☰ Menu eFinancialCareers

Werden die Jobs in Private Equity überbewertet?

So mancher betrachtet die Private Equity-Branche durch die rosarote Brille.

So mancher betrachtet die Private Equity-Branche durch die rosarote Brille.

Viele Investmentbanker spielen mit dem Gedanken auf die Buy-side zu wechseln und dort wiederum zieht es die meisten zu Private Equity. Laut einschlägigen Recruitern sei es keine Seltenheit, dass auf jede offene Junior-Stelle 300 Bewerbungen eingehen.

Denn die Private Equity-Branche steht im Ruf, besser zu zahlen und spannendere Jobs zu bieten als das zermürbende Investment Banking. Wer es in Private Equity in eine Führungsrolle schafft, kassiert nicht nur Gehalt und Bonus, sondern auch noch Carried Interest – und der kann beträchtlich ausfallen. Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine Beteiligung an den erfolgreich abgeschlossenen Deals. Zweitens treten Private Equity-Fonds als Investoren und nicht nur als Berater auf, womit sich der Job auf längere Sicht als deutlich interessanter erweist. Und drittens hoffen viele Finanzprofis in der Branche weniger Nacht- und Wochenendschichten als im Investmentbanking einlegen zu müssen.

Doch stimmen dieses Klischees überhaupt? Einige Recruiter warnen schon jüngere Mitarbeiter aus dem M&A-Geschäft vor überzogenen Illusionen. „Ähnlich wie die Leute vor fünf Jahren falsche Vorstellungen von Bankkarrieren hegten, machen sie sich jetzt falsche Vorstellungen von der Private Equity-Branche“, sagt Headhunter Andy Pringle von Circle Square in London. „Sie treffen auf eine Menge Leute, die glauben, dass das Leben in Private Equity glamouröser sei“, ergänzt er. „Sie denken, dass sie in die Führungsetage gehen und dort echte Entscheidungen für das Unternehmen treffen.“

„Die Wahrheit ist, dass die Aufgabe von Juniors in einem Private Equity-Fonds hauptsächlich in der Analyse von Dokumenten besteht. Sie werden Ihr Büro also nicht verlassen. Sie werden Ihre Zeit hauptsächlich mit Excel verbringen und kaum Mehrwert generieren.“

Wenn man jüngere Mitarbeiter von Private Equity-Fonds anspricht, bestätigen sie hinter vorgehaltener Hand, dass die Branche auch einige Schattenseiten aufweist. „Wenn Sie an einem laufenden Deal mitarbeiten, dann fallen die Arbeitszeiten ähnlich lang wie im Banking aus“, erzählt etwa ein Associate. „Wenn überhaupt, dann ist es noch stressiger, weil Sie nicht nur einen Kunden beraten, vielmehr arbeiten Sie an einem Geschäftsplan, bei dem hunderte Millionen Dollar riskiert werden.“

„Einige Fonds konzentrieren sich sehr auf Präsentationen und verbringen viel Zeit mit Powerpoint, wobei es oft ums Formatieren geht“, erzählt ein anderer Analyst. Auch die Arbeitszeiten fielen ungemütlich aus. „Bei den Führungskräften der großen Fonds handelt es sich um ehemalige Banker, die die Kultur oft beibehalten“, warnt er. Bei einem kleineren Fonds indes würde die Work-Life-Balance etwas besser ausfallen, allerdings würde man dort auch weniger lernen. Bei den großen Fonds wiederum drehe sich alles ums liebe Geld. „Falls Sie als Analyst Goldman Sachs verlassen, um bei Blackstone anzufangen, dann wird sich Ihr Lebensstil nicht verbessern. Sie erhalten eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent und damit hat es sich.“

Sollten jüngere Banker also lieber in der Investment Banking Division der Großbanken verharren? Nicht unbedingt. Laut einem anderen einschlägigen Headhunter, der anonym bleiben möchte, sei die Private Equity-Branche nicht so schlecht – sie sei lediglich nicht so gut, wie viele denken. „Der Punkt ist: Wir erhalten viele Bewerbungen von Investment Banking-Analysten im zweiten oder dritten Jahr, die lediglich ABB wollen – Anything But Banking“, erzählt er. „Es fällt ziemlich schwer ihnen zu erläutern, dass sich die Alternative gar nicht so dramatisch unterscheidet.“

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier