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Banken aktivieren Brexit-Notfallpläne: Tausende Jobs in London bedroht

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Boooooooom

Die Angst geht um an der Themse. Laut Mitarbeitern der führenden Strategieberatungen in London aktivieren die Banken jetzt ihre Notfallpläne für den Brexit. Kündigungen könnten daher schneller ausgesprochen werden als erwartet.

„Wir sprechen von 50.000 bis 70.000 Finanzjobs, die in den kommenden zwölf Monaten ins Ausland verlagert werden“, sagt der Consultant einer Top-Strategieberatung in der Londoner City, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. „Es werden Stellen abgebaut und die ersten Kündigungen werden in der kommenden Woche ausgesprochen.“

JP Morgan-Chef Jamie Dimon hat bereits ein Memo an seine Londoner Mitarbeiter verschickt. Demnach „kann die Bank ihre rechtliche Struktur in Europa ändern und einige Funktionen verlagern“. Der Consultant hält dies für eine Untertreibung. „JP Morgan hat gerade vier Gebäude in Madrid und sechs in Frankfurt angemietet. Alle Banken haben die Planungen schon seit Wochen vorangetrieben. Um 7.30 Uhr heute Morgen wurden die Notfallpläne in Kraft gesetzt.“

Schon bei früherer Gelegenheit hat Dimon gesagt, dass JP Morgan 4000 ihrer 16.000 Jobs in Großbritanniens im Falle eines EU-Austritts ins Ausland verlagern könne. Bislang reagierte die Bank nicht auf eine Anfrage.

Auch ein anderer Strategieberater aus dem Finanzdienstleistungen rechnet damit, dass die Auswirkungen eher früher als später die Londoner City erreichen. „Diese Banken werden schnell damit beginnen, Jobs ins Ausland zu verlegen“, erzählt er. Einer seiner Kunden habe bereits Vorbereitungen getroffen, 1000 Stellen von London in die Rest-EU zu verlagern. „Die Auswirkungen auf die Londoner City werden fatal ausfallen.“

Allerdings könnten auch Londoner Banker enttäuscht werden, die zu einem Umzug nach Frankfurt, Madrid oder Dublin bereit wären. Denn die beiden Consultants rechnen damit, dass mehr Jobs in London untergehen als anderswo wieder auftauchen. „Wie wollen sie jemanden, der 160.000 Pfund in London verdient, dazu bringen, für 60.000 Pfund in Frankfurt zu arbeiten“, meint einer. „Die Banken werden die Gelegenheit nutzen, um Kosten abzubauen.“

Dennoch dürften die übrigen europäischen Finanzzentren von Londons Problemen profitieren. „Die europäischen Banken werden Front Office-Jobs in ihre Heimatländer zurückverlagern, wo immer sie ihren Hauptsitz haben. Bei Back und Middle Office-Jobs handelt es sich um einen anderen Fall“, sagt der Consultant. „Da richten sich die Blicke nach Dublin, Polen und die Tschechische Republik.“

Die Gretchenfrage lautet jedoch, ob die US-Banken ihre Europazentralen verlagern. So beschäftigt Goldman Sachs ein Sechstel aller ihrer Mitarbeiter in der City und baut gerade eine geräumige neue Europazentrale in London. Unterdessen hat Morgan Stanley-Präsident Colm Kelleher damit gedroht, die Europazentrale nach Frankfurt oder Dublin zu verlegen. Unter den Fluchtdestinationen stellt Madrid eine neue Option dar, die allerdings bei vielen Bankern populär ist. „Die Senior Banker hoffen alle auf Madrid.“

Während Londoner Banker wie gebannt auf den Abgrund starren, sind die Consultants frohgemut. „Die Kunden-E-Mails kommen von links, rechts und aus Mitte“, sagt einer. „30 Projekte verschiedener Banken wurden bei uns heute in Kraft gesetzt“, frohlockt der andere. „Alle großen Strategieberatungen – McKinsey, Bain, Boston Consulting werden mitgezogen. Alles wird sich ändern.“

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