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GASTBEITRAG: Compliance ist nicht sexy, dennoch möchte ich nirgends anders arbeiten

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Compliance-Jobs werden niemals so gefragt sein wie diejenigen im Front Office einer Investment Bank. Nachdem ich jedoch selbst seit drei Jahren im Middle Office bei JP Morgan arbeite, würde ich niemanden raten, diese Stellen vollständig auszuschließen.

Dem aktuellen politischen Umfeld zum Trotz (trotz Trump also) wird die Regulierung auch künftig in den Finanzdienstleistungen eine große Rolle spielen. Es dürfte aber eher um durchdachte und sinnvolle und nicht um noch mehr Regulierung gehen. Es geht also nicht nur darum, in einem Bereich zu arbeiten, in dem die Banken tatsächlich noch einstellen, sondern um eine erfüllende Karriere.

Zuerst ermöglicht es die Compliance jüngeren Angestellten mit dem Front Office und Senior Management im Investment Banking zusammenzuarbeiten. Und das heißt nicht etwa als stiller Polizist neben den Rockstars der Branche zu sitzen. Vielmehr tauchen täglich zahllose Regulierungs- und Compliance-Probleme auf und einige davon beschäftigen einen über lange Zeit. Daher fällt die Lernkurve bei all den Regulierungen und ihren Folgen steil aus. Überdies sitzen Sie neben Tradern und Sales-Experten und lernen deren Jobs kennen.

Es handelt sich um eine technische Aufgabe, dennoch müssen die Mitarbeiter der Compliance- und Rechtsabteilungen ihre geschäftlichen und sozialen Kompetenzen weiterentwickeln. Beispielsweise müssen Associates im Handelssaal sensible Probleme unter hohem Zeitdruck gemeinsam mit den Führungskräften lösen. Das stellt eine großartige Chance dar, sein Netzwerk auszubauen, Lösungen für drängende Probleme anzubieten und Einblicke in die Geschäftsdetails zu gewinnen, während Sie die rechtlichen und regulatorischen Implikationen kennenlernen.

Für Compliance-Mitarbeiter, die für die Regulierung der unterschiedlichen Facetten des Geschäfts verantwortlich sind, ist ein Stuhl an jedem Tisch frei. Denn regulatorische Probleme können komplex ausfallen. Sie müssen jedoch rasch gelöst werden, da sie Geschäftsabschlüsse behindern. Unter solchen Umständen bietet sich Ihnen die Gelegenheit, kreative Lösungen zu entwickeln, dem Business die Lösung schmackhaft zu machen und sie umzusetzen.

Um mit einer kreativen Lösung anzukommen, muss man hinter den Wortlaut des Gesetzes blicken und das Geschäft aus finanzieller, Risikomanagement- und operationeller Sicht verstehen. Man muss die Kunden verstehen und wie sie ihr Geld verdienen und welches die Profittreiber des Geschäfts sind. Es gibt keine magische Lösung, mit der sich die regulatorischen Anforderungen befriedigen ließen. Wenn wir dem Business unsere Lösung vorstellen, erläutern wir, wie und warum die Lösung vernünftig ist und zu den geschäftlichen und regulatorischen Anforderungen passt.

Der Umgang mit den Leuten aus dem Business ist nicht immer einfach. Sie verstehen sich als „Money Maker“ und das wird immer so bleiben. Personen, die nicht zum Front Office gehören, werden daher schnell als Hindernis beim Geld verdienen begriffen.

Umso wichtiger ist ein Vertrauensverhältnis. Die Front Office-Mitarbeiter müssen glauben, dass sie als Compliance-Experte eine alternative und kreative Lösung finden und nicht einfach nur „nein“ sagen. Das Problem besteht darin, dass es im Trading fiele Grauzonen gibt und wenn die Business-Leute eine Abkürzung um die Regulierung herum finden, dann werden sie sie auch nutzen. Ob man es mag oder nicht: Als Compliance-Mitarbeiter sind Sie es, der entscheidet, ob etwas gemacht werden kann oder nicht. Wenn die Leute aus dem Geschäft Ihnen vertrauen, werden sie Ihre Entscheidung eher akzeptieren.

Beispielsweise darf das Trading aus regulatorischen Gründen seinen Kunden nur einen begrenzten Kreditrahmen einräumen. Die Trader haben zunächst den Kunden einen Rahmen von X Millionen eingeräumt. Leider handelte es sich um eine sehr hohe Summe, die Risiko lief, die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden auf sich zu ziehen. Tatsächlich waren die Trader nicht in der Lage, den hohen Kreditrahmen zu rechtfertigen. Der einfache Grund lautete also, dass der hohe Rahmen ihre Geschäfte erleichterte. Als Compliance mussten wir diesen Kreditrahmen ablehnen. Indem wir verschiedene Fallbeispiele vorlegten und eine Reihe hypothetischer Fälle durchspielten, konnten wird letztlich die Trader überzeugen, den Kreditrahmen auf rund zwei Drittel des ursprünglichen Wertes zu reduzieren.

Einer der Hauptnachteile der Arbeit in der Compliance besteht im Image. Es wird als „nicht sexy“ begriffen. Doch wenn Sie ein Vertrauensverhältnis zum Business aufbauen, dann wird Ihre Expertise sehr gefragt sein.

Aufgrund des schlechten Images stellt die Arbeit in der Compliance nicht die erste Wahl von Juraabsolventen dar. Falls Ihr Interesse in einem traditionellen Jurajob besteht, dann sollten Sie tatsächlich in einer Kanzlei anfangen. Falls Sie jedoch eine Expertise im Bankgeschäft, dem Wertpapierrecht und der Finanzregulierung aufbauen wollen, dann sind sie in der Compliance-Abteilung einer Bank goldrichtig.

Stacey Kelly arbeitet bei JP Morgan. Es handelt sich natürlich um ein Pseudonym.

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