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Der Deutsche Bank-Ratgeber zum Brexit

Brexit City of London Deutsche Bank analysis

Bereits in der vergangenen Woche hat das Research von JP Morgan eine Analyse herausgegeben, aus denen Banker ablesen können, was der Brexit für sie bedeutet. Jetzt folgt die Deutsche Bank. Auch diese Analyse ist höchst aufschlussreich:

1. Jetzt sollten Sie im Zins- und Währungshandel arbeiten

Wie schon JP Morgan geht auch die Deutsche Bank davon aus, dass Macro-Geschäfte von den aktuellen Marktschwankungen profitieren. Daher handelt es sich für die Mitarbeiter im Zins- und Devisenhandel um ein gutes Quartal. Das gilt besonders für Banken, deren Fixed Income-Geschäft eng mit dem Währungshandel verbunden ist, was auf JP Morgan und BNP Paribas zutrifft. Dagegen sollten Sie einen Bogen um Banken wie Credit Suisse machen, die sich eher auf das Kreditgeschäft konzentrieren.

2. US-Banken in Europa haben mit steigenden Kosten zu kämpfen

Die Analysten der Deutschen Banker halten es für unwahrscheinlich, dass die europäischen Finanzdienstleistungen auch in Zukunft in London konzentriert bleiben. Wenn indes die Dienstleistungen über verschiedene Finanzzentren verteilt sein werden, dann gehen Skaleneffekte verloren. Dieser Verlust werde „Investitionen in EU-Plattformen“ erforderlich machen, heißt es von der Deutschen Bank.

Da die meisten europäischen Banken bereits über Plattformen in der Rest-EU verfügen, werden sie davon schwächer als die US-Konkurrenz betroffen sein. Viele der Banken dürften versuchen, die steigenden Kosten durch geringere Vergütungen zu kompensieren.

3. Unterschätzen Sie nicht den Einfluss auf die Londoner City

Laut den Analysten werde die Londoner City durch das Ende des sogenannten „Pass-Modells“ heftig getroffen. Unter „Pass-Modell“ wird verstanden, dass Finanzdienstleister mit einer Zulassung in nur einem EU-Mitgliedsland ihre Dienste in der gesamten EU anbieten dürfen. Mit dem Brexit hat sich das für die Londoner City erledigt.

4. Das Festhalten an MiFID und MiFIR stellt keine Alternative zum sogenannten EU-Pass dar

Die Analysten erläutern, welche Regulierungsoptionen der Londoner City nach einem Brexit verbleiben. Sie rechnen damit, dass das Pass-Modell beendet wird und sich Großbritannien nicht zum Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum – wie Norwegen oder Liechtenstein – durchringt, was den EU-Pass einschließen würde.

Vielmehr rechnen die Analysten damit, dass Großbritannien den Status eines Drittstaates wie die Schweiz erhält. Demnach müssen die Briten die europäischen Regulierungen exakt umsetzen und erhalten dafür den Zugang zu den EU-Finanzmärkten. Umgekehrt dürfen EU-Finanzdienstleister ihre Produkte in Großbritannien vertreiben.

Allerdings betonen die Deutsche Bank-Analysten, dass der Drittstaatenstatus alles andere als ideal sei. Denn er bedeutet, dass Großbritannien sich endlos an die EU-Standards halten muss und dass die EU Großbritannien jederzeit den Zugang zu ihren Finanzmärkten verwehren kann. Erschwerend komme hinzu, dass sich die EU für ihre Finanzplätze einsetzen dürfte, die in Konkurrenz zu London stehen. Sobald Großbritannien die EU verlassen hat, wird sie auch nicht mehr von den Antidiskriminierungsregeln der EU profitieren, die den Wettbewerb in der Gemeinschaft gewährleisten sollen. Weiter zieht der drohende Brexit einige Jahre der Unsicherheit nach sich, was sich schon allein negativ auf die Konjunktur auswirken werde. „All diese Nachteile dürften Großbanken mit bedeutenden ‚Hubs‘ in London dazu bringen, ihre Plattformen in der EU auszubauen, was besonders für Finanzprodukte, die in Euro notieren, gilt“, schreiben die Analysten.

Die Regulierungsoptionen für die Londoner City:

Deutsche chart EU alternatives

5. Die Regulierungskosten werden weiter steigen – auch in der Rest-EU

Seit 2008 sind Banken mit rasch steigenden Regulierungskosten konfrontiert. Der Brexit dürfte diesen Trend weiter verstärken. „Das verringert die Effizienz des europäischen Investment Banking-Modells in einer Zeit, in der die Banken ohnehin damit zu kämpfen haben, ihre Eigenkapitalkosten zu erwirtschaften“, meinen die Analysten. Dies dürfte auch noch mehr Automatisierung und weniger Geld hinauslaufen.

6. Schlechte Zeiten für das Aktiengeschäft

Weiter rechnen die Analysten damit, dass das Aktiengeschäft in 2016 schlechter als das Fixed Income-Geschäft ausfällt. In Equity Capital Markets und in Debt Capital Markets rechnen sie mit einem Ertragsrückgang von insgesamt etwa 20 Prozent, wobei das Geschäft mit Aktienemissionen besonders schlecht abschneiden dürfte.

7. Schlechte Zeiten für Credit Suisse und UBS…

Banken mit starkem Aktien- und Wealth Management-Geschäft – wie die beiden Schweizer Großbanken – werden von der absehbaren Risikoaversion der Banken besonders getroffen werden.

Deutsche Bank equities and fixed income exposure

8. … und für Equity Sales & Trading von HSBC, BNP Paribas und Credit Suisse

9. … sowie für Fixed Income Sales & Trading von Credit Suisse, Morgan Stanley und RBS

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