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Hipp statt langweilig: Wie Berlin Frankfurt und München in der FinTech-Szene aussticht

berlin

Von Goldman Sachs in London zu Spotcap in Berlin. Toby Triebel hat seine Investment Banking-Karriere für sein eigenes FinTech-Startup in der Hauptstadt aufgegeben. „Berlin ist ein deutlich besserer Standort als Frankfurt oder München. Die FinTech-Szene hat sich hier mittlerweile etabliert“, erzählt der Wahlberliner.

Ein wichtiger Grund sei, dass auch die Investoren in Berlin ansässig sind. „Und wer nicht hier ist, kommt regelmäßig nach Berlin“, erläutert Triebel. Sei es aus Deutschland, London oder sogar dem Silicon Valley. An Triebels Unternehmen Spotcap ist beispielsweise Rocket Internet der Samwer-Brüder beteiligt.

Ein weiterer Vorteil Berlins sei die Verfügbarkeit von Talenten. „Für IT-Spezialisten und Produktmanager ist Berlin der attraktivste Standort in Europa“, betont der Unternehmensgründer. Berlin sei einfach die internationalste aller deutschen Städte. Berlin sei mit seinen Clubs und seiner Atmosphäre vor allem bei jüngeren Leuten von 20 bis 40 sehr begehrt. „Berlin ist eine hippe Stadt“, kommentiert Triebel.

Eine Rolle spiele auch die Nähe zu Osteuropa, woher viele Talente stammen. So beschäftige Spotcap 65 Mitarbeiter mit 20 verschiedenen Nationalitäten. Durch die „Blue Card“ falle es vergleichsweise leicht, eine Arbeitserlaubnis für Fachkräfte von außerhalb der EU zu erhalten.

„Besonders Ausländer zieht es nach Berlin“, berichtet auch Headhunterin Stefanie Storck von Capital Talents in Frankfurt. Eine IT-Fachkraft zum Umzug von Berlin nach Frankfurt zu bewegen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. „Generell ist die Umzugsbereitschaft sehr gering“, ergänzt Storck.

Die Verfügbarkeit von IT-Spezialisten stelle für viele wachstumsorientierte FinTech-Unternehmen einen kritischen Punkt dar, meint Triebel. Bei Spotcap arbeiten rund ein Drittel der Mitarbeiter in der IT, 20 Prozent in Finance und der Rest in Marketing und unterstützenden Funktionen wie HR. Bei anderen Unternehmen aus der Branche liege der IT-Anteil noch höher. „Viele FinTech-Unternehmen können nie genug IT-Spezialisten haben“, sagt Triebel.

Ein weiterer Vorteil von Berlin sei das im Vergleich zu Frankfurt oder München niedrige Gehaltsniveau in der Hauptstadt. Da aber auch die Lebenshaltungskosten ebenfalls niedriger ausfielen, könnten sich Beschäftigte einen ähnlichen Lebensstandard leisten.

Dies bestätigt Storck. Die Personalberaterin bearbeitet derzeit einen Suchauftrag eines Unternehmens für zwei Senior PHP-Entwickler in Berlin und München. „Die Anforderungsprofile sind identisch“, sagt Storck. „Dennoch liegt die Gehaltsbreite bei 55.000 bis 60.000 Euro in München und bei 45.000 bis 50.000 in Berlin.“

Einen weiteren Nachteil von Berlin stellt die geringere Verfügbarkeit von Talenten mit einem Finance-Background dar. „Das dürfte in Frankfurt besser sein“, sagt Triebel. So manches FinTech-Startup würde zu wenige Finance-Experten beschäftigen. Aber genau dies erfordere die hohe Regulierungsdichte in den Finanzdienstleistungen sowie das Risikomanagement. So verfügt Spotcap beispielsweise über eine Lizenzierung der britischen Financial Conduct Authority (FCA). „Es ist eben etwas anderes Kredite oder Schuhe zu verkaufen.“


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