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GASTKOMMENTAR: Wieso Referenzen zu vergeben ein Albtraum ist, den man am besten vermeiden sollte

Falls Sie zu den Glücklichen zählen, die im gegenwärtigen Umfeld einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnen durften, dann herzliche Glückwünsche. Doch damit haben Sie die Angelegenheit noch nicht geschaukelt. Es gibt eine letzte Hürde, die Sie nehmen müssen und es mag sich dabei sogar um die höchste handeln: Ihre Referenzen.

Viele Leute, die diese Zeilen lesen, wissen, dass es viel leichter ist, eine hübsche Frau in einer Bar oder bei einer Party kennenzulernen, wenn man bereits gemeinsame Freunde hat. Dabei handelt es sich um eine allgemein bekannte Tatsache.

Und Arbeitgeber gleichen attraktiven Frauen – sie lieben es, eine Referenz zu erhalten. Gleich wie einschneidend ihre Fragen ausfallen, wie knifflig ihre Denkaufgaben oder wie wohldurchdacht ihre Fallstudien sind – nichts stellt einen besseren Indikator dafür dar, ob man dem Job gewachsen ist, als wenn man sich auf die Worte von jemand anderem stützen kann.

Ich habe keine Ahnung, wieso das so ist. Meiner Meinung nach haftet den Referenzen ein Interessenkonflikt an. Wieso sollte Ihnen jemand eine gute Referenz erteilen, damit Sie sich zum Wettbewerber davonstehlen? Für diejenigen Jobs, die die meisten von uns tagein tagaus machen, gibt es keinen großen Genpool, aus dem die Arbeitgeber auswählen können. Es dürfte nicht leicht fallen, einen anderen Trader für japanische “Interest Rate Swaptions” zu finden. Daher dürfen sie sich glücklich schätzen, eine derartige Position wieder zu besetzen, auch wenn es lange dauern sollte.

Wenn Sie umgekehrt eine glänzende Referenz erhalten, dann hegt Ihr potenzieller Arbeitgeber womöglich den Verdacht, dass Ihr derzeitiger Vorgesetzter Sie davonloben möchte. Denn sofern Sie nicht erstklassig sind, gewinnt Ihr Vorgesetzter gleich doppelt: Er lähmt seinen Konkurrenten, vermeidet hohe Abfindungsleistungen oder womöglich ein zeitraubendes “Performance Managing Program”.

Schriftliche Referenzen werden gelegentlich von Unternehmen verboten, um sich rechtliche Schwierigkeiten zu ersparen. Daher sind Referenzen oftmals zu einem Telefongespräch “off the record” geworden.

Falls der Gewährsmann den Eindruck erhält, dass der Mitarbeiter nicht wirklich für die Aufgabe geeignet ist und sie ihren Kollegen dennoch leiden können, dann fühlen diese sich hin und her gerissen. Sie wollen weder ihre berufliche Integrität riskieren, noch die Wahrheit erzählen und damit der Karriere des Freundes schaden. Die Lösung besteht oftmals in einem unbefriedigenden Pfusch.

Ehrlichkeit ist in den Finanzdienstleistungen rar gesät. Denn die meisten Leute können sich so lange nicht über ihre berufliche Integrität hinwegsetzen, bis ihr persönlicher P&L hoch ist. Wer Referenzen auswertet, sollte also nicht alles auf die Goldwaage legen. Darüber hinaus werden Referenzen oftmals erst eingefordert, wenn der Vertrag schon unterzeichnet ist. (Ich habe keine Idee wieso, vielleicht wollen Vorgesetzte gar nicht erfahren, dass die Bewerber verschiedene Angebote vergleichen). Damit fällt es jedoch einem Arbeitgeber schwer, den Vertrag zu brechen, wenn er feststellt, dass die Referenzen schlecht sind.

Allerdings bin ich noch nie in diese Situation geraten und ich wüsste nur zu gern, wie man damit umgeht.

Bei dem Autor handelt es sich um einen ehemaligen Corporate Banker, der jetzt im Private Equity arbeitet.

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