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GASTBEITRAG: Zehn Gründe, den Rest seines Lebens im Banking zu verbringen

Denken Sie lieber zweimal nach.

Denken Sie lieber zweimal nach.

Es handelt sich um keine Übertreibung. Während meiner 17 Jahre im Banking habe ich jeden Monat – manchmal sogar öfter – mit dem Gedanken gespielt, die Branche zu verlassen. Dennoch bin ich geblieben. Ich habe mir – zurecht oder unrecht – eingeredet zu bleiben.

1. Sie wollen tatsächlich hier arbeiten

Während der Mühen des Arbeitsalltags vergisst man leicht, wieso Sie hier angefangen haben. An diese Gründe sollten Sie sich erinnern. Was hat Sie ursprünglich an Finance interessiert und was interessiert Sie noch heute daran? Für gewöhnlich sind die Gründe immer noch präsent.

2. Glauben Sie an sich selbst

Regelmäßige Nachtarbeit, schlechte Boni und verletzende Vorgesetzte können Ihr Selbstbewusstsein schon arg ramponieren. Das sollten Sie nicht zulassen.

Glauben Sie mir, so etwas macht im Banking jeder durch. Alle haben das schon einmal erlebt; daran ist nichts Schlimmes. Ein wenig Selbstzweifel sind ok. Dabei müssen Sie sich aber immer bewusst machen, dass Sie es können. Wenn Sie in den Finanzdienstleistungen arbeiten, dann haben Sie bereits einen langen Weg zurückgelegt.

3. Es kann nur besser werden

Ein Managing Director hat es auch nicht leicht. Doch wenn Sie es erst einmal jenseits des Analysten- und Associate-Levels geschafft haben, dann kann es nur besser werden. Und ich habe das alles selbst durchgemacht. Schließlich werden Sie reifer, Sie erweitern Ihr Wissen und da es sich um eine zyklische Branche handelt, geht es auch wieder aufwärts. Wie schon der Schriftsteller Thomas Fuller vor Jahrhunderten wusste: Kurz vor Sonnenaufgang ist es immer am Dunkelsten. Sie sollten also nicht abmustern, sondern bleiben. Schließlich verkaufen Sie auch nicht, wenn die Kurse am Niedrigsten sind.

4. Die Branche ist groß. Falls Ihnen Ihr Job missfällt, dann gibt es noch viele andere

Vielleicht haben auch Sie sich verändert; vielleicht macht Ihnen etwas weniger Spaß als früher. Das ist vollkommen in Ordnung. Doch falls dies der Regelfall sein sollte, dann sollten Sie überlegen, was Sie wirklich motiviert.

Normalerweise sage ich den Leuten, die ich als Mentor betreue, einfach die besten Aspekte ihres Job auf einem Stück Papier aufzuschreiben: Worin bestehen die spezifischen Aufgaben, Aktivitäten, Projekte, die ihnen Spaß machen? Dann ziehen sie los und versuchen mehr davon in ihrem Arbeitsleben unterzubringen. Betroffene müssen oft gar nicht die Finanzbranche wechseln. Meistens genügt es bereits, die Aufgaben oder Abteilungen zu wechseln.

5. Sie werden immer besser

Hängt Ihnen Ihre Arbeit zum Hals heraus? Vielleicht wollen Sie abmustern, weil Sie in Ihrer Arbeit nicht gut sind? Ich kenne viele solcher Leute. An einen solchen Punkt gelangt man immer, wenn man etwas Neues beginnt.

Sie sollten sich klar darüber sein, dass jede neue Tätigkeit am Anfang schwer fällt. Sie begehen Fehler und wenn Sie nicht ausgerechnet der Gruppenbeste sind, dann schmerzt das. Allerdings gibt es hierfür auch keine einfache Lösung.

