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Jobproduktion in der Digitalfabrik der Deutschen Bank läuft auf Hochtouren

Digitalfabrik

Michael Koch (links), Chef der Digitalfabrik der Deutschen Bank, spielt mit seinen Erzeugnissen.

Die Filmplakate an den gläsernen Wänden des Bürokomplexes an der Grenze von Frankfurt zu Eschborn springen ins Auge. Eines zeigt die zwei „Man in Black“: Schwarze Anzüge, Sonnenbrillen, futuristische Weltraumwaffen – so sitzen die beiden in Schalensesseln. Doch Obacht, irgendetwas stimmt hier nicht. Das Filmplakat spricht von „Product Owners in Black“. So heißen in der neuen Digital Factory der Deutschen Bank die Produktmanager, die jeweils eines der 40 Teams leiten, die mobile- und online-Produkte quasi fabrikmäßig produzieren. „Jedes unserer 40 Agile Teams präsentiert sich mit einem eigenen Filmplakat“, erläutert Michael Koch, Leiter Online-Banking im Privatkundengeschäft und einer der Chefs der gut 400 Mitarbeiter der Digital Factory. Entsprechend wurden auf dem Filmplakat mittels Photoshop die Köpfe der Produktmanager gegen die von Will Smith und Tommy Lees Jones ausgetauscht. Ein anderes Team nennt sich „Droidbusters“. Nach dem berühmten Logo der Ghostbusters-Serie sind hier nicht Geister verboten, sondern die kleinen Droiden, die für Android stehen – obgleich dies für ein Team aus Android-Entwicklern wenig Sinn macht.

Mischkultur aus Fintech und Bank

Vom Klischee eines Bankers ist Koch ebenfalls weit entfernt. Statt dunklem Anzug, hellem einfarbigen Hemd und schlichter Krawatte trägt Koch Jeans und blaues Hemd. Auch die restlichen Mitarbeiter, die durch die Gänge und Büros der Digital Factory huschen, sind „Smart Casual“ gekleidet, wie das heute auf Neudeutsch heißt. Hingegen fehlen die sprichwörtlichen Nerds mit langen Haaren, T-Shirt und dicker Brille. Auch die bei Fintechs unvermeidlichen Spielzeuge wie Kickertische  sucht man vergebens. „Wir verbinden in der Digital Factory das Beste aus zwei Welten, den Start-ups und einem Großunternehmen“, sagt Koch.

Agile-Software-Entwicklung als Leitkultur

„Wie bei Start-ups und Fintechs gibt es bei uns flache Hierarchien“, erläutert Koch weiter. Die 40 Agile-Teams zählen jeweils rund 10 Mitarbeiter. In jedem arbeiten Product Owner, Entwickler, Designer, Tester, Business Analysten und Scrum Master zusammen. Nach der Philosophie der agilen Softwareentwicklung wird nicht mehr an einem vielleicht zweijährigen Großprojekt gearbeitet, sondern an vielen kleinen. Dadurch könnten die Teams flexibler handeln und schneller Produkte auf den Markt werfen – angesichts der rasanten Digitalisierung stellt agile Entwicklung  eine Überlebensnotwendigkeit für Banken dar.

Laut Koch nutzt die Hälfte der Privatkunden Online-Banking, davon schon etwa die Hälfte über mobile Endgeräte. Dies gelte quer durch alle Altersgruppen. Entsprechend wichtig sei die Entwicklung von Apps. „Wir wollen die letzte Meile zum Kunden nicht verlieren“, betont Koch. Es sei eine große Verantwortung und reizvoll an Produkten zu arbeiten, die später Millionen von Kunden rund um den Globus nutzen.

„Sie müssen die Leute an einen Ort zusammenbringen, um ‚agile‘ entwickeln zu können“, erläutert Koch. Die Zeiten als die Mitarbeiter auf zahllose Standorte verteilt waren und Outsourcing das Gebot der Stunde darstellte, sind damit Geschichte. Seit September hat die Deutsche Bank in ihrer Digitalfabrik gut 400 Leute zusammengezogen. „Rund ein Drittel hat bereits vorher für die Deutsche Bank gearbeitet und zwei Drittel wurden von extern eingestellt“, sagt Koch. Somit hat die Bank in nur wenigen Monaten über 270 Stellen neu geschaffen. Und es sollen noch mehr werden. Bis 2018 will der Konzern mit rund 800 Mitarbeitern in der Digitalfabrik der Deutschen Bank die Online-Produkte der Zukunft produzieren. Rund 100 Mio. Euro lässt sich die Bank das jährlich kosten.

„Unsere Mitarbeiter stammen aus zwölf Nationen und sind zwischen 22 und 55 Jahre alt“, berichtet Koch. „Wir haben eine gute Mischung. Das digitale Mindset ist nicht vom Alter abhängig.“ So hört man auf den Gängen ein Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch. In den offiziellen Meetings wird jedoch Englisch gesprochen. Da Experten schwer zu finden sind, wird Personal sogar aus Indien für Frankfurt angeheuert.

Android- und iOS-Entwickler sowie Webdesigner besonders gefragt

„Das schnelle Wachstum stellt für uns eine große Herausforderung dar“, gesteht Koch. Dies gilt namentlich für die Personalsuche, denn die Digitalisierung der Arbeitswelt saugt auch den letzten Tropfen aus dem Talentpool. „Android-Entwickler zu finden, ist schwer, gute Android-Entwickler zu finden, ist sogar extrem schwer“, erzählt Koch. „Auch der Markt für iOS-Entwickler ist leer.“ Unterdessen spielt Windows für mobile Produkte kaum eine Rolle. „Microsoft hat inzwischen nur noch einen Marktanteil von unter 1 Prozent.“

Allerdings stelle es kein großes Problem dar, IT-Profis nach Frankfurt zu locken. „Nur Webdesigner lassen sich schwer für Frankfurt erwärmen. Die bevorzugen noch Berlin“, sagt Koch. „Es ist sogar noch schwieriger Experten für UI und UX (User Interface und User Experience) zu finden als Entwickler.“

Laut Koch bekommen in der Digitalfabrik auch Berufseinsteiger eine Chance. Ein Teil der Mitarbeiter werde direkt von den Hochschulen angeheuert. Praktika und Traineeprogramme seien ebenfalls möglich.

Digitalfabrik platzt aus allen Nähten

Darüber hinaus arbeitet die Digitalfabrik derzeit mit sieben Fintechs zusammen, die in den heißen Phasen der Projekte mit ihren Mitarbeitern vor Ort sind. So wurde beispielsweise eines der neuen Produkte, das elektronische Schließfach „eSafe“ mit einem Fintech aus der Schweiz entwickelt. „Die haben sogar ihre Sicherheitsserver in einem Atombunker in den Schweizer Alpen stehen“, lacht Koch. In diesem Schließfach ließen sich wichtige Dokumente und Passworte abspeichern. Mit dem Produkt will die Bank Geld verdienen und bietet es daher kostenpflichtig an.

Unterdessen ist Koch mit seiner Führung durch die Digitalfabrik ans Ende gekommen. Lange wird die Digitalfabrik nicht mehr an der Grenze von Eschborn residieren. „Der Standort platzt jetzt schon aus allen Nähten. Im kommenden Jahr ziehen wir mit gut 800 Mitarbeitern in ein neues Gebäude im Osten Frankfurts.“ Bis dahin sollten noch einmal fast 400 Mitarbeiter hinzukommen – gut 250 von extern.


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