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Was ich bei JP Morgan, McKinsey und der Gründung meines eigenen Unternehmens gelernt habe

Anastasia Alt

Anastasia Alt

Ich habe acht ungesüßte Eistees geliefert – und das zweimal am Tag. Damit habe ich den Default Swap Trading-Desk von Lehman Brothers im August 2008 aufgetankt. Es handelte sich um meine Hauptaufgabe als Sommerpraktikantin. Damit saß ich in der ersten Reihe beim Untergang von Lehman Brothers im Folgemonat. Willkommen an der Wall Street.

Hier möchte ich von meinem Weg erzählen, der mich vor meinem 30 Geburtstag vom Praktikum über meine Zeit als Analyst und Associate bei JP Morgan und als Associate bei McKinsey schließlich zur Gründung meines eigenen Unternehmens führte und was dabei zählte:

1. Selbstvertrauen

Als Lieferdienst für Essen und Kaffee zu dienen, stellt einen Initiationsritus für Praktikanten und frischgebackene Analysten an der Wall Street dar. Es handelt sich um einen Test für die zwei Schlüsselqualitäten: ein Auge fürs Detail und Bescheidenheit. Später lernte ich hinzu, dass diese Qualitäten von einer kräftigen Dosis Selbstbewusstsein ergänzt werden müssen, wenn man als Trader erfolgreich sein möchte.

Nach meinem Abstecher zu Lehman Brothers habe ein zweites Sommerpraktikum am Derivate-Desk von JP Morgan absolviert, wo ich später auch als Analyst angefangen habe.

Die besten Trader, für die ich bei JP Morgan gearbeitet habe, waren auch die pro-aktivsten. Sie stellten Kurse für Optionen und suchten – unaufgefordert – nach Chancen und Preisineffizienzen, um die Aktivitäten anzukurbeln, während sie auf Kunden warteten. Ich habe den gleichen Ansatz verfolgt, um mein erstes Handelsbuch zu erhalten, nachdem ich das erste wilde Jahr am Desk überlebt hatte.

2. Kreativität

Als ich mich gegen eine weitere Spezialistenkarriere und für das General Management bei McKinsey entschied, wollte ich unbedingt als Associate bei dem Consulting-Unternehmen anfangen. Obgleich ich die Branchen wechselte, wollte ich keine Degradierung beim Jobtitel hinnehmen. Allerdings gab es hierfür noch keinen Präzedenzfall für jemanden ohne einen weiterführenden Masterabschluss.

Ich bewarb mich zunächst als Analyst. Nachdem ich ein Angebot erhalten hatte, konnte ich erfolgreich den Titel und das Gehalt eines Associates herausverhandeln. Ein „Nein“ stellt letztlich nichts anderes als den Startpunkt für kreative Verhandlungen dar.

Den Trader, der mich am besten abkonnte, habe ich gefragt, ob ich sehr kleine Beträge über sein persönliches Porftfolio traden dürfe. Es handelte sich um so etwas wie einen „Machbarkeitsnachweis“ oder ein „Minimalprodukt“ – um zum Wortschatz der Start-ups zu greifen. Dies half mir, sein Vertrauen in meine Fähigkeiten zu gewinnen und Selbstbewusstsein aufzubauen, wie sie für ein eigenes Handelsbuch erforderlich sind. Ein Jahr später hat dies zur Beförderung zum Associate geführt.

3. Herausforderungen

Während meiner Arbeit bei McKinsey habe ich ganz nebenbei ein Event-Produktions-Unternehmen gegründet. Als es immer erfolgreicher wurde, fand ich Geschmack am Unternehmertum. Jeden Tag bin ich mit neuen unternehmerischen Ideen aufgewacht. Alles hing allein von der IT ab, um die erforderliche Größe zu erreichen. Ich konnte allerdings weder Programmieren noch meine eigenen Produkte entwickeln.

Anstatt meine mangelnde Erfahrung als Hindernis zu begreifen, habe ich die Herausforderung angenommen und meine Kompetenzen weiterentwickelt: Ich habe mich für eine viermonatigen Vollzeit-Web-Development-Fortbildung bei General Assembly eingeschrieben. Nach dem Abschluss der Fortbildung war ich in der Lage, meine Ideen umzusetzen.

4. Coaching

Während meiner Karriere bin ich mit Stressmanagement, dem Übergang zu neuen Aufgaben, Gehaltsverhandlungen und weitreichenden Branchenveränderungen konfrontiert worden. Dennoch stellt die Gründung eines eigenen Unternehmens eine besondere Herausforderung dar.

Als ich McKinsey verließ, um mein eigenes Geschäft aufzuziehen, war mir klar, dass ich auf Anleitung angewiesen war. Ich habe mich also mit Start-up-Gründern abgegeben, die Leidenschaft und Risikobereitschaft mitbrachten. Auf Empfehlung eines Freundes habe ich einen Karrierecoach getroffen. Schnell habe ich begriffen, dass mir ein vorurteilsfreier, ausgebildeter Experte dabei helfen kann, mir über meine Ziele klar zu werden, mein Selbstbewusstsein zu stärken und – später – mich durch die ersten Tage meines Start-ups hindurch zu manövrieren.

Die Welt entwickelt sich immer schneller und die erfolgreichsten Leute werden in Zukunft die gewandtesten sein. Ich halte Coaching für das beste mentale Training, um im modernen Arbeitsumfeld voranzukommen.

Anastasia Alt ist Gründerin von Dream Space, die Karrierefortbildungen und Beratung mittels Text-Messaging und Videos anbietet und früher für JP Morgan und McKinsey gearbeitet hat.

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