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GASTBEITRAG: Wie ich nach 500 Bewerbungen endlich doch einen Praktikumsplatz gefunden habe

Von Absagen darf man sich nicht unterkriegen lassen.

Von Absagen darf man sich nicht unterkriegen lassen.

Ich studiere politische Wissenschaft an der London School of Economics. Währenddessen habe ich erste Kontakte bei 20 Unternehmen gesammelt. Um das klarzustellen: Diese Erfahrungen habe ich mir selbst besorgt und nicht mein Papa, der zufällig irgendwen kennt. Vielmehr ist mein Vater Friseur und meine Mutter kann krankheitsbedingt nicht arbeiten.

Der derzeitige Arbeitsmarkt ist schwierig, hunderte wenn nicht sogar tausende Studenten wie ich suchen nach Jobs im Investment Banking. Einige Bankangestellte plagen sich damit ab, sich durch Berge von Bewerbungen durchzuarbeiten, um die wenigen Perlen zu entdecken, die sie tatsächlich einstellen oder zumindest zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Doch wie avancieren Sie selbst zu einem dieser Auserwählten? Wie stechen Sie aus der Masse hervor?

Ausdauer

Heute sind Banken und andere Finanzdienstleister kaum noch gewillt, „Außenseitern“ Einblicke in ihre Handelssäle und M&A-Deals zu gewähren. Während es früher vergleichsweise leicht fiel, hier erste Erfahrungen zu sammeln, werden Sie heute von den Banken mit dem Verweis auf die Regulierung abgelehnt. Ich selbst habe mehr als 500 Absagen erhalten, ungeachtet der E-Mails, die erst gar nicht beantwortet wurden. Gerade einmal bei 20 Unternehmen bin ich über die schriftliche Bewerbung hinausgelangt.

Den Rest können Sie sich ja selbst ausrechnen; überhaupt nur wahrgenommen zu werden, fällt sehr schwer. Einmal habe ich 57 E-Mails benötigt, nur damit sich ein Trader mit mir fünf Minuten lang unterhielt.

Doch wie können Sie diese Widerstände überwinden? Durch Erfahrung; mit jeder Erfahrung sehen Sie auf dem Papier etwas besser als viele Ihrer Mitbewerber aus. Mit jeder Erfahrung erwerben Sie nicht nur wertvolle Kompetenzen, sondern Sie dokumentieren, dass Sie hart arbeiten können und Sie nichts von Ihrem Vorhaben abbringt. In der hart umkämpften Finanzwelt ist diese Eigenschaft besonders wichtig. Wenn Sie glauben, dass Ihnen Chancen, Informationen und Zeit auf einem Silbertablett serviert werden, dann liegen Sie falsch.

Doch wie kommt man weiter? Stellen Sie es sich wie eine Wand vor, bei der Sie jeden Ziegelstein einzeln abtragen. Beginnen Sie mit den losesten Steinen ganz oben und arbeiten Sie sich zu den festgefügten Steinen am Fundament durch. Mit anderen Worten: Beginnen Sie mit den kleinen Unternehmen und arbeiten Sie sich dann zu den Branchenschwergewichten wie JP Morgan und Goldman Sachs vor. Beschreiten Sie dabei alle erdenklichen Wege: Von Initiativanrufen über E-Mails bis zu einem persönlichen Besuch bei verschiedenen Unternehmen mit Ihrem Lebenslauf in der Hand. An einem bestimmten Punkt gelangen die Steine so unter Druck, dass die gesamte Wand einstürzen wird und Sie einsteigen können.

Wenn Sie erst einmal drinnen sind, dann sollten Sie aus jedem Kontakt das Beste herausholen. Bedenken Sie auch, dass Sekretärinnen und Assistenten  ebenso wichtig sind – und manchmal sogar wichtiger – als die Mitarbeiter, die am Trading Desk die Knochenarbeit erledigen. Sie können Ihnen zum Beispiel den Zugang zu wichtigen Persönlichkeiten verschaffen. Wenn Sie erst einmal gelernt haben, bei kleineren Unternehmen das meiste aus solchen Kontakten herauszuholen, dann fällt es Ihnen immer leichter weitere Steine herauszuschlagen. Dann werden sich neue Chancen ergeben und rasch werden sich stattliche Erfahrungen in Ihrem Lebenslauf ansammeln.

Daher sollten Sie mit Ihren Karriereambitionen so früh wie irgend möglich beginnen. Wie schon der britische Kriegspremier Winston Churchill sagte: Geben Sie niemals, niemals, niemals auf.

John Bradford ist das Pseudonym eines Studenten, der sich ein Sommerpraktikum bei einer US-Bank in London sichern konnte.

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