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Der schwierige Aufstieg vom Back zum Front Office

So mancher Aufstieg fällt schwer.

So mancher Aufstieg fällt schwer.

Seit der Finanzkrise scheint der Traum vom Aufstieg aus den Routinen des Back Offcie in den Glanz des Front Office ausgeträumt. Was früher schon eine Herausforderung darstellte, scheint heute kaum noch möglich zu sein. Das hält natürlich niemanden davon ab, es trotzdem zu versuchen.

„Das Problem ist, dass die meisten Leute nicht wissen, welche Schritte dazu erforderlich sind“, erzählt ein aufs Investment Banking spezialisierter Headhunter. Dabei sind die Eckpunkte des Spiels allgemein bekannt: Zunächst geht es darum, über das Back Office überhaupt erst einmal einen Fuß ins Banking zu bekommen, um dann anschließend ins Front Office aufzusteigen. Hier die konkreten Schritte:

1. Der interne Weg

Unter den herrschenden Marktbedingungen haben externe Bewerbungen auf einen Front Office-Job nur geringe Chancen. Recruiter und Hiring Manager würden Ihre Bewerbung rasch aussortieren. Besser sieht es aus, wenn Sie den internen Weg austesten, wobei Hartnäckigkeit und ein intensives Netzwerken zum Ziel führen.

„Die besten Leute werden intern ge-headhunted“, sagt etwa Andrew Pulman von People Risk Solutions. Der Trend das Back Office an günstigeren Standorten als das Front Office anzusiedeln, erschwert den Wechsel erheblich. In jedem Fall sollten Back Office-Mitarbeiter mit Aufstiegsambitionen versuchen, den Entscheidern im Front Office aufzufallen.

„Die Sales & Trading-Abteilung des Unternehmens hat bei verschiedenen Gelegenheiten Informationen über mich eingeholt“, erzählt ein Angestellter aus dem Back Office. „Nachdem ich meine Absichten meinen Front Office-Kontakten mitgeteilt habe, haben sie mir gern geholfen und haben sich bei meinen Vorgesetzten über mich informiert. Allerding haben meine Vorgesetzten meinen Wechsel blockiert, indem sie mir eine sehr durchschnittliche Bewertung gaben und mich etwas später bei den quantitativen Rankings sehr niedrig einschätzten.“

In jedem Fall hilft es, nahe an den Geschäftsbereich heranzukommen, für den Sie einmal arbeiten wollen. So stellt der Aufstieg von einem Trading Assistenten zum Trader einen bewehrten Weg dar. Ein Beispiel hierfür stellt James Hartley dar. Er hat für die Service-Einheit des Geschäfts mit Aktienderivaten der Deutschen Bank gearbeitet und gelangte von dort zu einem Job im ETF-Trading.

2. Der Wechsel zu einer Boutique

Laut Pringle schrecken die großen Investmentbanken vor einer Beförderung aus dem Back zu Front Office zurück. Anders sähe dies bei Boutiquen aus. „Falls Sie einen ACA (eine Accounting-Qualifikation) besitzen und in der Produktkontrolle einer großen Investmentbank arbeiten, dann stellt der interne Wechsel auf eine Stelle im Front Office normalerweise keine Option dar“, sagt Pringle. „Wenn Sie aber gute Erfahrungen mitbringen und Geschäftsberichte, Finanzen usf. verstehen, dann haben Boutiquen ein offenes Ohr für Sie.“

Dies gilt besonders für junge Banker, wo der hartnäckige Personalwechsel die Unternehmen dazu zwingt, auch alternative Kandidaten zu berücksichtigen.

3. Lesen Sie viel

Wenn Sie bereits einige Jahre Erfahrungen im Front Office mitbringen, stehen die Chancen gut, dass niemand mehr nach Ihren Fachkenntnissen fragt. Dagegen müssen Kandidaten aus dem Back Office damit rechnen, dass ihre fachliche Expertise ganz genau untersucht wird. „Vor einem Vorstellungsgespräch müssen Sie sehr gut recherchieren“, betont Pringle. „Kandidaten sollten dies als eine Art Prüfung betrachten und nicht nur als ein Vorstellungsgespräch und sich entsprechend vorbereiten.“

Banker berichten, dass die Mitarbeiter im Front Office oft keine besondere Qualifikation mitbringen. Wer jedoch aus dem Back ins Front Office aufsteigen wolle, für den seien einschlägige Fortbildungen überaus hilfreich.

„Bei Vorstellungsgesprächen für Front Office-Jobs wird oft ein Fachwissen abgefragt, dass nur an der Uni gelernt, durch persönliche Studien ausgebaut und durch Qualifikationen vervollständigt werden kann“, erläutert ein Angestellter aus dem Back Office. „Wenn man die schiere Menge an Leuten betrachtet, die einen solchen Schritt aus dem Back ins Front Office anstreben, dann kann ein CFA schon dabei helfen, aus der Menge hervorzustechen.“

4. Wechseln Sie frühzeitig in Ihrer Karriere

Realistisch gesehen haben Back Office-Mitarbeiter mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung kaum noch eine Chance für den Wechsel. Darüber hinaus müssen Back Office-Mitarbeiter nach der Beförderung ins Front Office damit rechnen, eine Karrierestufe zurückgesetzt zu werden, also beispielsweise vom Vice President zum Associate.

„Sie sollten sich darauf einstellen, bei Ihrer Berufserfahrung um anderthalb bis zwei Jahre zurückgesetzt zu werden“, warnt Pringle. „Die Recruiter wollen Fachkenntnisse sehen und die Fähigkeit mit Kunden zu arbeiten. Damit unterscheiden Sie sich von den jungen Bankern, die die Alltagsarbeit erledigen.“

5. Wechseln Sie den Sektor

Da es schwer fällt, aus den verfestigten Hierarchien des Front Office auszubrechen, sollten Sie auch über den Wechsel auf die Buy-side nachdenken. Laut Recruitern sind Private Equity-Gesellschaften und Asset Manager für einen solchen Schritt wesentlich offener.

„Back Office-Jobs in Private Equity sind für qualifizierte Accountants nicht sonderlich sexy. Auch wenn Sie kein Neugeschäft generieren oder Finanzierungsmodelle entwerfen, bekommen Sie doch das gesamte Geschäft mit und lernen wie es funktioniert“, erläutert Pringle. „Es handelt sich um einen verbreiteteren Wechsel als im Banking.“

Ein ehemaliger Back Office-Mitarbeiter einer großen amerikanischen Investmentbank bestätigt, dass ihm der Aufstieg nur gelungen ist, weil er zu einer Fondsgesellschaft gewechselt ist.

„Der Wechsel auf der Buy-side fällt immer leichter, da es bei den Fondsgesellschaften und Hedgefonds weniger Leute als bei einer Bank gibt und das erlaubt es von verschiedenen Positionen aus Kontakte und ein Netzwerk aufzubauen. Sie sind nicht in einer bestimmten Funktion gefangen“, erläutert Pringle. „Sicherlich weist jedes Unternehmen seine Besonderheiten auf. Bei meinen Gesprächen mit Managern versuche ich ihre Einstellung zu internen Wechseln herauszubekommen. Schließlich sind Gespräche keine Einbahnstraße.“

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