen

Im Laufe der Jahre haben die Wechselwilligen auch ihre Erwartungen zurückgeschraubt, während früher oft nur Stellen bei renommierten Häusern wie Goldman Sachs lockten, sind sie heute bereit, zu ganz kleinen Adressen zu gehen. „Dort gibt es häufig weniger Hierarchien, kleinere Teams und mehr Verantwortlichkeiten für die einzelnen Mitarbeiter“, sagt Riske.

Brexit dürfte gute Chancen für wechselwillige Mitarbeiter eröffnen

Von daher könnte der Brexit sich für so manchen Deutsche Banker als Glücksfall erweisen. Auslandsbankenpräsident Stefan Winter schätzt, dass in den nächsten zwei Jahren wegen des Brexits 3000 bis 5000 Stellen in Frankfurt neu entstehen werden.

Ein Verbleib bei der Deutschen Bank kann sich dennoch auszahlen

Allerdings kann sich auch ein Verbleib bei der Deutschen Bank auszahlen. „Der einfachste Weg zum Managing Director der Deutschen Bank aufzusteigen, ist dort als Analyst anzufangen“, betont Tamm. „Der Konzern ist nicht sehr aufgeschlossen für Einstellungen von außen.“ Der verstärkte Abgang im Zuge der Restrukturierung könne also neue Chancen für Mitarbeiter eröffnen, die dem Konzern treu bleiben. „Es gibt auch erste Anzeichen, dass die Restrukturierung greift und es bei der Deutschen Bank wieder aufwärts geht.“


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