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INTERVIEW: Die Besonderheiten und Vorteile des Studiums zum Qualified Portfolio Manager

Gerhard Bauer

Gerhard Bauer leitet die Capital Markets Academy der Deutschen Börse in Frankfurt. Im Interview erläutert Bauer, wie sich das Flaggschiff des Fortbildungsprogramms, der Qualified Portfolio Manager, gegenüber CFA und CIIA abhebt und was die Fortbildung für die Karriere bringt.

Um was handelt es sich beim Qualified Portfolio Manager überhaupt? Worin besteht der Inhalt?

Das Intensivstudium ‚Capital Markets Products and Portfolio Management‘ mit dem Abschluss ‚Qualified Portfolio Manager‘ bieten wir gemeinsan mit EBS Executive Education an. Der Inhalt gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil wird Produkt-Know-how und ein Verständnis für die Rahmenbedingungen aufgebaut. Dazu zählen steuerliche und rechtliche Aspekte sowie Finanzmathematik. Im Grunde geht es darum, sämtliche Anlageklassen auf dem ‚Schirm‘ zu haben. Für diesen Abschnitt sind zwölf Seminartage veranschlagt. Nach der bestandenen Klausur darf man sich ‚Berater für Kapitalmarktprodukte (EBS/DBG)‘ nennen.

Im zweiten Abschnitt geht es um die Vertiefung und um die Anwendung im Portfolio Management. Dieser umfasst 17 Seminartage. Anschließend stehen zwei Prüfungen und ein ‚Take Home Exam‘ an. Dabei wird das praktische Portfolio Management anhand konkreter Fallbeispiele unter Einsatz von Excel abgefragt. Bei dem ‚Take Home Exam‘ muss ein Teilnehmer dann einen solchen Fall innerhalb von vier Wochen bearbeiten. Nach Bestehen beider Prüfungen und des ‚Take Home Exams‘ dürfen Sie sich ‚Qualified Portfolio Manager (EBS/DBG)‘ nennen.

Wer stellt die Zielgruppe für den Qualified Portfolio Manager dar?

Wir sind ziemlich fokussiert auf die Personengruppe Anlageberater in der ersten Stufe und Portfolio und Wealth Manager in der zweiten Stufe. Damit unterscheiden wir uns vom CFA, der sich beispielsweise auch an Research, Trader oder Investor Relations richtet. Entsprechend spielt z.B. Accounting beim Qualified Portfolio Manager keine Rolle.

Auch im Middle und Back Office gewinnen Fortbildungen an Bedeutung. Kann der Qualified Portfolio Manager hierfür sinnvoll sein?

Für diese Zielgruppe könnte der Qualified Portfolio Manager aus zwei Gründen interessant sein: Wer sich beruflich in Richtung Portfolio Management weiterentwickeln möchte, dem vermittelt das Programm das erforderliche Rüstzeug. Und das zweite ist, wenn man einige Schnittmengen zum Portfolio Management hat und dies vertiefen möchte. Falls ich mich aber in eine andere Richtung beruflich weiterentwickeln möchte, dann stellt sich schon die Frage, ob man dann einen solchen Studienschwerpunkt wählen sollte – aber das ist meine persönliche Meinung.

Mit welchem Arbeitsaufwand müssen die Interessenten bei Ihrem Programm rechnen?

Das Programm beginnt im September und endet im Juni des folgenden Jahres. Es umfasst 29 Seminartage, drei Prüfungstage und einen Tag für das ‚Take Home Exam` – insgesamt also 33 Tage, wovon die meisten auf Wochenenden fallen.

Und wie hoch veranschlagen Sie die Lernzeit?

Wir empfehlen für jeden Seminartag einen Tag Vorbereitung. Insgesamt muss ein Teilnehmer also rund 60 Tage investieren.

Wie wird der Lehrstoff vermittelt?

Es handelt sich in erster Linie um Präsenzunterricht, bei dem auch Fallstudien am PC bearbeitet werden. Jeder Teilnehmer hat also an den Tagen, an denen Fallstudien behandelt werden, einen Computer vor sich stehen, um die Lösungen daran zu erarbeiten. Begleitet wird das Ganze durch E-Vorlesungen und Lernprogramme. Auch zur Nachbearbeitung prüfungsrelevanter Themen kann man sich diese E-Vorlesungen noch einmal anschauen.

Was muss ein Interessent mitbringen, um für das Programm zugelassen zu werden?

Vorausgesetzt werden entweder ein abgeschlossenes Studium oder einige Jahre einschlägiger Berufserfahrung.

Und wie hoch fällt der finanzielle Aufwand aus?

Das gesamte Programm kostet 10.950 Euro, die in drei Raten fällig werden. In der Regel werden unserer Erfahrung nach die Kosten in etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle vom Arbeitgeber übernommen. Beim Rest handelt es sich oft um Selbstständige.

Beim CFA fallen bei jedem der drei Level regelmäßig rund 60 Prozent der Kandidaten durch, was für viele Interessenten am Programm einen gravierenden Nachteil darstellt. Wie hoch fällt die Erfolgsquote beim Qualified Portfolio Manager aus?

Sie liegt bei etwa 85 Prozent.

Worin unterscheidet sich Ihr Programm noch vom CFA?

Den wesentlichen Unterschied stellen die Präsenzveranstaltungen dar, während es sich beim CFA um ein Selbststudienprogramm handelt. Durch die Präsenztage, den überschaubaren Zeitaufwand, die Kommilitonen, ja das ganze Studienumfeld fällt die Abbruchquote sehr gering aus. In manchen Jahrgängen gibt es das gar nicht.

Ein weiterer Unterschied besteht im Inhalt. Beim CFA werden im Grunde alle Aspekte der weltweiten Finanzindustrie angeschnitten. Es handelt sich um ein sehr breites Programm, das z.B. auch Corporate Finance, Financial Reporting oder Makroökonomie behandelt. Der Qualified Portfolio Manager ist dagegen deutlich fokussierter und keine Generalistenausbildung. Es ist kürzer, kompakter und fokussierter.

Nun gibt es aber auch noch den CIIA. Wo sehen Sie denn da die Unterschiede?

Der CIIA verfügt über eine ähnliche Dauer und ein ähnliches Pricing – aber auch er ist breiter. Das zeigt sich schon an den Zielgruppen, die der CIIA angibt. Auch der CIIA versucht einen Rundumschlag und ist m. E. nicht so fokussiert wie unser Programm.

… und worin besteht schließlich der Unterschied zu einem Master of Finance?

Wenn am Ende ein Masterabschluss steht, dann stellt das schon so etwas wie die Königsklasse dar. Wir arbeiten mit der European Business School in Oestrich-Winkel zusammen. Für deren Master in Wealth Management können Sie den Qualified Portfolio Manager neuerdings anrechnen lassen. Hierfür benötigen Sie 60 ECTS-Punkte – 18 davon werden von unserem Programm abgedeckt. Auch für andere Master of Finance-Programme dürften Teile des Qualified Portfolio Managers anerkannt werden, denn Themen wie Finanzmathematik oder Derivate haben fast alle. Wie viele ECTS-Punkte tatsächlich anerkannt werden, hängt allerdings von einer Einzelfallprüfung ab.

Welchen Vorteil bringt der Qualified Portfolio Manager für die Karriere mit? Es handelt sich ja um eine berufliche Fortbildung und keine grundständische Ausbildung, da liegt diese Frage natürlich nahe…

Ich denke es macht Sinn für jemanden, der nach einem Bachelor-Abschluss und einigen Jahren Berufserfahrung schon weiß, in welche Richtung er sich entwickeln möchte und sich nicht mit einem allgemeinen Master of Finance oder dem CFA über mehrere Jahre abquälen möchte. Mit dem Qualified Portfolio Manager steht ihm ein fokussiertes Programm zu Verfügung, das er später sogar zu einem Master in Wealth Management ausbauen kann.

Welche Erfahrungen haben denn Ihre ehemaligen Teilnehmer mit dem Programm gemacht?

Ein Großteil unserer Absolventen haben schon einige Jahre im Portfolio Management oder in der Vermögensverwaltung gearbeitet. Dann lässt sich nicht immer leicht sagen, ob er einen Senior-Titel nur wegen seiner beruflichen Erfolge oder auch wegen dieser Fortbildung erlangt hat.

Einer unserer Absolventen war früher Autoverkäufer und hat sich dann über einige Stationen zum Vermögensverwalter in der Schweiz weiterentwickelt. Das stellt aber die Ausnahme dar.

Und abschließend noch: Worin sehen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Als Referenten haben wir eine Mischung aus Universitätsprofessoren, Praktikern und Mitarbeitern der Börse. Teilnehmer erleben bei uns ein bisschen ‚Börse inside‘ mit. Die Veranstaltungen werden auch in den Räumlichkeiten der Deutschen Börse in Eschborn und Frankfurt durchgeführt. Dabei kann man einen Blick hinter die Kulissen z.B. in die Marktsteuerung werfen. Wie läuft die Handelsüberwachung der elektronischen Handelssysteme? Was passiert dort den ganzen Tag? ‚Börse inside‘, das ist das Stichwort.

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