6. Anderswo wird schlechter gezahlt

Manchen geht es bloß ums Geld. Als ich angefangen habe, war das bei mir genauso. Dabei will ich ganz deutlich werden: Nirgends wird so viel Geld bezahlt wie in den Finanzdienstleistungen. Deswegen hören die meisten Leute weg, wenn sich Finanzprofis über ihre Boni beklagen.

7. Sie können beides erreichen

Um Ihre Träume zu verfolgen, müssen Sie nicht gleich die Finanzbranche verlassen. Vielmehr können Sie beides erreichen.

Nehmen wir einmal an, Sie wollen Ihr eigenes IT-Start-Up gründen, was großartig ist. Sie können an den Wochenenden daran arbeiten. Versuchen Sie Ihre Idee auszuarbeiten, finden Sie die richtigen Partner (vielleicht sogar bei der Arbeit) und Kunden (vielleicht Ihr Arbeitgeber). Arbeiten Sie daran 10 bis 15 Stunden am Wochenende und wer weiß, was daraus wird.

Falls Sie diese Arbeit mögen und das Geschäft wächst, dann ist der nächste Schritt vorgezeichnet.

8. Sie kennen bislang nichts anderes

Vielleicht wollen Sie auch das Banking verlassen, wissen aber gar nicht so recht, wohin die Reise gehen soll? Von einer alternativen Karriere zu träumen, macht nur dann Sinn, wenn Sie mit Leuten gesprochen haben, die dort arbeiten.

Falls Sie etwa auf die Buy-Side wechseln wollen, dann sollten Sie sich mit zehn Leuten von Hedgefonds, Fondsgesellschaften oder Family Offices anfreunden und sich ganz genau anhören, was Sie über ihre Arbeit erzählen. Worin bestehen die jeweiligen Herausforderungen? Wie sieht ihr Leben aus? Sind sie wirklich glücklich?

Falls Sie Arzt werden wollen, dann machen Sie einfach das gleiche. Finden Sie eine Reihe von Ärzten und fragen Sie sie, wie ihr Leben aussieht. Erst dann wissen Sie, ob dies etwas für Sie ist.

9. Sie machen sich unrealistische Vorstellungen von den Alternativen

Nur weil die Arbeit in den Finanzdienstleistungen schwierig ist, heißt das noch lange nicht, dass andere Karrierewege einen Spaziergang darstellen. Immer wenn ich mit anderen Leuten gesprochen habe, musste ich feststellen, dass ihr Leben auch keinen Zuckerschlecken darstellt. In den meisten Fällen wollten sie sogar meinen Job haben!

Gleich, was Sie auch immer machen: Anderswo sieht das Gras immer grüner aus. So denken die Menschen einfach. Sie sollten sich also bewusst darüber sein, was die Verfolgung Ihres Traumes tatsächlich bedeutet.

10. Überstürzen Sie nichts

Hoffentlich haben Sie mittlerweile verstanden, wieso Sie nichts überstürzen dürfen. Sie sollten sich also genügend Bedenkzeit nehmen, schließlich werden wir alle ohnehin bis 70 arbeiten. Die meisten, die diesen Artikel lesen, haben also noch 35 bis 45 Jahre vor sich. Darüber sollten Sie einen Moment nachdenken.

Als ich mir das selbst klarmachte, stellte dies eine Erlösung dar. In meinen 17 Jahren in den Finanzdienstleistungen hatte ich schon sieben verschiedene Jobs bei vier Unternehmen auf zwei Kontinenten. Da ich 39 Jahre alt bin, habe ich noch 30 Jahre vor mir. Ich werde mir die Zeit nehmen und die Reise genießen.

Der Autor arbeitete als Managing Director bei Goldman Sachs und bloggt auf „What I Learned on Wall Street (WilowWallStreet.com).

Kommentare (1)

Comments
  1. Es müssen echt sehr sehr traurigen Zustände in dieser Branche herrschen, wenn die genannten Beispiele “gute” Gründe sein sollen.

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