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GASTKOMMENTAR: Ich habe den CEO gefragt, mir aus dem Middleoffice herauszuhelfen

Ich habe gerade mein Studium abgeschlossen, verfüge über ausgezeichnete Noten und möchte leidenschaftlich gern Trader werden. Doch leider verbringe ich meine Zeit in den dunkelsten Ecken des Middeloffice.

Noch schlimmer: Ich arbeite in einem Gebäude abseits des Frontoffice, was das Networking extrem erschwert und es nahezu unmöglich macht, jemanden zu treffen, der nicht etwas ganz ähnliches macht wie ich selber.

Daher war ich begeistert, als ich nach vier Monaten auf dieser Stelle zu einem Middleoffice-Meeting im Gebäude des Frontoffice eingeladen war. Da ich wusste, dass unser CEO dort angesiedelt ist, habe ich mich entschlossen, ihm einen Besuch abzustatten.

Ich habe mein schickstes Hemd angezogen und mein Haar nach hinten gekämmt. Ich habe den Handelssaal betreten, als jemand anderes hineingeschlüpft ist. Schnell habe ich sein Büro ausgemacht; er hatte gerade mit dem Telefonieren aufgehört. Ich bin rasch an der Sekretärin vorbeimarschiert, klopfte an die Tür – wobei ich mich sehr zuversichtlich gefühlt habe – und habe höflich angefragt, ob er einen Moment Zeit für mich habe.

Daraufhin habe ich meine Qualifikationen, meine Begabung und meine Leidenschaft fürs Trading beschrieben sowie meine damaligen Markteinschätzungen zur Dollarstärke, die auf einer Risikoaversion der Anleger sowie auf einem Wirtschaftsabschwung in Europa zurückging, und auch meine Gewinne aus dem Trading auf eigene Rechnung.

Was können Sie noch verlangen?

Er kam schnell zu einer Antwort und sagte, dass meine Qualifikationen recht durchschnittlich klingen im Vergleich zu den Leuten, die im Handelssaal arbeiten. Er betonte auch die Verdienste des Recruitment-Prozesses für Uniabsolventen.

An dieser Stelle befand ich mich in argen Schwierigkeiten. Ich hatte den Eindruck, dass ich mich im Büro des Schuldirektors wiederfand und nicht wirklich willkommen war.

Ich fragte, ob ein Master in Finance von einer Spitzenuniversität helfen würde. Verwirrt fragte er mich, ob ich hier für einen Job oder für einen Rat war. Beides, sagte ich. Ich muss es also auf die harte Tour in Angriff nehmen und zurück an die Hochschule gehen. Sein Rat bestand darin, einen MBA an einer Top-Business School zu machen. Dies würde mir einen Platz in einer Investmentbank geradezu garantieren. Und ich sollte mich nicht um die Kosten kümmern, denn es würde sich am Ende auszahlen. Ich habe mich dafür bedankt, dass er sich Zeit genommen hat, und habe mich rasch davongestohlen.

In einer gewissen Hinsicht bin ich mit dem Gespräch zufrieden. Lassen Sie mich erzählen wieso: Es gibt Leute, die dort fünf bis sechs Jahre gearbeitet haben – auch im Handelssaal – und die kein einziges Mal mit dem CEO gesprochen haben. Er weiß nicht, wer sie sind und wird es wahrscheinlich auch niemals wissen. Und schon der ehemalige kanadische Eishockeyspieler Wayne Gretzky sagte: “100 Prozent der Schüsse, die Du nicht abgegeben hast, gehen daneben.”

Kommentare (1)

Comments
  1. Ein MBA nützt dir im Handelsraum rein gar nichts.
    Handelsräume sind ein Durchlaufposten, nix weiter.
    viele Jungs rein, viele Jungs raus.
    Die Junior Trader dort verdienen nicht automatisch mehr als im Middle Office.
    Dass man dir einen MBA empfahl, sagt auch etwas über den CEO aus – und zwar nix gutes.
    Wenn du unbedingt Händler werden willst, schreibe dich an einer Hochschule ein, bei der es eigene Handelsräume gibt.

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