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Der ultimative Ratgeber für Private Equity-Vorstellungsgespräche

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Schon die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch stellt in der Private Equity-Branche so etwas wie den Ritterschlag dar. Denn Statistiken zufolge fallen die Chancen überaus bescheiden aus. So gehen auf Junior-Stellen regelmäßig 250 bis 300 Bewerbungen ein, von denen es maximal 30 auf die nächste Stufe schaffen. Meistens handelt es sich dabei allerdings nur ujm ein Gespräch mit einem Personalberater. Dieser sendet dann eine Liste mit bis zu zehn Namen an den Private Equity-Unternehmen weiter. Davon werden vielleicht sechs tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und nur zwei schaffen es in die Endrunde.

„Sie dürfen keine Chance verschwenden“, sagt Headhunterin Gail McManus von Private Equity Recruitment. „In einem Private Equity-Vorstellungsgespräch besteht ein unglaublicher Konkurrenzdruck und Sie bekommen nicht viele Chancen zum Üben.“

Stufe 1 des Private Equity-Vorstellungsgesprächs: Passen Sie zum Unternehmen?

Wie alle anderen Unternehmen erwarten Private Equity-Gesellschaften von Bewerbern, dass sie die Firma und deren Geschäftsmodell kennen und die für den Job erforderlichen Kompetenzen und Berufserfahrungen mitbringen.

Als erstes geht es darum, ob Sie überhaupt in das fragliche Team passen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in einer eingehenden Vorbereitung auf die Standardfragen. Laut McManus können Bewerber erwarten, dass die folgenden Fragen in der einen oder anderen Form gestellt werden:

1. Wieso wollen Sie bei uns arbeiten?

Wer sich eingehend über Unternehmen, Geschäftsmodell, Unternehmenskultur und Alleinstellungsmerkmal (USP) informiert hat, sollte diese Hürde mit Leichtigkeit nehmen. Informieren Sie sich über aktuelle Transaktionen, geeignete Zielunternehmen usf.

„Bei der Frage geht es einfach nur darum, seine Hausarbeiten zu erledigen. Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, dann wird das Gespräch bei dem Private Equity-Unternehmen sehr ungemütlich“, warnt McManus. „Nachfragen können zu den jeweiligen Sektoren, in denen sie tätig sind, oder zu einem aktuellen Deal gestellt werden, der die Gesprächsteilnehmer begeistert. Eine gute Antwort bedeutet oft, dass erst gar keine Nachfragen vorkommen. Alle Private Equity-Gesellschaften wollen keine Zeit verlieren.“

2. Warum wollen Sie in Private Equity arbeiten?

Dabei sollten Sie beachten, dass die Unternehmen nicht wirklich an Ihren Karrierewünschen interessiert sind. Vielmehr handelt es sich um einen Käufermarkt und in einem solchen steht die Frage im Vordergrund, was Sie anzubieten haben. Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Stellen Sie dar, wie ein Wechsel ins Private Equity der logisch nächste Karriereschritt wäre, wie Sie bereits in einer erstklassigen Bank Erfahrungen gesammelt haben und jetzt Ihren Erfahrungshorizont erweitern möchten. Auf diese Weise präsentieren Sie sich als Top-Kandidaten, der sich nach einer neuen Chance umschaut.

„Fassen Sie Ihre Berufserfahrung im Kontext des Unternehmens zusammen. Was könnten Sie beisteuern?“, rät McManus.

Eine Antwort könnte lauten: „Bei meiner aktuellen Stelle fokussiere ich mit auf den Sektor XYZ. Das hat mir ein Gespür für gute Investmentchancen verschafft und ich habe meine Kompetenzen in der Bewertung und Entwicklung von Finanzierungsmodellen erprobt. Diese Fähigkeiten würde ich gerne in einem neuen Bereich der Finanzdienstleistungen einsetzen.“

3. Erläutern Sie uns Ihren Werdegang?

Eine solche Frage kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Dennoch löst sie bei Kandidaten regelmäßig Panikattacken aus. Der Clou besteht darin, Ihren Werdegang auf die Bedürfnisse der Private Equity-Branche abzustimmen. Laut McManus würden viele Bewerber aus dem Investment Banking den Fehler begehen, wie ein Berater und nicht wie ein Unternehmer aufzutreten.

