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Sommerpraktikum: Wieso Konkurrenzkampf unter Praktikanten quatsch ist

Praktikanten sollten die Boxhandschuhe lieber zuhause lassen.

Praktikanten sollten die Boxhandschuhe lieber zuhause lassen.

Ein Sommerpraktikum bei einer Investmentbank zu ergattern, stellt schon an sich eine Leistung dar. Damit sind dort so viele junge Alpha-Tiere zusammengepfercht, dass es unvermeidlich zu Spannungen kommt. Manche Praktikanten glauben, dass die beste Herangehensweise darin besteht, andere Praktikanten als Konkurrenten um Übernahmeangebote zu betrachten. Sie verwenden viel Zeit auf das Pläneschmieden, wie sie mit den anderen Praktikanten umgehen, um bei ihrem potenziellen Arbeitgeber Eindruck zu schinden.

Doch ich möchte es Euch hier erklären: Andere Praktikanten sind Eure Freunde – es gibt zumindest keinen Grund, wieso sie es nicht sein sollten. Obgleich die andern Sommerpraktikanten – rein sachlich gesehen – tatsächlich Konkurrenten sind, braucht Ihr Euch nicht darum zu kümmern, was der Praktikant neben Euch anstellt. Es sei denn, es kommen 15 Praktikanten auf fünf Einstiegspositionen. Im Grund gibt es drei Gründe, wieso es unsinnig ist, die anderen Praktikanten als Konkurrenten zu betrachten:

1. Steigert Euch nicht in die Sorge um die verfügbaren Stellen hinein

Investmentbanken nehmen Praktikanten an, weil sie deren Potenzial innerhalb von zehn Wochen abschätzen wollen. Es handelt sich um eine sinnvolle Investition in die Ausbildung und den Aufbau von Beziehungen zu künftigen Mitarbeitern.

Ihr Ziel besteht in der Mitarbeiterbindung. Falls eine Bank 100 Prozent ihrer Praktikanten ein Übernahmeangebot unterbreitet und 100 Prozent davon angenommen würden, wären sie glücklich. Praktika helfen ihnen dabei auszusieben, wer in Sachen Arbeitsethik und Unternehmenskultur gut zu ihnen passen würde.

Viele Praktikanten glauben indes, dass sie besser als alle anderen sein und diese unterbuttern müssten, um schließlich das ersehnte Übernahmeangebot zu erhalten. Doch Banken verstehen unter einem guten Analysten jemanden, der gut zur Unternehmenskultur passt und teamfähig ist.

Banken unterbreiten denjenigen Praktikanten Einstiegsangebote, von denen sie erwarten, dass sie diese auch annehmen. Sie sehen in der Annahmequote ein Indiz, wie gut die Bank in der Gunst der Kandidaten abschneidet. Es verringert auch ihren Zeit- und Finanzaufwand, wie er für das Finden der richtigen Mitarbeiter erforderlich ist. Wenn Sie einen anständigen Praktikanten übernehmen können, müssen sie nicht erst einen Analysten finden. Banken wollen die meisten Einstiegsstellen mit Praktikanten besetzen und so wenige wie möglich direkt.

2. Eure Arbeit spricht für Euch selbst

Viele Praktikanten zerbrechen sich ihren Kopf darüber, was die Praktikanten in den anderen Teams anstellen. Stattdessen sollten sie sich auf ihre eigene Arbeit konzentrieren. So mancher ist bestürzt, wenn er hört, zu welchen Meetings ein anderer Praktikant gehen darf, während er selbst seine ganze Zeit mit Verkaufspräsentationen verbringt.

Nur weil ein Praktikant einem Team zugeordnet ist, das an einen Deal mitarbeitet, und ein anderer sich mit einer Verkaufspräsentation nach der anderen abplagt, steigen seine Chancen auf ein Übernahmeangebot noch lange nicht. An Ende können sogar beide ein Angebot erhalten, da es überhaupt keine Rolle spielt, wie sie gegeneinander abschneiden. Vielmehr ist entscheidend, wie gut sie die ihnen übertragengen Aufgaben in ihrem Team erledigen.

3. Wettbewerb kann toxisch wirken

Viele Praktikanten spazieren durch die Tür und glauben, ein scharfer Wettbewerb motiviere zum Erfolg. In vielen Fällen trifft das auch zu, nicht aber auf Praktikanten im Investmentbanking. Falls Ihr tatsächlich mit jemanden konkurrieren wollt, dann bitte mit Euch selbst. Je mehr Ihr Euch darauf konzentriert, was der Praktikant neben Euch macht, desto schlechter erledigt Ihr Eure eigene Arbeit. Den übrigen Mitarbeitern wird dies nicht entgehen und irgendwann wird es auch die Personalabteilung aufschnappen.

Falls ein Mitpraktikant an etwas interessantem arbeitet und dabei neue Kompetenzen erwirbt, die Ihr auch gerne hättet, dann fragt ihn doch einfach, ob er es Euch zeigen kann. Ihr könnt Euch Feinde oder Freunde machen, doch nur letztere werden Euch dabei helfen, besser in Eurem Job zu werden. Es kommt immer der Zeitpunkt, wenn Ihr Hilfe braucht, z.B. um den Zugang zu einer Datei oder einen Ausdruck einer Präsentation zu erhalten. Genau an diesem Punkt können befreundete Praktikanten von großem Wert sein.

Einige Praktikanten fallen auch auf den Klatsch herein, was Praktikanten so alles falsch machen. Die meisten Analysten betrachten diesen Praktikantenklatsch als große Belastung. Niemand mag Leute, die lästern, und sich über die Schwächen anderer lustig machen. Investmentbanker wollen Kollegen, mit denen sie 80 Stunden die Woche zusammenarbeiten können. Sie wollen Leute, die gute Arbeit abliefern und gute Teamkollegen sind und keine hyperaktiven Konkurrenten.

Anish Patel hat früher als Investment Banking-Analyst bei BMO Capital Markets gearbeitet und war Berater für Unternehmensentwicklung bei Madison Wells Media.

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