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Die dümmsten Fehler von Praktikanten

Praktikant

Klassischer Fall von überfordertem Praktikanten.

Wer eines der begehrten Sommerpraktika bei Investmentbanken erlangt, hat ein strenges Auswahlverfahren hinter sich. Fast alle Auserwählten sind also rein fachlich zu dem Job in der Lage. Und es kommt noch besser: Besonders die angelsächsischen Häuser rekrutieren den Großteil ihrer Einsteiger aus ihren Praktikanten. Umso wichtiger ist es, seine Chancen auf den Traumjob nicht durch dumme Fehler zunichtezumachen.

Associates, Vice Presidents und Managing Directors betonen unterdessen, dass Praktikanten regelmäßig die gleichen Fehler begehen, die obendrein auch noch dumm sind. Wir haben zusammengestellt, was Sie bei einem Sommerpraktikum vermeiden sollten:

An seinem Praktikumsprojekt zu scheitern

Praktikanten wird regelmäßig ein eigenes Projekt übertragen. Niemand erwartet dabei eine Meisterleistung, dennoch gehört das Scheitern zum Alltag. „Die meisten Praktikanten sind zu nichts zu gebrauchen außer Telefonate zu beantworten“, klagt ein Vertriebsmitarbeiter aus dem Aktiengeschäft. „Normalerweise müssen Sie sie mit einem Berg Arbeit zudecken und sicherstellen, dass sie aus dem Weg sind. Die Arbeit muss unbedeutend sein, aber man muss ihnen den Eindruck vermitteln, dass sie besonders wichtig wäre. Anschließend müssen Sie Druck ausüben, dass sie sie auch erledigen.“

Dennoch sollte kein Praktikant die Zügel schleifen lassen. Denn wer an seinem Projekt scheitert, bekommt rasch ernste Probleme. Mit jeder zur Zufriedenheit erledigten Aufgabe wächst Ihr Ansehen in der Bank. Nach unseren Informationen wurde beispielsweise den Sommerpraktikanten von Goldman Sachs 2015 ein Projekt übertragen, das sie innerhalb einer Woche bearbeiten sollten. Von Wajih Ahmed wird sogar berichtet, er habe die Aufgabe in nur zwei Stunden bewältigt. Mittlerweile ist er als Trader bei der US-Investmentbank beschäftigt. Er hatte sich schon als „Summer analyst“ einen Namen gemacht, was Neudeutsch für Praktikant ist.

Bei den politischen Spielchen zu versagen

Wer ein Übernahmeangebot erheischen möchte, darf den menschlichen Faktor nicht unterschätzen. Ein Associate erinnert sich, wie „eine Sommer-Analystin für eine Stelle im skandinavischen Vertrieb angeheuert wurde, weil sie skandinavische Sprachen beherrschte und eine klassische nordische Schönheit war. Schnell hat sie festgestellt, dass dies kein Job für sie war und sie konnte sich über ihr Netzwerk eine Investmentmanagementstelle in einer anderen Abteilung sichern, noch bevor ihr Praktikum zu Ende war. Ihr wurde in ihrem Team eine Vollzeitstelle angeboten und sie lehnte diese ab. Dies hat die Teammitglieder so sehr geärgert, dass sie die Personalabteilung einschalteten, weil sie glaubten sie sei von der anderen Abteilung ‚abgeworben‘ worden.“ Die Praktikantin hat schließlich dennoch die Stelle erhalten, es handelt sich allerdings um ein hochriskantes Spiel.

Auf Praktikantenpartys anzubandeln

Bei Sommerpraktika gehören Partys und Alkohol einfach dazu. Dort laufen attraktive Praktikantinnen und Praktikanten herum. Dennoch sollten Sie solche Veranstaltungen nicht als Partnerbörse missverstehen, sondern sich auf Ihr Hauptziel konzentrieren: ein Übernahmeangebot zu erhalten. „Sie sehen, wie Praktikantinnen bei den Networking-Events zu viel trinken und mit den männlichen Angestellten flirten“, berichtet ein weiblicher Associate. „Dann haben Sie schnell Ihren Ruf weg – besonders als Frau.“ Stattdessen sollten Sie lieber einen Kontakt zu den Managing Directors aufbauen, empfiehlt sie.

Die Sicherheitsrichtlinien zu missachten

Derzeit dreht sich auch bei Banken alles um das Thema Sicherheit. Daher sollte kein Praktikant fahrlässig einen Alarm auslösen. Im vergangenen Jahr hat ein Praktikant ein Packet mit Präsentationen zu einer Private Equity-Gesellschaft geschickt und dabei keinen Absender angegeben. Als das Paket ankam, löste es Alarm aus, weil es keinen Absender enthielt, und wurde gesprengt.

