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Die zehn Gebote des Jamie Dimon

Jamie_Dimon

JP Morgan-Chef Jamie Dimon hat kürzlich einen Brief an seine Aktionäre gesandt. In dem Schriftstück sind seine zehn Gebote für alle enthalten, die irgendwann einmal bei der US-Bank arbeiten möchten:

1. Führen Sie keine frivolen Gespräche

Zunächst sind Gerüchte und schlüpfrige Gespräche für Sie tabu, was namentlich für Meetings gilt. Laut Dimon hat JP Morgan darum gebeten, frivole Gesprächsthemen aus den Meetings zu verbannen. Weiter sollen die Mitarbeiter „vorbereitet erscheinen und die zuvor versandten Dokumente auch gelesen haben.“

2. Sie sollten nicht an den Wochenenden arbeiten, außer…

Weiter berichtet Dimon, dass die „geschützten Wochenenden“ jetzt für alle Beschäftigten der Investment Banking Division gelten, sofern diese nicht an „wesentliche Erledigungen“ arbeiten. Die „geschützten Wochenenden“, worunter ein tatsächlich freies Wochenende pro Monat zu verstehen ist, seien fortan weltweit verpflichtend.

3. Sie sollten in Kontrollfunktionen arbeiten, wobei Sie allerdings weniger verdienen

Wie allgemein bekannt, hat JP Morgan massiv in Kontrollfunktionen wie Compliance, Risikomanagement und Finance investiert. Laut Dimon ist die Zahl der Mitarbeiter seit 2011 in diesen Funktionen von etwa 24.000 auf 43.000 angestiegen. Unterdessen hätten die Kosten dafür von 6 Mrd. auf 9 Mrd. Dollar pro Jahr zugelegt. Dies bedeutet interessanterweise auch, dass der Aufwand pro Mitarbeiter in der gleichen Zeit von durchschnittlich 250.000 auf 209.000 Dollar gesunken ist. Entweder zahlt die Bank also ihren Mitarbeitern weniger, ersetzt sie durch IT oder beides.

4. Sie sollten in der IT arbeiten

Die Entwicklung in der IT verläuft ganz ähnlich. Über die ganze Bank gibt JP Morgan rund 9 Mrd. Dollar aus und beschäftigt etwa 40.000 Mitarbeiter. Dabei werden mittlerweile 95 Prozent der Devisentransaktionen und 50 Prozent der US-Dollar-Swaps elektronisch abgewickelt. Dimon zufolge habe die Bank ihren Anteil am elektronischen Handel von US-Aktien vervierfachen können.

5. Sie sollten nicht in China arbeiten, es sei denn…

Wenn es nach dem neuen Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam geht, sollten Sie in China arbeiten. Der Banker setzt auch weiterhin auf die Stärke der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die aktuellen Probleme seien lediglich Dellen in einer ansonsten makellosen Entwicklung. Dimon ist sich da weniger sicher.

„Für die Zukunft erwarten wir nicht, dass China das gleichmäßige, ständige Wachstum fortsetzen wird wie in den zurückliegenden 20 Jahren“, schreibt er in dem Aktionärsbrief. „Es wird mehr Schlaglöcher auf der Straße geben.“

Dennoch habe die Bank ihre Kapazitäten im Aktienresearch für sogenannte A-Aktien ausgebaut, die früher nur von Chinesen gehandelt werden durften. Darüber hinaus würden auch Investmentbanker für die Region gesucht.

6. Gute Chancen in Research sowie in den Sektoren Energie, IT und Gesundheit

Weiter kündigte Dimon an, dass JP Morgan Investmentbanking-Führungskräfte für die Sektoren Energie, IT und Gesundheit einstellen wird. Darüber hinaus werde das globale Aktienresearch weiter gestärkt. JP Morgan besitze die größte Abdeckung von Aktien in der gesamten Branche. Das Aktienresearch entwickle sich zu einem Alleinstellungsmerkmal und habe erhebliche Auswirkungen auf den elektronischen Aktienhandel.

7. Sie sollten nicht mit unwichtigen Kunden arbeiten

Wie viele andere Großbanken auch mistet JP Morgan gerade ihre Kundenliste aus, wobei Kunden aussortiert werden, mit denen die Bank keine Gewinne erzielt. Auf diese Weise seien im vergangenen Jahr allein 2900 Kundenverbindungen im Corporate & Investment Banking „geschlossen“ worden.

8. Sie sollten sich an der Citigroup orientieren

Erstaunlicherweise führt Dimon ausgerechnet die Citigroup als ein Vorbild für das Corporate & Investment Banking an, wovon der unten stehende Chart zeugt:

Best in class

9. In Sales & Trading sollten Sie bei JP Morgan arbeiten

Der von Dimon mitveröffentlichte Chart suggeriert, dass JP Morgan ihre starke Position im Kapitalmarktgeschäft sukzessive ausbaut. Seit 2006 hat der Marktanteil jedenfalls von 7,9 auf 15,9 Prozent zugelegt. In der Investment Banking Division sieht es indes anders aus.

JPM header

JPM CIB market share

10. Sie sollten tolerant und kollegial sein und gut zuhören können

Dimon schließt seinen Brief mit einigen allgemeinen Sätzen, die aber auf seine eigene Bank angewendet werden können. So warnt er vor einem Entweder-oder-Denken nach dem Motto: „Entweder machen wir es auf meine oder deine Art.“ Weiter warnt er vor dem Gebrauch von Sündenböcken. „Dabei handelt es sich meist nur um Versuche, die Position von jemanden übermäßig zu vereinfachen, um sie dann anzugreifen.“ Auch dürften kritische Kommentare nicht als Beschwerden missverstanden werden. Vielmehr mahnt er zum Zuhören, zu Kompromissen, Zusammenarbeit und ständiger Verbesserung.

Abschließend versäumt es Dimon nicht zu erwähnen, dass die durchschnittliche Unternehmenszugehörigkeit bei 15 Jahren liege. In Anbetracht der Tatsache, dass Dimon selbst das Geschäft der zusammengelegten Bank JP Morgan Chase seit zwölf Jahren leitet, kommt seinen Ratschlägen besonderes Gewicht zu.

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