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„Ältere Banker können nicht mit jungen Kolleginnen umgehen“

Young women in banking

Ich will nicht lasziv klingen, aber Männer wollen in Banken immer oben sein. Und wie jeder in der Branche weiß, befinden sich die Frauen immer unter ihnen.

Ich habe das Banking Anfang des Jahres aufgegeben, weil ich frustriert war. Ich hatte es satt, als „Pretty women“ abgestempelt zu werden, die nicht vorankam, weil sich die Finanzdienstleistungen in einer Strukturkrise befinden. In der vergangenen Woche hat die Financial Times eine Studie veröffentlicht, wonach Frauen 58 Prozent des jüngeren Personals in den Finanzdienstleistern ausmachen, aber nur 26 Prozent unter den Führungskräften. Finance ist eine Branche, in der alte männliche Banker helle junge Frauen managen. Das stellt eine Tatsache dar.

Dies hat große Folgen für die Dynamik der Branche. Das männliche Management ist selbst-erhaltend und schon das stellt einen wichtigen Grund dafür dar, dass so viele Frauen auf mittlerem Karrierelevel ausscheiden. Die männlichen Führungskräfte bekommen Schweißausbrüche rund um ihren Kragen im Anblick all der jungen Frauen. Das heißt nicht, dass sie ihnen nachstellen würden – ganz im Gegenteil. Sie gehen ihnen aus dem Weg. Sie fürchten sich zu viel Zeit mit uns zuzubringen.

Ich hatte beispielsweise einen Vorgesetzten, der scheinbar kaum in der Lage war, mit mir zu sprechen. Wir hatten eine ganze Reihe an Problemen, weil er nicht in meiner Gegenwart kommunizieren konnte. Ihm fiel es leichter, mich einfach zu ignorieren. Er lud mich also zu nichts ein. Er hat mich niemals eingeladen mit ihm allein einen trinken zu gehen. Er ließ mich bei Teamveranstaltungen unberücksichtigt, während er sämtliche männliche Kollegen einlud. Es war als würde ich ihn verunsichern.

Je höher Sie an der Wall Street gelangen, desto mehr wird das zu einem Problem. Wenn Sie ein Junior sind – gleich ob Analyst oder Associate – dann werden Sie quasi automatisch befördert. Sie müssen einfach eine bestimmte Zahl an Jahren mit von der Partie sein. Sobald Sie die Karriereleiter ein wenig hinaufgeklettert sind, dreht sich alles darum, wie Sie von Ihrem Vorgesetzten eingeschätzt werden und wie sichtbar Sie im Unternehmen sind. Wenn Ihr Vorgesetzter in Ihrer Gegenwart dichtmacht und alle anderen – zumeist männlichen – Führungskräfte keine Zeit unter Vier Augen mit Ihnen verbringen, aus Angst ihnen werde etwas Anzügliches angehängt, dann stellt das schon ein Problem dar. Als junge Frau im Banking finden Sie kaum einen Mentor.

Aus diesem Grund wurde während meiner Zeit dort keine einzige Frau auf dem gleichen Karrierelevel wie ich befördert. Der Input der schlauen jungen Frauen wird ignoriert, während die männlichen Führungskräfte ihren ebenfalls männlichen Untergebenen zuhören, mit denen sie auch zwangloser umgehen und Beziehungen aufbauen. Sicherlich gibt es einige weibliche Führungskräfte im Banking – eben jene 26 Prozent. Allerding handelt es sich um eine Minderheit, mit der Sie nicht immer zu schaffen haben. Ich selbst hatte noch nie eine weibliche Vorgesetzte und obgleich es einige weibliche Führungskräfte gab, die sich für ihre Untergebenen einsetzten, habe ich doch eine der schärfsten Kritiken ausgerechnet von einem weiblichen Managing Director erhalten. Sie sagte mir, ich müsse eleganter und weiblicher auftreten.

Dies stellt schon ein Problem dar. Wenn Sie als Frau in den Finanzdienstleistungen vorankommen wollen, dann müssen Sie auf Ihr Auftreten achten. Sie müssen „nett“ sein, aber wiederum nicht so „nett“, dass sie vorschnell abgestempelt werden. Sie müssen „attraktiv“ sein, aber nicht so attraktiv, dass Sie als Bedrohung empfunden werden. Sie wollen auch nicht als frech, dreist oder maskulin herüberkommen, was die Angelegenheit nur noch schwerer macht. Nett und attraktiv aufzutreten, ohne herausfordernd zu sein, stellt den einzigen Weg dar. Wenn Sie das hinbekommen, dann kommen Sie voran. Männern obliegt nichts dergleichen. Sie brauchen nur sie selbst zu sein.

Sobald Sie den Analysten-Level verlassen haben, wird es zum Problem, dass die meisten der Sekretärinnen und des Verwaltungspersonals weiblich sind. Auch hilft es nicht weiter, dass die meisten der männlichen Banker mit Frauen verheiratet sind, die in PR oder Mode arbeiten. Die meisten Männer in den Finanzdienstleistungen wissen einfach nicht mit smarten, attraktiven Frauen umzugehen.

Und Sie müssen mitterleben, wie alle diese brillanten jungen Frauen sich mit diesen mittelmäßigen Männern abgeben. Bei dem Großunternehmen, bei dem ich früher gearbeitet habe, hatten wir einmal eine Assistentin, die wirklich klug war und vorankommen wollte. Sie hat den CFA bestanden usf. Als wir aber eine Junior-Stelle offen hatten, wurde sie von dem Team einfach nicht berücksichtigt. Sie bevorzugten es junge Leute ohne jegliche Erfahrung einzustellen, die nicht einmal die einfachsten Fragen zur Rechnungslegung beantworten konnten.

Irgendwann haben Sie davon die Nase voll. Finance kann schon eine ziemlich schlechte Branche sein und junge, schöne, wagemutige Frauen, die jetzt zu hunderten eingestellt werden, werden bald feststellen, dass es bessere Dinge gibt. Damit bleiben alle die ungefährlichen mittelmäßigen Männer zurück, die die Managing Directors auf Drinks oder zu einer Weihnachtsparty bei sich zuhause einladen. Die Männer der Wall Street wollen halt immer oben sein. Das stellt schon eine Schande dar. Das lustige daran: Ich glaube nicht einmal, dass sie wissen, was sie verpassen.

Amy Smith heißt nicht wirklich so.

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