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Wie Investmentbanker in New York und London ihre Spitzengehälter rechtfertigen

Banking pay

Auch wenn die märchenhaften Vergütungen aus der Vorkrisenzeit längst passé sind, kassieren vor allem Investmentbanker immer noch deutlich höhere Gehälter als Angestellte aus der Realwirtschaft. Das gilt besonders für die beiden wichtigsten Zentren des globalen Investmentbankings in London und New York. Wir haben mit drei Bankenanalysten gesprochen, wieso dieses Vergütungsniveau gerechtfertigt ist.

Wir befinden uns noch immer in einem Anpassungsprozess

„Rom wurde auch nicht an einem einzigen Tag erbaut“, meint der Bankenanalyst und Wall Street-Veteran Brad Hintz, der an der New York University Stern lehrt. Laut Hintz müssten Banker, die vor der Krise noch 5 Mio. Dollar nachhause trugen, sich mittlerweile mit 2 Mio. Dollar begnügen. Während es für die Betroffenen eine „Tragödie“ darstelle, handelt es sich für den Rest der Welt um eine Menge Geld.

Jobs im Banking sind unsicher

Hintz zufolge würden die Jobs im Banking auch so gut bezahlt, weil sie oftmals einem heißen Stuhl glichen. „Die durchschnittliche Lebensspanne eines Managing Directors liegt bei fünf Jahren“, erzählt Hintz. Die hohe Vergütung stelle somit auch eine Kompensation für das erhöhte Beschäftigungsrisiko dar. „Wenn Sie einen sicheren Job wollen, dann gehen Sie zur Post“, ergänzt der US-Amerikaner, wobei die Post in den Vereinigten Staaten ein Staatskonzern ist.

Banker sind die „Zahnräder“ des Systems

Im Kapitalismus befinden sich die Banker immer noch im Herz des Systems. „Historisch gesehen haben alle, die das Kapital kontrollierten, sich eine jede Menge Zinsen genehmigt“, sagt Bankenanalyst Chirantan Baruna von Bernstein Research in London.

Dabei gehe es nicht nur darum, dass Banker viel Geld kassieren. Vielmehr handle es sich beim Banking um einen schwierigen Beruf, was die Vergütung lediglich widerspiegle. „Die Verteilung des Kapitals ist schwierig“, sagt Barua. „Und noch schwerer fällt es auf internationalem Niveau.“

Laut Barua gelte dies sowohl für die Investment Banking Division als auch für Trading-Jobs. „Wenn in M&A das Unternehmen A das Unternehmen B kauft, dann handelt es sich um Kapitaleinsatz“, sagt der Analyst. „Gleiches gilt, wenn Sie mit Wertpapieren handeln oder in einen Private Equity-Fonds investieren.“

Investmentbanker arbeiten doppelt so lang wie andere Leute

Die hohen Verdienste gehen zumindest teilweise auf die langen Arbeitszeiten im Investmentbanking zurück. Wenn die Vergütungen auf die Arbeitsstunden umgelegt werden, dann fallen die Gehälter zumindest bei den jüngeren Bankern nicht sonderlich beeindruckend aus. Denn 70 bis 80 Stunden die Woche sind normal und einige arbeiten noch deutlich länger. „Associates und Vice Presidents arbeiten 100 Stunden die Woche über Jahre, um irgendwann einmal zum Managing Director aufzusteigen“, sagt Hintz.

„Junior-Banker, die zwölf bis 13 Stunden pro Tag arbeiten, erwarten, dass sich das auch in ihrem Gehalt widerspiegelt“, beobachtet US-Bankenanalyst Christopher Wheeler von Atlantic Equities. „Mir haben schon Leute gesagt: Wenn sie weniger als 100.000 Dollar verdienen, dann könnten sie auch gleich acht Stunden pro Tag bei einer der Big 4-Gesellschaften arbeiten.“

Investmentbanken waren in der Vergangenheit oft als Partnergesellschaften organisiert

Laut Wheeler hänge die hohe Vergütung auch mit der historischen Tatsache zusammen, dass viele Investmentbanken einmal Partnerschaftsgesellschaften gewesen sind.

„Als die Banken noch Partnerschaften waren, wurden alle Gewinne verteilt“, erzählt Wheeler. „Alles wurde an die Beschäftigten ausbezahlt. Als die Banken an die Börse gingen, mussten sie die Gewinne plötzlich mit den Aktionären teilen. Die Bezahlung wird immer noch in Richtung Aktionäre ausbalanciert. Dennoch herrscht die Tradition so viel wie möglich unter die Beschäftigten zu verteilen.“

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