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Die Sandwich-Taktik: Wie Sie Auszeiten im Lebenslauf geschickt verstecken

Auszeiten müssen schmackhaft verpackt werden.

Auszeiten müssen schmackhaft verpackt werden.

Falls Sie in den Finanzdienstleistungen arbeiten, dann stehen die Chancen gut, dass auch Sie Lücken in Ihrem Lebenslauf haben. Vielleicht haben Sie eine Auszeit für Ihre Kinder genommen, sich ein Sabbatical gegönnt, waren krank oder mussten feststellen, dass ein Arbeitgeberwechsel doch keine so kluge Idee gewesen ist… Was auch immer die Gründe für die Lücke sind, es gibt immer einen Weg zurück.

Doch dazu müssen Sie Ihren Lebenslauf ganz neu schreiben. Überarbeiten Sie bloß keine ältere Version. Dabei müssen Sie Folgendes beachten:

1. Strukturieren Sie Ihren Lebenslauf so, dass auch Applicant Tracking Systeme ihn verstehen

Wer sich lange nicht beworben hat, dem ist die Bedeutung der Applicant Tracking Systeme (ATS) oft nicht klar. Dabei handelt es sich um Programme für die halbautomatische Verarbeitung von Bewerbungen. Etwa 99,9 Prozent der Recruiter nutzen ein ATS (namentlich als Datenbank) und 80 Prozent der ausgeschriebenen Arbeitsplätze greifen ebenfalls auf ein ATS zurück. Wenn Sie die Logik dahinter nicht verstehen, hat auch Ihre Bewerbung geringe Chancen.

Denn ATS verwenden Algorithmen, um zu bestimmten, ob Ihre Bewerbung für die betreffende Stelle relevant ist oder nicht.  Daher ist es wichtig, die richtigen Schlagwörter an die richtige Stelle zu setzen. Ansonsten bleibt Ihr Lebenslauf immer in der Vorhölle der digitalen Systeme, ohne dass ihn jemals ein menschliches Wesen zu sehen bekommt. Oft sind ATS nicht in der Lage Daten in Tabellen, Textfeldern oder PDFs zu lesen. Vermeiden Sie auch Abkürzungen, solange es sich nicht um allgemein anerkannten Branchenjargon wie etwa ECM oder DCM handelt. Wer weniger als vier Jahre Berufserfahrung mitbringt, sollte über die Schlüsselbegriffe besonders gründlich nachdenken, denn dann erwarten Arbeitgeber eher kürzere Lebensläufe. Wer indes mehr als vier Jahre Berufserfahrung mitbringt, sollte nicht mit Schlagwörtern geizen.

2. Stellen Sie Ihren aktuellen Jobtitel an den Anfang Ihres Lebenslaufs

Was sind Sie? Wenn Sie sich für das gleiche Berufsfeld bewerben, dann sollten Sie unter Ihrem Namen und Ihren Kontaktinformationen einen Jobtitel aufnehmen, den Sie bereits in der Branche getragen haben wie z.B. Firmenkundenbetreuer, Business Analyst oder VP in M&A. Falls Sie indes noch keinen solchen Jobtitel getragen haben, sollten Sie eine Formulierung verwenden wie: „Suche: Stelle als Projektmanager”. Damit stellen Sie im Kopf des Recruiters eine Verbindung zwischen Ihnen und dem fraglichen Job her.

3. Der Trick mit dem „Career Break Sandwich”

Eine Karrierelücke müssen Sie mit Informationen garnieren, die für den Recruiter interessant sind. Nehmen Sie gewissermaßen diese Informationen als das Brot und die Auszeit als die Füllung – ähnlich wie bei einem Sandwich. Die oberste Lage dieses Sandwichs bildet der Kopf Ihres Lebenslaufes. Dieser sollte die besten Punkte enthalten, durch die Sie sich für die Stelle qualifizieren – auch wenn das bereits zehn Jahre her ist. Das spielt keine Rolle, schließlich wollen Sie sich selbst verkaufen. Vermeiden Sie möglichst Pronomen (Fürwörter) und Soft Skills. Überlegen Sie immer, was die Informationen beim Leser bewirken. Was bringen Sie mit, was für ihn interessant ist?

