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Boom oder Blase: Wann endet der FinTech-Hype?

Irgendwann platzt jede Seifenblase.

Irgendwann platzt jede Seifenblase.

In den zurückliegenden zwei Jahren ist das FinTech-Fieber ausgebrochen. Der Sektor hat sich von einem Refugium für frustrierte Investmentbanker zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Doch wann droht die Blase zu platzen?

Erst vor einigen Tagen hat der Chef der Schweizer Finanzaufsicht Mark Branson vor zu viel Euphorie gewarnt. „Den Siegeszug der digitalen Finanzindustrie zu verkünden, wäre wohl verfrüht“, sagte Branson. „Oder erinnert sich noch jemand von Ihnen an die Bank You der Bank Vontobel oder an Julius Bär Net, oder an die UBS e-services? All diese Projekte hätten im Sommer 2001 durchstarten sollen. Sie erraten, was kommt: Daraus wurde nichts. Stattdessen gab es Verluste und peinliche Rohrkrepierer.“

Mit dieser Meinung steht der oberste Schweizer Regulierer nicht allein da. „Der Begriff FinTech bezeichnet sehr viel. Einige Bereiche sind bereits übersättigt und in den kommenden zwei bis vier Jahren wird es einige Riesenreinfälle geben“, warnt der Chef IT-Beratung Markets Tech Andam Honore. „Ein offensichtlicher Fall ist das Kreditgeschäft. Ähnliches gilt für das Retailbanking oder die automatisierte Anlageberatung. Da gibt es bereits viele Player.“

Sicherlich ist der Bankensektor reif für die Herausforderung von kleineren Spielern, die Alternativen zum gängigen Bankgeschäft anbieten. Weiter gibt es einen Bedarf an Standardlösungen für Probleme, die vielen Bankmanagern Kopfzerbrechen bereiten wie in der Compliance. Doch um solche Produkte zur Marktreifen zu bringen, bedarf es Geld und Zeit.

Mit welchen Problemen FinTech konfrontiert ist

In einer berühmten Rede hat Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein darauf hingewiesen, dass die wachsende Regulierung auch für die FinTech-Branche zu einer Last werde. Dies stelle eine gewaltige Einstiegshürde für neue Spieler dar. Das gilt sowohl für Internet-Giganten wie Google als auch für kleine Startups.

So gestand auch Nikolay Storonsky, Gründer von Revolut, einem Unternehmen der sogenannten „Money Cloud“ gegenüber eFinancialCareers, dass ihm Regulierung das größte Kopfzerbrechen bereite.

„Alle Regulierungsvorgaben zu erfüllen, stellte eine der größten Herausforderungen dar, um unser Produkt an den Start zu bringen. Sie haben mit Leuten aus anderen Bereichen des Finanzsektors zu schaffen, die weniger Arbeitsmotivation mitbringen und sich langsamer bewegen. Wegen solcher Leute sind wir gegen viele Mauern gefahren“, sagt Storonsky.

„Viele Unternehmen haben einfach nicht genügend Zeit und Geld, um mit den größeren Playern konkurrieren zu können“, meint Honore.

Allerdings stecken auch einige Großbanken viel Geld in FinTech-Startups. Commerzbank, UBS, Credit Suisse, Santanter und HSBC sind alle mit von der Partie – entweder durch direkte Investitionen oder durch Risikokapitalfonds. Auch an Förderprogrammen herrscht kein Mangel.

Die Investitionen in FinTech-Startups haben sich von weltweit 3 Mrd. Dollar in 2013 auf 12 Mrd. in 2014 vervierfacht. Für 2015 wird mit einer weiteren Verdopplung gerechnet.

FinTech bedeutet harte Arbeit

„Ich arbeite 500mal härter als ich es je im Investmentbanking getan habe“, erzählt Rajeev Gupta, der früher bei Goldman Sachs arbeitete und heute das Startup GeckoLife betreibt. „Ich heuere und feuere, mache das Produktmanagement, kümmere mich um die Kunden und um die Finanzierung. Ich habe sogar die Kaffeemaschine gekauft. Ich schlafe nur noch vier Stunden pro Tag, bin ständig aufgeregt, denke ständig nach, schreibe oder spreche.“

„Eigentlich war die Idee, Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen und ein wenig Geld für eine bessere Work-Life-Balance aufzugeben. Das hat nicht so funktioniert. Ich arbeite noch härter“, sagt auch Stu Taylor, der das FinTech-Unternehmen Algomi leitet.

Auch die Finanzierung stellt eine große Hürde dar. Wer nicht über eine stabile Kundenbasis verfügt und Geld von einem Risikokapitalfonds erhält, muss sich von einem erheblichen Teil seines Unternehmens trennen. In den ersten sechs Monaten hat Taylor Algomi selbst finanziert. Auf diese Weise konnte er das Produkt entwickeln und eine erste Kundenbasis aufbauen, was den späteren Einstieg eines Risikokapitalgebers erleichterte. Auch Storonsky hat zunächst in die eigene Tasche gegriffen, um Revolut an den Start zu bringen.

„Das Fehlen eines regelmäßigen Einkommens ist schon brutal gewesen“, erzählt Gupta. „Ich habe vier Kinder und eine Frau. Ich habe es unterschätzt, was es bedeutet, über zwei Jahre kein Einkommen zu haben. Ich dachte, das Geschäft würde innerhalb eines Monats laufen und ich würde ein Gehalt wie ein Partner bei Goldman Sachs beziehen. Jetzt nehme ich den Bus, Billigflieger und nutze Airbnb oder übernachte bei Freunden oder der Familie. Wenn nichts hereinkommt, müssen Sie zusehen, dass auch möglichst wenig herausgeht.“

Mittlerweise mehren sich auch die Hinweise, dass ehemalige Banker, die ihr Glück in FinTech gesucht haben, ihre Entscheidung bedauern. Ein Beispiel hierfür stellt Josh Schubkegel dar. Nachdem er die UBS für das FinTech-Unternehmen REDI Technologies verlassen hatte, hat er jetzt bei der KCG Holdings angefangen.

„In einer FinTech-Nische gibt es nur Platz für wenige Gewinner und ich denke, wir werden in der näheren Zukunft sehen, wie eine Reihe Unternehmer zu stabileren Finanzkarrieren zurückkehren“, schätzt Honore.

Unterdessen hat der FinTech-Markt an Reife gewonnen. Die Zeit der Visionen ist vorbei, jetzt müssen Erfolge geliefert werden. So hat Paul Reynolds Bondcube liquidiert, wobei es sich um eine Art ebay für Anleihen handeln sollte. Laut Reynolds seien die Regulierungskosten für Startups oft nicht zu tragen.

„Ich würde ein Geschäftsmodell entwickeln, das nicht der Regulierung unterliegt. Ich würde nur eine Handvoll von Kunden angehen und darauf achten, von Anfang an Erträge zu generieren und nicht erst am Ende“, erzählt Reynolds rückblickend. Zwischenzeitlich hat Reynolds mit Bondchain ein neues Unternehmen gegründet, welches Kunden bei der Preisfindung von Anleihen helfen soll.

„Lösungen für große Probleme in den Finanzdienstleistungen anzubieten, stellt den Erfolgsfaktor in FinTech dar“, meint Honore. „Compliance und Risikomanagement stellen hierfür gute Beispiele dar. Da gibt es eine Menge Chancen auf den institutionellen Kapitalmärkten. Die Unternehmen müssen an einem schmerzenden Punkt von vielen Finanzdienstleistern ansetzen und dies auf eine innovative Weise. Einfach nur der Herde zu folgen, funktioniert nicht.“

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