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Das Karussell dreht sich wieder: Wie Sie bis Jahresende einen Job in der Schweiz finden

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Die Stimmung steigt auf dem Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis. Endlich scheinen die negativen Einflüsse durch den Streit mit den US-Behörden abzuflauen. Immer mehr Headhunter aus Zürich und Umgebung berichten jedenfalls von steigenden Auftragszahlen. Doch was müssen Kandidaten mitbringen, um bis Jahresende noch einen Job in der Schweiz zu finden? Wir haben Personalberater nach den begehrtesten Profilen gefragt.

Im Asset Management dreht sich das Karussell wieder

„In Institutional Sales wird permanent gesucht, aber auch in Wholesale“, beobachtet Headhunter Thomas Bossard von Bianchi Partner & Partner in Zürich, der aufs Asset Management spezialisiert ist. Da die Schweiz aufgrund der hohen Konzentration von Anlagevermögen zu den Kernmärkten im Vertrieb zählt, wollen sich auch viele ausländische Asset Manager auf dem Schweizer Markt breiter aufstellen; immer wieder würden zudem neue Anbieter auf den Markt drängen. Wenn dann irgendwo jemand wechselt, dann reist dies eine Lücke, die wiederbesetzt werden muss. Auf diese Weise entstehe eine eigene Dynamik. „Das Karussell dreht sich“, kommentiert Bossard.

Doch was müssen Vertriebsprofis für einen Job in der Schweiz mitbringen? „Schweizerdeutsch wird geschätzt“, sagt Bossard. Noch wichtiger sei indes eine ausgeprägte Vertriebskompetenz. „Ein Netzwerk ist das eine, der Intellekt, den Kundenkontakt effektiv zu bewirtschaften, das andere“, betont Bossard. Mit dieser Fähigkeit sei sogar ein Wechsel aus dem Investment Banking, Consulting oder Advisory-Geschäft ins Asset Management möglich.

Auch im Portfolio Management wird gesucht. „Besonders stark wachsen auch Schweizer Boutiquen im Asset Management, welche erfolgreich in der Nische sind“, sagt Bossard. Das gelte auf breiter Front für Aktien, Anleihen oder alternative Investments. „Ganz besonders beobachten wird das im Multi Asset Class-Bereich“, ergänzt der Headhunter. Der Ausbau im Front Office bewirke wiederum einen steigenden Bedarf an unterstützenden Positionen wie Kundendienst, Request for proposal-writer oder Investment-writer. „Die verkaufsunterstützenden Aufgaben werden mitgezogen.“

Mehr Bewegung in M&A

Schon länger herrscht in M&A und Equity Capital Markets in weiten Teilen Europas ein veritabler Juniormangel. Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich beobachtet jetzt auch mehr Bewegung bei Vice Presidents (VP) und Executive Directors (ED) mit sechs oder mehr Jahren Berufserfahrung.

„Die Zeiten als die Investment Banker alle drei Jahre befördert wurden, bis sie Managing Director waren, sind vorbei“, sagt Surber. Ab Senior VP oder ED würden viele Investment Banker bei Großbanken nicht weiterkommen und zu Private Equity, M&A-Boutiquen, großen Corporates oder Family Offices wechseln. „Family Offices mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Mrd. Franken stellen selbst Know-how ein, um direkt in Unternehmen zu investieren“, erläutert Surber. Dort könnten die Mitarbeiter unternehmerischer handeln und seien breiter aufgestellt. „Bei einer Großbank sieht der VP kaum jemals einen Kunden“, berichtet Surber.

Compliance und Regulierung

Seit der Finanzkrise wächst das Regulierungsgeflecht und mit ihm die Nachfrage nach Compliance-Experten. Ein Ende des Trends ist unabsehbar. „Das hat wegen der Auseinandersetzung mit den US-Behörden noch zugenommen“, erzählt Headhunter Marcus Wittner von Contagi in St. Gallen und Zürich.

Laut Personalberater Nick Dunnet von Robert Walters in Zürich läge der Volumenanteil der vermittelten Bewerber aus den Bereichen Risk und Compliance bei etwa 40 Prozent.

Für Personalberater bestehe hier die Herausforderung, die Kandidaten von einem Wechsel zu überzeugen, ergänzt Wittner. Eine große Rolle spiele dabei das Prestige der Banken. Die Kandidaten würden heute darauf achten, wie häufig der potenzielle Arbeitgeber für Negativ-Schlagzeilen sorge. „Das hat früher kaum jemanden interessiert.“

„Wir beobachten eine deutliche Verlagerung auf den Bereich Legal und Compliance”, sagt auch Peter Vogler von kessler.vogler in Zürich. Dazu zähle eine verstärkte Nachfrage aus den Bereichen „Anti money laundering” (AML) und „Know your customer” (KYC). „Mittlerweile gibt es eine Reihe von Kandidaten, die schon einige Zeit in dem Bereich verbracht haben und sich weiter spezialisieren oder verbessern wollen”, erzählt Vogler. Dadurch komme Bewegung in den Arbeitsmarkt. Vogler stellt allerdings nicht fest, dass die Gehälter „signifikant” steigen. Dennoch würden die Spezialisten besser bezahlt als der Durchschnitt.

Der unendliche Bedarf an IT-Spezialisten

Eine weitere unendliche Geschichte ist der Bedarf an IT-Spezialisten. Auch hierbei spiele die Implementierung von Compliance-Aufgaben in die IT-Landschaft eine wichtige Rolle, erläutert Wittner. IT-Sicherheit sei ein weiteres Thema. Überdies würde der Abstoß bzw. Aufkauf neuer Geschäftsbereiche bedeuten, dass diese Bereiche regelmäßig aus einer IT-Umgebung desintegriert und in eine neue integriert werden müssten. Eine große Herausforderung bestehe weiterhin in der Synchronisierung von Prozessen, damit die Beschäftigten in Hongkong und in Zürich das gleiche gleichzeitig auf ihren Monitoren sehen.

Immer mehr befristete Verträge

Wer bereit ist auch eine befristete Beschäftigung einzugehen, erhöht seine Chancen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Durch die Restrukturierungen in der Branche würde oft zusätzliche Arbeit anfallen. „Die Banken versuchen die Spitzen oft durch temporäre Beschäftigung aufzufangen”, sagt Vogler. „Der Kostendruck ist immer noch sehr groß.”

Im Private Banking sind UHNWI-Spezialisten gesucht

Im Wealth Management komme es längst nicht mehr nur auf die Höhe der verwalteten Kundenvermögen an, sondern auch auf die Kundenstruktur. Grundsätzlich wollten die Banken nur noch sauberes Geld haben. Laut Dunnet seien Client Relationship Manager gefragt, die sich auf Ultra high-net-worth individuals (UHNWI) mit einem verwalteten Vermögen von 50 Mio. Franken aufwärts spezialisiert hätten. Dies bedeute geringere Kosten für Verwaltung und Regulierung. „Die Banken nehmen lieber Client Relationship Manager, die zwei Kunden mit 50 Mio. als 50 Kunden mit 2 Mio. Franken mitbringen“, sagt Dunnet.


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