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GASTBEITRAG: Woran sich deutsche, amerikanische, britische und französische Banker unterscheiden

Blick hinter die Kulissen eines Handelssaals. (Foto: Getty Images)

Blick hinter die Kulissen eines Handelssaals. (Foto: Getty Images)

Ein deutscher, ein französischer und ein amerikanischer Banker betreten die Erfolgreichste Bank des Universums.

„Wo ist mein Arbeitsplatz“, fragt der deutsche Banker, während er sein GPS inmitten dichtgedrängter Büromöbel zückt, die von zerfallenden Verkaufspräsentationen, muffigen und verschwitzten Handtüchern sowie von Bankern unter Schlafentzug bedeckt sind. Anschließend fragt er nach seiner offiziellen Arbeitszeit – aber nur ganz leise, weil er um 22 Uhr mit der Arbeit an einer neuen Präsentation für Sonntagmorgen beginnen muss. Der britische Banker ist da schon weiter und hat sich bereits schriftlich von allen seinen Arbeitnehmerrechten verabschiedet.

„Wo ist die Küche“, fragt der französische Banker und blickt verschreckt auf die verdreckte Mikrowelle und die niemals gereinigte Kaffeemaschine, die von 500 Kollegen benutzt werden. Er berührt nichts ohne sein Taschentuch. Auch ihm gegenüber ist der britische Banker schon weiter, in dem er die Milch direkt aus einer Gemeinschaftskanne trinkt und seinen Speichel über den gesamten Rand verbreitet.

„Ah, hier ist also der Chef“, sagt der amerikanische Banker, läuft hinter seinem Vorgesetzten hinterher, nennt ihn „Sir“, lacht über seine  Witze, trägt seine Arbeitsunterlagen und leckt seine Schuhe, während er auf eine Gelegenheit wartet, ihn von hinten zu erdolchen und seinen Job zu übernehmen. Auch mit ihm will der Brite konkurrieren, indem er seine Oberklassen-Attitüde bemüht, die seine Familie über Generationen kultiviert hat. Obgleich er Englisch von Kindesbeinen an gelernt hat, spricht er doch eine andere Sprache als sein amerikanischer Kollege oder sein Vorgesetzter.

Bei der Erfolgreichsten Bank der Welt bin ich in jeder Nachtschicht auf mindestens 20 verschiedene Nationalitäten getroffen. Viele Banker arbeiteten in sogenannten „Ländergruppen“ zusammen, dennoch sprachen alle exzellentes, aber eben doch unterschiedliches Englisch.

Die französischen Banker(innen) haben sich oftmals Sorgen gemacht, aufgrund des britischen Kantinenessens Gewicht zuzulegen. Ihre Texte wimmelten von Bandwurmsätzen und waren gespickt mit Fußnoten. Sie hingen der Überzeugung an, durch Verdienste voranzukommen. In der Grafik-Abteilung sind die französischen Banker durch überschwängliche Komplimente vor allem gegenüber den Damen aufgefallen. Der „romantische Ton“ wich jedoch Beleidigungen, sobald wir nicht lächelten und uns nicht fügten. „Kannst Du mir einen Gefallen tun“, sagten sie und hofften auf diese Weise in der Warteschlange voranzukommen und für ihren Charme eine Sonderbehandlung zu erfahren.

Die Deutschen verhielten sich normalerweise höflich. Sie schienen der Auffassung anzuhängen, dass alle Leute gleich sind – Frauen eingeschlossen. Sie haben gern eigene Meinungen eingebracht und auch gern eine gegensätzliche Meinung gegenüber ihrem Chef vertreten. Oft haben sie dabei die korrekten Jobtitel ihrer Vorgesetzten vergessen, was in der Unternehmenskultur einer Bank ganz schlecht ist. Sie haben immer ihren eigenen Müll entsorgt, was in der aufgeladenen, aggressiven Atmosphäre einer Bank nur den tiefsten Verdacht erregt.

Die Amerikaner traten mit Abstand am aggressivsten auf. Sie fühlten sich tatsächlich berechtigt, die Leute in den Hierarchiestufen unter ihnen – wie mich – zu misshandeln. In ihrer Sicht waren wir nichts anderes als wertlose Verlierer, die ihr Schicksal verdienten. Die Amerikaner waren meist damit beschäftigt, sich bei ihrem Chef einzuschleimen, blieben zwei Jahre lang wach und haben sich die Verdienste aller anderen Mitarbeiter an den Hut geheftet, während sie gleichzeitig prahlten, aus dem Land der Freiheit zu kommen, wo jeder gleiche Chancen habe. Bei der Erfolgreichsten Bank der Welt waren sie die erfolgreichsten, die triumphal nach New York zurückkehrten, nachdem sie ihre Pflicht im Ausland erledigt hatten.

Nyla Nox arbeitete sieben Jahre lang in der Grafikabteilung der „Wichtigsten Bank der Welt“ in London. Dabei hat sie mehr Pitch oder Deal Books – inklusive deren Fehlern –  gesehen als ein Banker in seinem ganzen Leben. Bei Pitch Books handelt es sich um Verkaufs- und Beratungsunterlagen, die mithilfe von Powerpoint erstellt werden. Unterdessen hat Nox bereits ihren ersten Roman unter dem Namen „Ich habe es fürs Geld getan“ veröffentlicht.

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