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Vontobel-Regenmacher geht und Vergütungen fallen um bis zu 32 Prozent

Regenmacher

Rajiv Jain bei der Arbeit (Foto: Getty Images)

Bei den Indianern wurden jene Medizinmänner besonders geschätzt, die mit ihrer Magie für den lange ersehnten Regen sorgten. Ihre modernen Nachfolger sind die Regenmacher – Rainmaker auf Neudeutsch, die in Investment Banking und Asset Management für sensationelle Erträge und Profite sorgen. Über viele Jahre hinweg beschäftigte Vontobel mit Rajiv Jain ihren eigenen Regenmacher. Sein Spezialgebiet waren Anleihen aus den Schwellenländern. Allein in 2014 soll Jain für seine magischen Dienste 60 bis 70 Mio. Franken eingestrichen haben. Doch Anfang des Jahres musterte Jain im Asset Management der Schweizer Traditionsbank ab. Jetzt hat Vontobel ihre Ergebnisse für das erste Halbjahr präsentiert. Die Entwicklung seit Jains Abgang ist höchst aufschlussreich:

Im ersten Halbjahr 2015 schlugen die 302 Mitarbeiter im Asset Management noch mit einem Aufwand von 110,6 Mio. Franken in der Gewinn-und-Verlustrechnung nieder. Damit ließ die Bank rein rechnerisch für jeden Beschäftigten der Sparte mehr als 366.000 Franken springen – nur für die ersten Monate, wohlgemerkt.

Ganz anders im ersten Halbjahr 2016: Plötzlich purzelten die Personalkosten im Asset Management auf nur noch 80,5 Mio. Franken – ein Minus von immerhin 30 Mio. Franken. Das Beste daran: Binnen Jahresfrist hat sich die Beschäftigung im Asset Management um 22 Stellen oder 7 Prozent erhöht. Die Medien-Spekulationen zu Jains Vergütungen in Höhe von 60 Mio. Franken scheinen also nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Unter dem strich brach der Personalaufwand pro Kopf im Asset Management um 32 Prozent auf knapp 249.000 Franken ein.

Durch den Abgang Jains musste Vontobel aber einen kräftigen Aderlass bei den Assets under Management verkraften. Diese purzelten in der von Jain geleiteten Quality Growth Boutique von 48 auf 37 Mrd. Franken. Dennoch hat der Abgang Jains auch sein Gutes. Denn durch die niedrigeren Personalkosten sprang der Vorsteuergewinn im Asset Management um 26 Prozent auf 85,3 Mio. Franken.

Doch auch in den übrigen Geschäftsbereichen stehen die Zeichen auf sinkende Vergütungen: Im Investment Banking fiel der Personalaufwand pro Kopf um 10 Prozent auf knapp 134.000 Franken und im Private Banking um 6 Prozent auf gut 134.000 Franken. Lediglich im Corporate Center blieben die Personalausgaben mit 137.000 Franken stabil.

Insgesamt konnte Vontobel den Reingewinn binnen Jahresfrist um 8 Prozent auf 105,7 Mio. Franken steigern und das obwohl die Erträge im gleichen Zeitraum um 2 Prozent auf 496,8 Mio. Franken nachgaben. Fazit: Ein Regenmacher wie Jain sorgt zwar für höhere Assets under Management und höhere Erträge, auf den Gewinn wirkt er sich allerdings negativ aus.

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