Zuviel zu reden

Joseph Mauro, ein ehemaliger Partner von Goldman Sachs, hat für Praktikanten noch einen besonderen Rat: In den ersten drei Wochen sollten die Praktikanten nur 10 Prozent ihrer Zeit mit reden und 90 Prozent mit zuhören verbringen. Schließlich dreht sich alles ums Lernen.

Seine eigene Meinung zu verkünden

Mauro warnt Praktikanten davor, ihre Meinung zu den Märkten und zum Geschäft vorschnell zu verkünden. „Es ist einfach zu früh, um seine eigene Meinung zu haben“, warnt er. „Sie sollten erst einmal die Einschätzung des Unternehmens kennen.“

Sich mangelhaft vorzubereiten

Ein anderer Praktikant hat eine Präsentation ausschließlich mit Powerpoint erstellt, ohne auch nur ein einziges Mal auf Excel zurückzugreifen. Jeder Chart und jedes Balkendiagramm malte er sorgfältig mit der Hand. Die zuständigen Vice Presidents und Associates haben dies erst erkannt, als der Praktikant bereits davon war.

„Als ich als Praktikant angefangen habe, habe ich sämtliche Prospekte, Analysteneinschätzungen, Marketingbroschüren, Investoreninformationen und Zeitungsartikel über mein Team gelesen – insbesondere die Branchen-Newsletter und das bis zu zwei Jahren zurück. Insgesamt waren das etwa 3500 bis 4000 Seiten in den ersten drei Wochen des Praktikums“, erzählt Summer Analyst, der es geschafft hat.

Das Kaffeeholen nicht zu beherrschen

Hört sich wie eine Kleinigkeit an, ist es aber nicht. Praktikanten müssen organisiert sein, was auch Kaffee oder Essen holen einschließt – besonders wenn die Aufträge vom Managing Director stammen.

Nicht als erster am Arbeitsplatz zu erscheinen

Laut einem Associate gelten einfache Regeln: „Kommt als erste, geht als letzte, macht Euch sorgfältig Notizen, stellt kluge Fragen und vermeidet Fehler.“

In den Toiletten zu schlafen

Bei den Endlosarbeitszeiten im Investmentbanking kann es schon verlockend sein, sich ein kleines Schläfchen auf der Toilette zu gönnen. Doch wer dabei erwischt wird, kann seine Karriereträume vergessen.

Viel versprechen und wenig liefern

„Versprecht nicht etwas in wenigen Stunden zu liefern, wenn es einen ganz Tag benötigt“, warnen Thomas Viguier und Guillaume Tardy-Joubert, die früher in M&A gearbeitet haben und heute als Karrierecoachs arbeiten.

Wem zu viel Arbeit aufgehalst wird, sollte nach einer Priorisierung fragen, rät Mae Busch, die früher COO von Morgan Stanley gewesen ist. Sie empfiehlt zu einer Antwort wie: „Ich würde das gerne ebenfalls erledigen, aber ich bin mit drei anderen Projekten ausgelastet. Was sollte ich als erstes erledigen, da ich nicht alle gleichzeitig bearbeiten kann?“

Protzigen Schmuck oder Kleidung zu tragen

„Lassen Sie Ihre Breitling daheim“, betont ein Trader. „Die Uhr, die Euch Mutti zum Studienbeginn geschenkt hat, stellt keine gute Wahl dar. Es sei denn, Eure Familie besteht aus Hedgefondsmanagern, die für Geschäft sorgen. Niemand hat gerne verwöhnte Gören.“

Keine Fragen zu stellen und Antworten zu vergessen

„Nicht zuzuhören, wenn einem etwas beigebracht werden soll, und anschließend Fragen zu stellen, die zeigen, dass Sie nicht zugehört haben, stellt einen verbreiteten Fehler dar“, warnt ein Vice President.

Keine Kontakte aufzubauen und dann auch noch die Namen zu vergessen

Er sei an der persönlichen Komponente gescheitert, erzählt ein Ex-Praktikant, der kein Übernahmeangebot erhalten hat. „90 Prozent der Praktikanten sind kompetent. Also geht es eigentlich nur darum, das richtige Team zu finden, mit dem Sie zurechtkommen. Wenn Ihr nicht gerade ein Genie seid, dann nimmt Euch kein Team, in das Ihr nicht hineinpasst“, meint der ehemalige Praktikant.

Einen der gröbsten Fehler bestehe darin, Namen zu vergessen. „Am Ende der ersten Woche müsst Ihr sämtliche Namen der Teammitglieder und der der umliegenden Teams kennen“, betont auch der Vice President.

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