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Wie ein Trader und Rapper seine Erfahrungen im Banking verarbeitet

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Als Rehan Islam während seines Vorstellungsgesprächs für einen Einstiegsjob bei Goldman Sachs nach seinen Interessen gefragt wurde, fiel ihm die Antwort leicht: „Ich rappe“. Anstatt die Augenbraue hochzuziehen hatte der Gesprächspartner nur eine kleine Aufgabe parat: „Dann zeigen Sie mal, was Sie können“. Er überzeugte und bekam den Job.

„Während meines ersten Vorstellungsgesprächs im Trading habe ich erwähnt, dass ich rappe und Sie baten mich um eine Vorstellung. Das kam bei ihnen gut an“, sagt er. „Vielleicht denken Sie, dass die Leute in der Londoner City alle in die gleiche Schublade gehören. Aber die Lebensläufe von Absolventen, die ins Banking wollen, werden sich immer ähnlicher und Arbeitgeber wollen etwas sehen, was sich davon unterscheidet.“

Islam begann seine Karriere 2012 im Trading strukturierter Finanzierungen bei Goldman Sachs und wechselte 2013 auf eine ähnliche Position bei der Société Générale. Im September hat er schließlich seinen Job im Banking aufgegeben. Zwischenzeitlich hat er nicht nur sein eigenes Fintech-Unternehmen aufgezogen, sondern auch ein Rap-Album veröffentlicht, in dem er sich mit seiner Zeit im Handelssaal auseinandersetzt. Islam hat schlabbrige Freizeitkleidung und protzige Klunker für einen anthrazitfarbenen Anzug samt Canary Wharf im Hintergrund eingetauscht. Bei seinem Album „Fire in the belly“ (Feuer im Bauch) handelt es sich um einen introspektiven Blick in seine Zeit im Banking.

„Es scheint ein wenig esoterisch zu sein, über das Trading und die Wall Street zu rappen, aber das passt durchaus zu den Traditionen des Genre“, sagt er. „Es ist wichtig, über seine Realitäten und seine Empfindungen innerhalb dieser Realität zu rappen. Bei dieser Realität kann es sich um den Handelssaal einer Investmentbank oder die Queensbridge-Projekte in New York handeln.“

Beispielsweise rappt Islam über die Aufregung, wie sie im Handessaal herrscht:

I see plenty men that look wealthy and plenty that look with envy 
and plenty that made a milly by their late twenties 
High fives, cheers, boisterous sounds 
Traders banging phones and kicking over tables it’s loud

In einem anderen Stück des Albums bereut er die Entscheidung, ins Banking gegangen zu sein.

There’s a kind of emptiness rotting my brain 
And deep down in my belly I don’t feel any flames 
But do I have the right to complain 
I just followed the path that was placed in my way

Dennoch hat Islam keine bestimmte Haltung zum Investment Banking.

„Ich erkunde lediglich, wie ich mich gefühlt habe und wie sich das entwickelt hat“, sagt er. „Ich saß vor einem Bloomberg-Terminal und dachte über Rhythmen nach, um abzuschalten. Ich interessiere mich, den Rap dazu einzusetzen, Emotionen und Dramen im beruflichen Umfeld zu erkunden, ähnlich wie das in Fernsehsendungen und Filmen geschieht. Hoffentlich wirkt sich das positiv auf die City aus.“

Islam ist in Saudi Arabien aufgewachsen, wo US-Rap sehr beliebt ist. 2005 ist er allerdings zum Studium an der London School of Economics nach Großbritannien gekommen. Er hat erst einen Bachelor in Volkswirtschaftslehre und dann einen Master in Management und Volkswirtschaftslehre erworben. Mit anderen Worten, er sei genau der Typ Student gewesen, den Banken gerne anheuern. Wer an der London School of Economics studiert, auf den würden die Bankenrecruiter schnell aufmerksam und viele Leute gehen einfach ins Banking, ohne sich über die Gründe im Klaren zu sein.

„Sie konkurrieren ständig darum, in die nächste Runde des Turniers zu gelangen“, erzählt er. „Sie müssen Bestnoten mitbringen, um es in die beste Uni zu schaffen, einen Top-Job im Banking und den besten Titel zu erhalten, was heutzutage im Banking bedeutet, dass Sie sehr spezialisiert sein müssen. Wenn dann auch noch die trostlosen Aussichten der Tradingjobs hinzukommen, dann ist die Angelegenheit wenig attraktiv. Die Geisteshaltung eines Künstlers und Unternehmers wird eher davon angezogen, neue Dinge zu lernen, Probleme zu lösen und kreativ zu sein.“

Seine Ansichten über die Londoner City würden von vielen jungen Analysten geteilt, sagt er.

„Einerseits mag die Musik Analysten gefallen, die sich während sie zur Arbeit pendeln fragen, wieso sie überhaupt im Banking arbeiten. Aber ich denke es gilt allgemein: Wir alle verfolgen Ziele, wir alle müssen Rechnungen bezahlen und unserer Arbeit stellt einen wichtigen Faktor unseres Wohlbefindens dar. Ich setze mich mit den schönen und hässlichen Seiten davon auseinander“, sagt er.

Unterdessen hat Islam einige Projekte am Start: Eine Agentur for Social Media-Marketing, und eine Kreditplattform, auf der sich Leute gegenseitig Geld leihen können. Ganz nebenbei will er mit seinem Rap einige Karrieretipps geben. Er will mit einer Serie von Gesprächen beginnen. „Es handelt sich um Expertengespräche, die mit Rap verbunden sein sollen“, in denen er seine Songs präsentiert und diese um Karrieretipps erweitert. Bislang besteht die Zielgruppe in den Finanzgesellschaften der Unis. Islam hofft aber auch, dass sie irgendwann einmal von Unternehmens aus der Londoner City übernommen werden.

Rap als Karriereratgeber für Banker. Das scheint weit entfernt vom Ursprung des Raps in den Armenvierteln zu sein. Doch Islam sieht dies anders.

„Rap ist reifer geworden. Sie sollten gut in Schule und Uni und Profi sein. Dennoch sollten Sie in der Lage sein, Ihre Erfahrung mit der Musik zu verbinden, die Sie hören“, meint er. „Für mich handelt es sich bei Rap um Poesie und Kunst. Ich liebe es eine Rolle dabei zu spielen – wie gering diese auch immer sein mag – die Grenzen des Rap weiter hinauszuschieben.“

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