„Versuchen Sie die Sprache der Buy-side zu sprechen, in dem Sie die Vorteile, aber auch die Nachteile eines Deals herausarbeiten und nicht wie ein Berater argumentieren. Wenn Sie den Jargon beherrschen, werden Sie viel eher als passender Kandidat betrachtet“, erläutert McManus.

Stufe 2 eines Private Equity-Vorstellungsgesprächs: Der Kompetenz-Test

Während es in der ersten Stufe darum ging, ob Sie zu dem Unternehmen und der Branche passen, wird auf der zweiten versucht, Ihre fachliche Eignung abzuklopfen. Normalerweise wird dies durch die Bearbeitung einer Fallstudie sowie durch einen Test zu Finanzierungsmodellen geprüft.

In der Fallstudie wird einem Kandidaten eine Reihe von Informationen über ein Unternehmen gegeben und gefragt, ob eine Investition sinnvoll ist oder nicht. Ein beliebter Trick der Private Equity-Unternehmen besteht darin, den Bewerbern einfach ein Unternehmen aus ihrem Portfolio vorzulegen. Schwächere Kandidaten antworten dann regelmäßig, dass es sich um eine sinnvolle Investition handle.

„Sie können nie wissen, ob es sich nicht um ein Unternehmen handelt, von dem sie wünschen, es niemals erworben zu haben“, warnt McManus. „Wichtig ist dabei den Unterschied zwischen einem guten Geschäft und einer guten Investition herauszuarbeiten. Ein schlecht laufendes Unternehmen kann eine schlechte Investition bedeuten. Doch vielleicht verfügt das Geschäft über Potenzial. Es liegt an der Private Equity-Gesellschaft, dieses Potenzial zu erkennen. Schauen Sie sich die Sache an und bilden Sie sich eine Meinung, auch wenn sie konträr ausfällt. Private Equity-Firmen wollen keine Schafe einstellen.“

Der Test zu Finanzierungsmodellen dauert selten länger als eine Stunde. Er kann also nicht allzu komplex ausfallen. Viele Kandidaten tendieren dazu, die Angelegenheit viel zu kompliziert anzugehen. In einem solchen Szenario besteht die Gefahr, nicht rechtzeitig mit dem Modell fertig zu werden. Laut McManus würde so mancher Kandidat an seinem schlechten Zeitmanagement scheitern.

Stufe 3 eines Private Equity-Interviews: Der Biertest

Die dritte Stufe besteht in dem sogenannten Bier- oder Flugtest. Es geht schlicht um die Frage, ob die Teammitglieder mit Ihnen gern ein Bier trinken oder einen Langstreckenflug verbringen würden. Auch in der Private Equity-Branche gibt es lange Arbeitszeiten. Umso wichtiger ist es, diese lange Zeit mit jemanden zu verbringen, mit dem man sich auch privat versteht.

Kandidaten können beispielsweise von Führungskräften zu einem Mittagessen eingeladen werden. Dabei wird diskret vorgefühlt, ob man Sie auf Kunden loslassen kann und ob man mit Ihnen gerne zusammenarbeiten würde. Auch wenn es sich um eine informelle Veranstaltung handelt, sollten Sie doch auf der Hut bleiben. Schließlich müssen Sie geschickt jedem Fettnäpfchen ausweichen.

Dennoch stellt ein solches Meeting eine gute Gelegenheit dar, von der Rolle des Selbstvermarkters in die des Käufers zu schlüpfen. Denn wenn Sie erst einmal an diesen Punkt angelangt sind, dann will dass Private Equity-Unternehmen Sie wahrscheinlich anheuern.

„Am Ende geht es nur noch um Due Diligence. Dennoch kann man es immer noch vermasseln“, warnt McManus.

Meist müssen Kandidaten bei einer Bewerbung bei einem Private Equity-Unternehmen drei Vorstellungsgespräche überstehen, bei denen sie sieben bis zehn Mitarbeiter treffen – gleich ob HR, Führungskräfte oder auch jüngere Angestellte. „Betrachten Sie das als ein Spiel auf der Playstation. Jeder Level führt zum nächsten, bis Sie am Ende den großen Boss treffen“, sagt McManus augenzwinkernd.

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