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Was die Quartalsergebnisse der US-Investmentbanken für Finanzprofis bedeuten

Die wichtigsten US-Banken haben ihre Ergebnisse für das erste Quartal 2015 vorgelegt. Als nächstes folgen die europäischen Institute wie Credit Suisse, Deutsche Bank und UBS. Da das Investmentbanking immer noch sehr von den Wall Street-Größen dominiert wird, lassen sich aus den Zahlen schon heute wichtige Schlüsse für die Branche ziehen. Konkret:

1. Die Banken befinden sich wieder auf dem Wachstumspfad

Die Investmentbanken haben auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Allerdings sollten Sie auch für das richtige Institut arbeiten. So haben die Erträge bei Goldman Sachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent zugelegt, bei JP Morgan ging es um 8 Prozent bergauf und im Globalen Banking-Geschäft bei der Bank of America Merrill Lynch um 6 Prozent. Allerdings gaben die Erträge im Kapitalmarktgeschäft der gleichen Bank um 6 Prozent nach und im Firmenkundengeschäft der Citigroup um 1 Prozent. Das dürfte zu wenig für eine Einstellungswelle darstellen.

2 Nur Goldman Sachs und JP Morgan steigern die Profitabilität

Auch bei der Profitabilität fällt das Bild durchwachsen aus. Bei Goldmann Sachs schoss der Gewinn im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent in die Höhe und bei JP Morgan um 19 Prozent. Bei der Bank of America ging’s im Global Banking um 6 Prozent bergauf und im Kapitalmarktgeschäft um 28 Prozent bergab. Bei der Citigroup sank die Profitabilität des Kapitalmarktgeschäfts um 1 Prozent. Bei diesen Zahlen spricht wenig für einen großen Aufschwung am Arbeitsmarkt.

3. Die Banken greifen noch immer zum Rotstift

Der Stellenabbau hat sich ebenfalls noch nicht erledigt. So erinnerte JP Morgan-Finanzchefin Marianne Lake die Investoren daran, die Kostenbasis bis 2017 um 2 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) im Vergleich zu 2015 senken zu wollen. „Sie können von einer bedeutenden Verringerung Richtung 2 Mrd. Dollar schon für 2015 ausgehen“, sagte Lake.

Der Citi’s Finanzchef John Gerspach will die Kosten seines Instituts im laufenden Jahr um 700 Mio. (650 Mio. Euro) Dollar drücken. 200 Mio. (186 Mio. Euro) davon wurden bereits im ersten Quartal erzielt, fehlen also noch 500 Mio. Dollar (465 Mio. Euro). Laut Gerspach würde der Hauptteil der Einsparungen auf den Personalaufwand entfallen: Citi streicht also entweder Stellen oder die Boni zusammen.

4. Die Erfolgswelle in M&A wird sich womöglich abschwächen

Für M&A-Experten dürfte 2015 ein glorreiches Jahr werden. So legten bei Goldman Sachs die Erträge allein im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent zu, bei JP Morgan um 42 Prozent und bei der Bank of America und Citi sogar um 51 und 70 Prozent. Goldman Sachs hat laut seinem Finanzchef Harvey Schwartz das beste Quartal seit 2007 erlebt.

Dennoch mehren sich die Hinweise, dass die Erfolgswelle des M&A-Geschäfts ausläuft. Laut Lake von JP Morgan werde das zweite Quartal womöglich geringer abschneiden. Dagegen sieht Schwartz von Goldman Sachs noch Spielraum nach oben, dennoch habe sich das Geschäft seit Jahresende abgeschwächt.

5. Kein gutes Jahr für Equity Capital Markets

Der Start ins neue Jahr fiel in Equity Capital Markets (ECM) unterdessen zwiespältiger aus. Während die ECM-Erträge bei der Citi um 23 Prozent einbrachen, stiegen sie um 10 Prozent bei der Bank of America, 16 Prozent bei JP Morgan sowie 22 Prozent bei Goldman Sachs. Das ECM-Geschäft bleibt also die Achillesferse der Citigroup.

6. Ebenso für Debt Capital Markets

Das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren gestaltet sich nach wie vor schwierig. In Debt Capital Markets (DCM) stürzten die Erträge bei Goldman Sachs um 36 Prozent und bei der Bank of America um 24 Prozent ab. Dagegen ging’s bei JP Morgan und Citigroup um jeweils 16 Prozent bergauf.

7. Bessere Aussichten im Zins- und Devisen-Geschäft

Laut Goldman Sachs habe sich das Geschäft mit Zinsen und Währungen im ersten Quartal erholt. Die Bereiche hätten zugleich von einer steigenden Kundenaktivität und der divergierenden Politik der Zentralbanken profitiert. Während die US-Notenbank ihr Aufkaufprogramm für US-Staatsanleihen zurückfährt, will der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi mit über 1 Billionen Euro auf Einkaufstour gehen. Nach einigen sehr schwierigen Jahren scheinen die Macro-Trader zurück im Geschäft zu sein.

