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GASTBEITRAG: Wieso ich lieber im Multi Family Office als in einer Bank arbeite

Family Office

Lukas Dörig ist Partner des Marcuard Family Office in Zürich.

Lukas Dörig ist Partner und Deputy Head Client Relationship Management beim Marcuard Family Office in Zürich. Nach einem BWL-Studium an der Uni St. Gallen (HSG), der University of Michigan und der Université Catholique de Louvain hat Dörig als Fondsanalyst bei der PBS Privat Bank Schweiz angefangen. Nach Stationen bei der UBS und GI Global Invest ist der heute 41jährige 2008 zu Marcuard gewechselt. Dörig verfügt über einen Chartered Financial Analyst (CFA) und einen Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA).

Ein Multi Family Office bedeutet mehr als Vermögensverwaltung

Unsere Kunden haben ihr Geld „schon“ verdient. Bei unserer Arbeit geht es zwar auch um die Steigerung des Vermögens, noch wichtiger aber ist die Bewahrung. Doch die Dienstleistungen eines Multi Family Offices gehen weit über die aktive Vermögensverwaltung hinaus. So helfen wir unseren Kunden beim Verkauf ihrer Unternehmen, arbeiten an Nachfolgeregelungen, begleiten den Generationenübergang und kümmern uns um Steuerfragen (sofern gemäß anwendbarem Recht zulässig). Daher beschäftigen wir auch drei Anwälte.

Jeden Tag kommt etwas Neues hinzu; es wird immer komplexer. Während man in der Bank oft nur ein kleines Rad in einem großen Getriebe ist, müssen Sie hier auf immer neue Herausforderungen reagieren. Wir hatten z.B. einen Kunden mit einer umfangreichen Kunstsammlung. Es wurde immer wieder etwas gekauft und verkauft, ohne dass alles jemals systematisch erfasst wurde. Wir haben also einen Kunstexperten herangezogen, der die Sammlung erst einmal gesichtet und katalogisiert hat. Für ein Multi Family Office ist es entscheidend, dass es in ein Netzwerk von Dienstleistern eingebunden ist, die je nach Bedarf herangezogen werden können.

Der Übergang von Unternehmen zum Anleger

Ein anderes Beispiel für die Herausforderungen von Multi Family Offices stellt der Übergang vom Unternehmer zum Anleger dar. Wir begleiten oft Unternehmer, die die von ihnen aufgebauten Firmen verkaufen. Dies stellt viele vor große persönliche Herausforderungen. Während sie sich früher als Geschäftsführer um etliche Details gekümmert haben, zählen bei der Anlage großer Vermögen ganz andere Aspekte. Im Unternehmen waren Vermögen und Risiko gebündelt. Dagegen kommt es bei der Anlage auf eine gelungene Diversifizierung und Verteilung des Vermögens auf die verschiedenen Anlageklassen an. Viele ehemalige Unternehmer tendieren dazu, sich nicht an die Strategie zu halten und zu häufig einzugreifen. Dann drohen Klumpenrisiken, prozyklisches Verhalten und hohe Kosten wegen zu häufiger Umschichtungen. Unsere Aufgabe besteht darin, unsere Kunden bei solchen Übergängen zu begleiten.

Den Kunden bei der Entscheidungsfindung helfen

Ein erheblicher Teil unserer Arbeit besteht darin, den Kunden bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. Zum Beispiel müssen wir die Masse der Informationen, welche für den Kunden relevant sind, auswerten und zu einer Entscheidungsvorlage verdichten. Nach dem Motto: Sie haben drei Optionen mit folgenden Konsequenzen: A, B und C. Welche wünschen Sie davon?

Flache Hierarchien und Kundenkontakt

Anders als Banken verfügen Multi Family Offices über niedrige Hierarchien. Das Marcuard Family Office hat 27 Mitarbeiter und bei uns kommen Einsteiger schon recht früh mit Senior Management und Kunden in Kontakt. Sie sind also von Anfang an voll eingebunden. Das ist viel spannender als bei einer Bank, wo vor allem jüngere Mitarbeiter Kunden kaum jemals zu Gesicht bekommen.

Multi Family Offices konzentrieren sich überdies auf die langfristige Pflege der Kundenbeziehungen. Banken betreiben immer noch viel zu häufig Geschäftsmodelle, die auf kurzfristigen und transaktionsgetriebenen Erfolg beruhen.

Was Kandidaten für die Arbeit in einem Family Office mitbringen müssen

Wer eine Karriere in einem Multi Family Office anstrebt, muss zu allererst die richtige Persönlichkeit mitbringen. Eine gute Ausbildung und Berufserfahrungen im Wealth Management sind  ebenfalls hilfreich. Weiterbildungen wie CFA oder CAIA sind wünschenswert, aber keine Pflicht.

Eine große Rolle spielen Sprachkenntnisse. Sie wollen ja mit Ihren Kunden kommunizieren können, seine Kultur und das jeweilige Anlageumfeld verstehen. Daher konzentrieren wir uns bei Marcuard auf bestimmte Märkte. Wir haben uns z.B. den chinesischen Markt angesehen und uns dann gegen einen Einstieg entschieden. Für uns sind Deutsch, Englisch und Spanisch sehr wichtig. Selbst Schweizer Kunden besitzen meist internationale Verbindungen, weshalb gutes Englisch unerlässlich ist. Da vieles schriftlich festgehalten werden muss, reicht die mündliche Beherrschung der Sprache nicht aus. Letztlich ist aber entscheidend, ob ein Kandidat zu einem Multi Family Office und seinen Kunden passt oder nicht.

Das eigene Schicksal bestimmen

Ich würde mich jederzeit wieder für ein Multi Family Office und gegen eine Großbank entscheiden. Wir müssen zwar unser Geld selbst verdienen, dafür haben wir unser Schicksal in der eigenen Hand. Bei einer Bank ist das nicht immer der Fall. Da kann Ihr Arbeitsplatz abgebaut werden, weil das in einer fernen Konzernzentrale so entschieden wurde, ohne dass Sie darauf irgendeinen Einfluss haben. Bei einem Multi Family Office gestalten Sie hingegen mit, wie sich die Dinge entwickeln. Das ist für mich wesentlich attraktiver.

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