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Nach der Wahl Macrons: „Jetzt würde ich aus der Londoner City nach Paris ziehen“

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In der Londoner City wird an jeder Ecke Französisch gesprochen. Schon seit langem stellen die Absolventen französischer Elitehochschulen das Gehirn hinter der Dominanz des Londoner Finanzplatzes bei den strukturierten Produkten dar. Auch an der Entwicklung neuer Risikomanagementsysteme und Künstlicher Intelligenz sind Franzosen beteiligt.

So bringt z.B. Antonin Julier, der das Aktiengeschäft der Citi leitet, einen Abschluss der renommierten École Polytechnique mit. Das gleiche gilt für Sam Wisnia, der bei der Deutschen Bank das Geschäft mit strukturierten verzinslichen Wertpapieren leitet. Dagegen ist der Chef des Data Science-Teams von Blackrock, Pierre Demartines, Absolvent des Institut Polytechnique in Grenoble. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Nachdem Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinigen konnte und damit die rechtsradikale Bewerberin Marine Le Pen vom Einzug in den Élysée-Palast abhielt, können sich einige der Londoner Franzosen eine Rückkehr nach Paris vorstellen.

„Jetzt würde ich nach Frankreich zurückkehren“, sagt ein Vertriebsspezialist von Goldman Sachs in London, der lieber anonym bleiben möchte. „Macron ist pro-europäisch und das stellt ein gutes Signal dar – sowohl für die politische als auch fiskalische Stabilität.“

„Es handelt sich nur um eine weitere Erinnerung an eine andere Brexit-Abstimmung“, sagt ein Managing Director einer Schweizer Bank. „Ein Land lädt uns ein zurückzukommen und ein anderes versucht uns leider loszuwerden! Nach der Wahl Macrons herrscht in Frankreich eine Energie, nach der wir uns sehnen und die wir zuletzt so inständig in London vermissen mussten.“

Obgleich nach den jüngsten Ankündigungen zu den Umzugsplänen Frankfurt die Nase vorn zu haben scheint, tauchen auch Paris und Amsterdam in den Umfragen regelmäßig als Alternativen auf. Frankreich versucht die hochbezahlten Banker sogar mit Steuererleichterungen zu ködern. Macron hat selbst bereits angekündigt, „Banken, Talente, Wissenschaftler und Akademiker“ nach dem Brexit von Großbritannien abwerben zu wollen. Doch bislang hat sich lediglich die britische Großbank HSBC entschlossen, ihr Geschäft in der Eurozone in Paris zu bündeln. Und auch dies liegt lediglich daran, dass die Bank dort bereits eine große Tochtergesellschaft mit eigenem Handelssaal unterhält. Bei anderen Banken wie Goldman Sachs spricht vieles dafür, dass lediglich das Personal fürs französische Geschäft nach Paris umzieht.

Macrons Wahl könnte solchen Plänen Auftrieb verleihen. „Die Wahl Macrons zum Präsidenten wird die Verlagerung des französischen Sales-Teams beschleunigen und vielleicht auch Teile des Benelux-Geschäfts“, sagt ein Sales-Mitarbeiter der Credit Suisse. „Unsere Manager in Paris nicken jeden Umzugswunsch eines Salesmitarbeiters nach Paris ab. Wir rechnen mit der Ankündigung im Juni und mit der Verlagerung Anfang kommenden Jahres.“

Doch so schnell wollen die Franzosen in London dann doch nicht ihre Koffer packen. „Ich freue mich über das Ergebnis, dennoch möchte ich nicht nach Frankreich zurückkehren – um ehrlich zu sein“, erzählt ein Managing Director der Credit Suisse. „Für mich persönlich ändert sich nichts“, meint auch ein Vertriebsmitarbeiter der Royal Bank of Canada. „Das Leben in London ist für uns einfach besser“, erzählt ein früherer Mitarbeiter der Credit Suisse, der heute in Private Equity arbeitet. „Wir lieben die Dynamik der City. Es handelt sich um einen wahren kulturellen Schmelztiegel und es herrscht das Gefühl, dass es hier keine Grenzen gibt.“

„Erfolg wird in London geschätzt und das inspiriert alle Leute, die weiterkommen wollen“, ergänzt er. „Wer eine erfüllte Karriere in Finance anstrebt, für den gibt es in Europa keinen besseren Ort als London.“ Laut einem italienischen Banker, der in Frankreich studiert hat, sei Paris einfach provinzieller. „Als ich noch in Frankreich war, war der Markt noch ziemlich ‚französisch‘. In London herrscht einfach ein ganz anderes ‚Feeling‘.“

„Ich denke nicht, dass Paris jemals das Finanzzentrum Europas wird“, erzählt ein französischer Analyst von Morgan Stanley. „Frankreich wird bleiben, wie es ist, mit seinen starken Gewerkschaften und seinem Kündigungsschutz. Das wird von der Bankenbranche nicht geschätzt.“

Doch das könnte Macron ändern. Wann und welche Reformen anstehen, bleibt unterdessen offen. Vieles hängt von den Brexit-Verhandlungsergebnissen ab, den britischen Unterhauswahlen im Juni und der Effizienz der französischen Regierung. Wie ein Bankenanalyst von JP Morgan bereits im vergangenen Jahr herausgearbeitet hat, geht es bei dem Umzug nicht nur um Leute, sondern um Kapital. Mit Bilanzen von hunderten von Milliarden Dollar in Europa dürften sich US-Großbanken eine sichere Zuflucht wünschen. Doch genau dieser Punkt spricht für Frankfurt.

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