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Steht der Schweiz ein Exodus der Hedgefonds-Mitarbeiter bevor?

exodus

Vor fünf Jahren hat der Teilumzug des Hedgefonds Brevan Howard von London nach Genf für Schlagzeilen gesorgt. Plötzlich stand die Frage im Raum, ob die Schweiz aufgrund ihrer niedrigen Steuern ein attraktiverer Standort als London ist. Jetzt kehren laut der Financial Times einige der Senior-Trader des gleichen Fonds wieder an die Themse zurück. Hat die Schweiz ihren Sex-Appeal für die Branche verloren?

Londoner Headhunter berichten über immer mehr Rückkehrer aus der Schweiz

Wenn es nach dem aufs Asset Management spezialisierten Headhunter Leo Meggitt von Forster Chase in London geht, dann trifft das zu. „Eine Menge Leute versuchten bereits am Ende des vergangenen Jahres die Schweiz zu verlassen und diese Verlagerung wird sich noch intensivieren“, sagte Meggitt der FT.

Hedgefonds-Headhunter Barry Seath von Mirage Recruitment in London macht die gleiche Beobachtung. Ja, wir erhalten immer mehr Anfragen von Kandidaten aus der Schweiz”, erzählt Seath gegenüber eFinancialCareers.ch. „Umgekehrt erhalten wir immer weniger Aufträge von Kunden, die in die Schweiz gehen wollen. Seit etwa 18 Monaten handelt es sich um eine Einbahnstraße.”

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig: Die wirtschaftlichen Vorteile für Hedgefonds in der Schweiz hätten sich eingetrübt. Es falle immer schwerer dort Plätze an internationalen Schulen oder Wohnungen zu finden. Darüber hinaus werde in der Branche oftmals in US-Dollar gezahlt, was angesichts des starken Franken die Lebenshaltungskosten weiter verteuere. Darunter würden vor allem die Beschäftigten der mittleren Karrierstufe leiden.

Umgekehrt würden entsprechende Profile in London wieder gesucht. „London boomt, während die Schweiz ein wenig das Opfer des eigenen Erfolgs ist”, ergänzt Seath. Die hohe Zuwanderung habe die Lebenshaltungskosten in die Höhe schnellen lassen.

Tatsächlich verändert sich das Geschäft in der Schweiz

Falls man jedoch in der Schweiz nachfragt, dann hört sich das etwas anders an. „Grundsätzlich bleibt die Schweiz für Hedgefonds attraktiv“, beteuert Markus Fuchs, Geschäftsführer der Swiss Funds Association in Basel. Die Hedgefonds seien seinerzeit wegen der Kundennähe und den niedrigen Steuern in die Schweiz gekommen.

Für die Zukunft wichtiger: Soeben hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsicht (ESMA) in Paris festgestellt, dass die Schweizer Regulierung alternativer Investmentfonds den EU-Standards entspricht. Damit dürfen Schweizer Hedgefonds künftig aller Voraussicht nach auch in der EU vertrieben werden. „Das ist ein entscheidender Schritt“, kommentiert Fuchs. Für Brevan Howard sei dies jedoch weniger relevant, weil sich dieser Hedgefonds auf Offshore-Produkte konzentriere.

Generell verliere das traditionell beliebte Geschäft mit Dach-Hedgefonds in der Schweiz an Bedeutung. Der administrative und regulatorische Aufwand mache diese Produkte für Investoren weniger interessant. Diese würden heute liquidere Produkte bevorzugen, berichtet Fuchs.

Hedgefonds-Manager findet Zug prima

„Es kommen immer noch neue Hedgefonds in die Schweiz“, erzählt unterdessen ein Hedgefonds-Manager aus dem Kanton Zug, der anonym bleiben möchte. Der Hedgefonds-Standort Schweiz habe kein Problem Talente anzuziehen. Gute internationale Schulen und eine gute Infrastruktur würden für die Schweiz sprechen. Wer die Natur liebe, sei in der Schweiz definitiv besser als in London aufgehoben. „Sie können im Zugersee oder im Zürichsee baden und sind in zehn Minuten bei der Arbeit.“

Selbst Finanzprofis, die kein Deutsch sprächen, würden in Zug schnell Anschluss finden. Es gebe tausende Familien mit internationalem Hintergrund im Kanton. „Wenn Sie in Zug oder Baar durch die Straßen gehen, hören Sie ständig Englisch“, erzählt der Hedgefonds-Manager. Wer von London oder New York nach Zug oder Pfäffikon umziehe, könne allerdings schon einen „Kulturschock“ erleben.

Darüber hinaus falle die Steuerlast in den Kantonen Zug und Schwyz sehr niedrig aus. Beide sind nur etwa 30 Minuten von Zürich entfernt. Allerdings hätten die Immobilienpreise mittlerweile auch in diesen beiden Kantonen kräftig angezogen.

Londoner lassen sich immer noch zu einem Wechsel in die Schweiz ermuntern

Auch Headhunter Thomas Bossard von Bianchi & Partner in Zürich hat keine Schwierigkeiten Talente von einem Umzug von der Themse an den Zürichsee zu überzeugen. Unter anderem in London sucht er nach Spezialisten für die Schweizer Asset Management-Branche. „Es gibt Profile, die sich nur im Ausland rekrutieren lassen“, erzählt Bossard weiter. Bevorzugt würden dabei Kandidaten mit einem Pass aus der EU. Bei Rekrutierungen aus Drittstaaten müsse detailliert nachgewiesen werden, dass sich dieses Profil weder mit Schweizer noch mit EU-Kandidaten besetzen lasse.

Bossard hatte noch keine Kandidaten, die wegen der mangelnden Lebensqualität einen Wechsel in die Schweiz abgelehnt hätten. Das internationale Umfeld, die hohen Sicherheitsstandards und stabilen politischen Verhältnisse, das ausgezeichnete Ausbildungssystem – all das spreche für den Standort. „Die Schweiz ist als Land für die höchsten Lebensstandards bekannt und mehrere Schweizer Städte landen beim Ranking der Orte mit der weltweit höchsten Lebensqualität regelmäßig unter den Top Ten“, betont Bossard. Dennoch komme es vor, dass Kandidaten auch aus privaten Gründen – Schwangerschaft der Frau oder schulische Situation der Kinder – einen Umzug in die Schweiz scheuen.


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