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Die besten Tipps eines Ex-UBS-Managers für den Fintech-Einstieg

Fintech

Ein Trainee-Programm einer Bank stellt eine gute Grundlage für eine Fintech-Karriere dar.

Wer in Fintech arbeitet – oder arbeiten möchte – sollte Oliver Bussmann kennen. Als ehemaliger Mentor des Fintech „Accelerators“ Level 39 in London ist Bussmann mit der überschaubaren Welt der Start-Ups wohlvertraut. Aus seinem früheren Leben als Chief Information Officer der UBS kennt Bussmann überdies die steilen Hierarchien globaler Großbanken. Schon während seiner Zeit bei dem Schweizer Institut hat Bussmann das Potenzial der Blockchain-Technologie erkannt, die Finanzindustrie aufzumischen. Vor seinem überraschenden Abgang bei der UBS im März wurde erwartet, dass er die Finanz-IT der Schweizer Großbank revolutionieren werde.

Nach seinem Ausscheiden hätte sich Bussmann die CIO-Positionen aussuchen können. Stattdessen hat er den Konzernen den Rücken gekehrt. Diesen Monat hat er Bussmann Advisory aufgemacht. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um ein Unternehmen, welches Consulting, Coaching und Thought-Leadership zu den Themen digitale Transformation, Innovation und die Überarbeitung der Geschäftsmodelle anbietet. Also eine IT-Beratung mit dem gewissen Etwas.

Die Inszenierung der Fintech-Zukunft

„Es geht um den nächsten Level“, sagt Bussmann. „Es geht darum, mit Banken und Fintech-Start-Ups zu arbeiten, damit die Banken das Fintech-Ökosystem in die Entwicklung ihres Neugeschäfts einbringen können. Die Investitionen von 20 Mrd. Dollar in Start-Ups werden nicht einfach verschwinden. Banken müssen lernen, dies für sich zu nutzen.“

Bussmann betrachtet sich selbst als „Arrangeur“, einen Vermittler zwischen Banken und IT-Start-Ups – jemanden mit Kontakten zu Risikokapital-Gesellschaften, die die letzteren finanzieren und den Aufsichtsbehörden, die die ersten regulieren. „Banken und Hochtechnologie-Unternehmen beginnen zu erkennen, dass sie sorgfältig organisieren müssen, wie sie mit Fintech-Unternehmen zusammenarbeiten“, meint Bussmann. „Sie müssen die Trends in der Start-Up-Community kennen, ihnen bei Ideenfindung und Finanzierung helfen, Ideen auszukundschaften und bewerten, wie sich diese in Produkte und Dienstleistungen umsetzen lassen.“

Derzeit handelt es sich bei Bussmann Advisory noch um einen Einmannbetrieb, doch das soll sich bald ändern. „Ich möchte mein Geschäft ausbauen“, sagt er. „… und Partnerschaften mit anderen Thought-Leaders eingehen. In Zukunft werde es entscheidend sein, die Führungskräfte mit einem Track-Record für sich einzuspannen. Wer kann Diskussionen mit Banken anstoßen und Perspektiven aufzeigen, wie sich Markt und Technologie entwickeln?“

Obgleich Bussmann die längste Zeit seiner Karriere in Zürich oder Frankfurt verbracht hat, glaubt er nicht, dass die Londoner City durch den Brexit dem Untergang geweiht ist. „London stellt immer noch die Top-Adresse für Fintech in der Welt dar“, sagt er. „Der Vorteil von London besteht darin, dass dort alle Player vertreten sind: Die starken, innovativen Financiers, die britische Regierung und die Regulierungsbehörden. Das lässt sich kaum schlagen. Singapur folgt dem Londoner Ansatz und auch die Berliner Community ist stark. Aber ich kann nicht erkennen, dass sich die Regulierungsbehörden und die Bundesregierung in Deutschland auf ähnliche Weise einbringen.“

Allerdings würden sich die Neuinvestitionen in London abschwächen, weil viele Investoren den Ausgang der Brexit-Verhandlungen abwarten. „Es gibt aber eine große Nachfrage“, sagt Bussmann und das nicht nur von Banken, sondern auch von Versicherungen und Consulting-Unternehmen.

Blockchain und Künstliche Intelligenz

Bussmann rechnet damit, dass wir von der Blockchain-Technologie noch viel hören werden. „Distributed Ledgers [die Blockchain-Technologie] birgt das Potenzial, die Kosten der Handelsfinanzierung, der Settlements und der globalen Zahlungsfinanzierung deutlich zu verringern.“

Das Front Office werde indes eher vom Siegeszug der künstlichen Intelligenz erfasst. „Es dreht sich alles darum, mit großen Datenmengen so umzugehen, dass Sie die Investmentsignale verstehen“, sagt Bussmann. Die Banken sind besonders an denjenigen Start-Ups interessiert, die Algorithmen für künstliche Intelligenz entwickeln. „Sie verbünden sich mit Start-Ups und stellen Softwareingenieure und Wissenschaftler ein und bauen gemeinsame Teams von Business- und IT-Mitarbeitern auf, die an dieser Herausforderung arbeiten.“

Woran Fintech-Unternehmen scheitern

Doch was bedeutet der Wandel für Einsteiger? Können Uniabsolventen künftig die Analysten- und Associate-Programme überspringen und gleich bei einem Start-Up anfangen, das selbstlernende Trading-Algorithmen entwickelt? Wohl kaum. Laut Bussmann stellen Finanzdienstleister immer noch einen guten Ort für den Karrierestart dar.

„Ich berate eine Menge IT-lastige Start-Ups. Sie verfügen über wirklich profunde IT-Kenntnisse, aber sie haben deutlich weniger Ahnung vom Geschäft“, sagt Bussmann. Wer vier oder fünf Jahre in einer Bank verbracht hat, versteht deren Geschäftsabläufe, den regulatorischen Rahmen und die Probleme, mit denen die Banken konfrontiert sind.

Wer diese Schule durchgemacht habe, komme leichter mit den Herausforderungen der Start-Ups zurecht: Worin besteht die Value Proposition? Was von Ihrem Angebot erleichtert das Leben Ihrer Kunden?

Viel zu viele Start-Ups kämen lediglich mit einer zu komplizierten IT-Lösung daher, bei denen die Banken viel zu lange bräuchten, um sie zu verdauen. „Die Leute aus dem Business wollen wissen, was für sie drin ist – ganz einfach. Ich verbringe viel Zeit damit, Start-Ups bei Ihren Alleinstellungsmerkmalen zu beraten.“

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