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GASTBEITRAG: Vor zwei Jahren war ich ausgebrannt und habe meinen Bankingjob aufgegeben, jetzt bin ich zurück

burnout

2014 hatte ich von Finance genug. Zuvor hatte ich neun Jahre lang in der Branche gearbeitet – sieben davon im Kundenkontakt – und ich war ausgebrannt. Damals wollte ich aus der Branche aussteigen und niemals zurückkehren.

Denn die Finanzdienstleistungen hatten sich gründlich verändert. Ich habe kein Problem damit, hart zu arbeiten. Allerdings war ich an dem Punkt angelangt, als ich bis tief in die Nacht arbeiten musste und von meinem Vorgesetzten keinerlei Unterstützung erfuhr. Ich bin ein Marathonläufer und ich muss laufen, um mental gesund zu bleiben, aber ich fand keine Zeit mehr für den Sport. Ich habe um 7.30 Uhr angefangen und um 19.30 Uhr aufgehört. Als ich die langen Arbeitszeiten gegenüber meinem Vorgesetzten erwähnte, meinte dieser bloß: „Arbeiten Sie nicht so lang.“ Er gab sich indes keine Mühe, meine Arbeitszeit tatsächlich zu verringern, die nach der Finanzkrise exponentiell angestiegen war, als die Bank weniger mit mehr zu erledigen versuchte. Wir litten an Personalmangel und hatten mit drückenden regulatorischen Problemen zu kämpfen. Alltäglich herrschte massiver Druck und ich sah auch keine Chance auf eine Beförderung.

Also bin ich gegangen. Ich bin meinen Neigungen gefolgt und Fitnesstrainer geworden. Dennoch muss ich eingestehen: Auch auf der anderen Seite ist das Gras nicht grüner. Denn wenn Sie nicht voll beschäftigt sind, dann verfügen Sie auch nicht über die Sicherheit eines regelmäßigen Einkommens. Das scheint reichlich offensichtlich zu klingen, doch dieser Vorteil wird erst so richtig sichtbar, wenn er Vergangenheit ist. Plötzlich fällt Ihr Einkommen unberechenbar aus. Einmal haben Sie viel Kunden, ein anderes Mal keine.

Wenn Sie selbständig sind, dann müssen Sie sich auch viel mit sich selbst abgeben. Anstatt mit Kollegen und Kunden zu arbeiten, sind Sie zuhause und warten auf Kunden. Sie haben nicht einmal den Kontakt zu Menschen, der sich durch das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz zwangsläufig einstellt.

Auch wenn Sie als Fitnesstrainer einer Menge sportlicher Aktivitäten nachgehen, kommt Ihr Gehirn zu kurz. Ich vermisste die fachlichen und problemlösenden Aspekte meines Jobs in den Finanzdienstleistungen.

Nach zwei Jahren abseits der Branche bin ich daher wieder zurück. Ein ehemaliger Kollege hat mir einen Job vermittelt, der meinem alten äußerst ähnlich sieht. Obgleich ich 24 Monate weg war, konnte ich mich bei meiner Rückkehr an alles sofort erinnern.

In gewisser Hinsicht hat sich nichts verändert. Die Regulierung nimmt noch immer überhand, es gilt noch immer viel Arbeit zu bewältigen.

Doch meine Auszeit hat mich viel über mich selbst gelehrt. Ich werde sicherlich nicht wieder ausbrennen. Ich habe mir selbst die Regel auferlegt, niemals länger als bis 18 Uhr zu arbeiten, niemals vor dem Computer Mittag zu essen und mir wenigstens eine halben Stunde Mittagspause zu gönnen – ich betrachte meinen Bankjob entspannter. Ich weiß, dass es überhaupt keinen Sinn macht, sich unter Stress setzen zu lassen. Schließlich handelt es sich lediglich um Arbeit.

James Lee ist ein Pseudonym. Unser Gastautor arbeitet im Kundendienst einer europäischen Bank.

Kommentare (1)

Comments
  1. Bis 19:30… Süß :)

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