8. Schwieriger Ausblick fürs Kapitalmarktgeschäft

Nach einem ordentlichen Jahresstart stellen sich die Zukunftsaussichten in Sales & Trading der Investmentbanken ebenfalls durchwachsen dar: Es kommt ganz darauf an, wo man hinschaut. Lake von JP Morgan sprach von einer „besonders starken“ ersten Quartalshälfte und einer „etwas schwächeren“ zweiten. Laut Bank of America-Chef Moynihan stellte der März den besten Monat im ersten Quartal dar, was sich auch in den April hinein fortgesetzt habe.

9. Geduld zahlt sich aus

Die Rückkehr des Macro-Trading-Geschäfts zeigt, welche wichtige Rolle Geduld im heutigen Investmentbanking spielt. Denn bei den Finanzdienstleistungen handelt es sich um ein recht zyklisches Geschäft. Was also abstürzt, kann irgendwann einmal wieder zurückkommen.

Daran sollten sich die Bankchefs erinnern, bevor sie wieder einmal den Rotstift zücken und Personal streichen. Dies gesteht auch Goldman Sachs-Finanzchef Schwartz ein und bekräftigt, dass er auch weiterhin zu dem Bereich stehe.

10. Compliance: Kein Ende des Einstellungsmarathons in Sicht

Der Einstellungsmarathon als Folge der steigenden Regulierung legt ein paar Extrarunden ein. Citi-Finanzchef Gerspach gestand, dass der US-Bankenriese 30.000 Compliance-Experten beschäftige und 4000 einstellen müsse. Laut JP Morgan-Kollegin Lake erreichten die Regulierungskosten einen „Gipfel“ und würden sich anschließend stabilisieren. Das heißt aber auch, dass JP Morgan den Gipfel noch nicht ganz erklommen hat und die Einstellungen weitergehen.

11. Das Aktiengeschäft erfordert teure Investitionen in Technik

Um im Aktienhandel Geld zu verdienen, müsse eine Bank eine „bedeutende Größe“ erreichen, meint Schwartz von Goldman Sachs. Denn immer häufiger werde der Handel elektronisch abgewickelt, was  beträchtliche Investitionen voraussetze. Dies zahle sich nur für große und geographisch breit aufgestellte Institute aus.

12. Technik ist Trumpf

An der Technik zu sparen, stellt ebenfalls ein schlechtes Zeichen dar. Für Goldman Sachs stelle die IT einen „kritischen Treiber“ für das Geschäft dar, ergänzt Schwartz. So etwas lasse sich nicht in kurzer Zeit aufbauen. Unterdessen versicherte Bank of America-Chef Moynihan, dass die Investitionen in die IT zumindest „konstant“ blieben.

13. In der Compliance werden immer mehr Quants eingesetzt

Mit der Regulierung hat sich für quantitativ ausgerichtete Finanzprofis ein ganz neues Aufgabengebiet erschlossen. So setzt Goldman Sachs Quants für ein „dynamisches Kapitalmanagement ein“. Für die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalvorschriften nach Basel III und der US-Regulierung nach dem Dodd Frank-Gesetze habe die US-Investmentbank sogar einen eigenen Algorithmus entwickelt. Auf diese Weise lasse sich das Geschäft langfristig leichter steuern.

Laut Moynihan wiederum spiele die Verteilung des Eigenkapitals für den Erfolg einer Investmentbank eine immer größere Rolle. Die Bank of America wolle die Bilanzpositionen des Investmentbankings unter 600 Mrd. US-Dollar (558 Mrd. Euro) halten. Dies erfordere einen optimalen Kapitaleinsatz.

14. Großkunden bringen das Geld

In Sales & Trading entscheiden die richtigen Schlüsselkunden über den Geschäftserfolg. Die Banken sind immer seltener bereit, mit „marginalen“ Kunden zu arbeiten. Gerspach von der Bank of America betont, dass er einen stattlichen Anteil am Portemonnaie seiner Hauptkunden anstrebe.

15. Asset Management ist gar nicht so spannend

Angesichts der Aktienkurse sollten die Asset Management-Gesellschaften der Banken ein bevorzugter Aufenthaltsort für Finanzprofis sein. Doch tatsächlich gelang anderen Geschäftsbereichen ein besserer Start ins neue Jahr. Bei JP Morgan hat das Corporate & Investment Banking das Asset Management outperformt und bei Goldman Sachs legten die Erträge aus dem Asset Management im ersten Quartal gerade einmal um 1 Prozent zu.

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