Dann folgt gewissermaßen die Füllung. Hier müssen Sie Ihre Auszeit unterbringen: „Anschließend habe ich eine geplante Karriereauszeit genommen. Jetzt möchte ich zurückkehren…” Dieser Aspekt darf keinesfalls im Zentrum Ihres Lebenslaufes stehen.

Darauf folgt die zweite Lage Brot: der Abschnitt mit Ihren beruflichen Erfahrungen, in dem Sie herausarbeiten, was Sie beruflich gemacht haben. Dieser Sandwich-Trick funktioniert in allen Bewerbungselementen, vom Anschreiben über den Lebenslauf bis hin zum Vorstellungsgespräch.

4. Berichten Sie von ihren Leistungen, nicht von Ihren Verantwortlichkeiten

Die Welt verändert sich. Die Zeiten als es genügte, einfach seine alte Stellenbeschreibung in seinen Lebenslauf hineinzukopieren sind passé. Statt über den Job müssen Sie über sich schreiben.

Sie werden nur eingestellt, wenn Sie einen Mehrwert für das Unternehmen mitbringen. Daher sollten Sie herausarbeiten, was Sie liefern können. Denken Sie über Herausforderungen, Initiativen, Projekte, Effizienzsteigerungen, Erträge oder Preise nach, die Sie in ihren vorherigen Rollen erreicht haben.  Was haben Sie unternommen und was ist dabei herausgekommen? Jeder Punkt muss eine kleine, ganz spezielle Geschichte über Sie erzählen. Erinnern Sie sich an den Dreiklang: Problem, Lösungsversuch und Ergebnis.

5. Wenden Sie Auszeiten ins Positive

Haben Sie während Ihrer Auszeit irgendetwas Interessantes erreicht? Wodurch konnten Sie sich weiterentwickeln? Sie sollten herüberbringen, was Ihnen die Auszeit gebracht hat. Nutzen Sie auch den Bereich „Sonstiges” in Ihrem Lebenslauf, um von Ihrer Auszeit zu erzählen. Besonders sollten Sie herausarbeiten, wie Sie beruflich auf dem Laufenden geblieben sind und wie Sie Ihre Kompetenzen ausbauen konnten. Die Teilnahme an einem Marathon zeugt beispielsweise von Ausdauer, Energie und Engagement; soziales Engagement von Integrität und Führungskompetenzen. Wenn Sie Freunden beim Aufbau ihrer Start-ups geholfen und sie beraten haben, dann spricht das für Geschäftstüchtigkeit.

6. Achten Sie auf Ihre Sprache

Die Sprache von Lebensläufen und Anschreiben verändert sich. Ausdrücke wie „langjährige Berufserfahrung, Teamplayer, motiviert, ergebnisorientiert, dynamisch oder Problemlöser” klingen ein wenig altmodisch, wie Klischees und sind letztlich bedeutungslos. Geben Sie also nicht das Offensichtlich an. Wer auf in einem Handelssaal arbeitet, sollte auch dynamisch sein. Auf solche Floskeln können Sie verzichten. Auch Formulierungen wie „ich habe die Erwartungen übererfüllt” klingen ein wenig nach 70er Jahren.

Dabei sollten Sie sich möglichst auf Erfolge konzentrieren, die Sie allein erreicht haben. Beziffern Sie dabei den Wert, den das Erreichte darstellt, und was Sie künftig erreichen können. Wenn Sie Ihre Ziele übertroffen haben, sollten Sie auch herausarbeiten, WIE Ihnen das gelungen ist, und WAS Sie genau dabei erreicht haben. Geben Sie möglichst greifbare Ergebnisse.

7. Erwähnen Sie bloß nicht vorschnell das F-Wort

Namentlich viele Frauen wünschen sich nach einer Auszeit flexible Arbeitszeiten. Dies ist den Arbeitgebern in den Finanzdienstleistungen nicht entgangen. Dennoch sollten Sie das Thema nicht vorschnell und pro-aktiv ansprechen. Flexible Arbeitszeiten werden gemeinsam mit Gehalt verhandelt, wenn ein Angebot erst einmal auf dem Tisch liegt. Überstürzen Sie also nichts.

Victoria McLean hat früher als Recruiterin bei Goldman Sachs gearbeitet und hat dann City CV – gegründet, einen Schreibservice für Lebensläufe.

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