☰ Menu eFinancialCareers

Wieso UBS-Chef Oswald Grübel heute keine Chance mehr bei der eigenen Bank hätte

Wie ein Honigkuchenpferd strahlte UBS-Chefs Oswald Grübel bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen der Bank. Der 66jährige hat auch allen Grund zu Freude. Denn mit einem Vorsteuergewinn von 2,6 Mrd. Franken (1,9 Mrd. Euro) übertraf der deutsche Manager nicht nur deutlich die Analysten-Einschätzungen, sondern deklassierte sogleich auch noch die Konkurrenz – die vor allem im Investmentbanking schwächelte.

Oswald der Held…

Dabei hatte sich Grübel nach seinem Ausstieg eigentlich schon aufs Altenteil zurückgezogen. So hatte der Banker bereits eine nahezu vierzigjährige Karriere beim UBS-Lokalrivalen Credit Suisse hinter sich, bei der er in diversen Managementfunktionen sowohl im Investmentbanking als auch im Private Banking der CS tätig war. Von 2004 bis 2007 stand Grübel sogar als Chief Executive Officer (CEO) an der Spitze des Zürcher Finanzkonzerns.

Nachdem die UBS aufgrund der Finanzkrise und der Affäre um die Auslieferung von Kundendaten an die US-Steuerbehörden in schwere See geraten war und Milliardenverluste schrieb, wurde der damalige Rentner in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an die Spitze der UBS berufen.

“Mit seinen unbestrittenen Leadership-Qualitäten und seiner großen Expertise bringt Oswald Grübel die idealen Voraussetzungen mit, um zusammen mit dem Managementteam wieder Mehrwert für unsere Aktionäre und unsere Kunden zu schaffen”, lobte der damalige UBS-Verwaltungsrats-Präsident Peter Kurer.

Wie die jüngsten Quartalszahlen belegen, war das nicht zu viel versprochen. Denn Grübel scheint tatsächlich die Kehrtwende bei der UBS gelungen zu sein. Mit dieser Heldentat erweist sich der Deutsche gewissermaßen als Wilhelm Tell der Schweizer Bankenlandschaft.

… und Oswald der Unterqualifizierte

Doch ein eingehender Blick in den Lebenslauf des 66jährigen bringt auch eine verstörende Gewissheit ans Tageslicht: Heutzutage hätte Grübel keine Chance mehr auf eine Traineestelle bei der UBS – höchstwahrscheinlich wäre der jetzige UBS-CEO sogar für eine Praktikantenstelle in seiner eigenen Bank unterqualifiziert.

So weist der offizielle Lebenslauf des Managers, wie ihn die UBS verbreitet, als erste berufliche Station von 1961 bis 1970 einige Jahre bei der Deutschen Bank aus. Dabei ist der Branchenprimus aus dem Land der Currywurst-Erfinder und Mercedes-Produzenten sicherlich keine schlechte Adresse im Lebenslauf.

Doch da Grübel in 1943 geboren wurde, zählte er bei seinem Antritt in 1961 gerade einmal 18 Lenze. Mithin hat der junge Grübel bei der Deutschen Bank lediglich eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert. Irgendein Studium findet sich im Lebenslauf hingegen nicht.

Mit einem solchen Werdegang bräuchte sich Grübel heute gar nicht erst für eine Traineestelle bei der UBS zu bewerben. “Voraussetzung ist ein Bachelor- oder Masterabschluss”, heißt es lapidar von der Schweizer Großbank.

Und auch bei den Praktikantenstellen sieht es kaum besser aus: “Nebst den Stellen im Graduate Training Programm stehen für Studierende drei bis sechsmonatige Internships zur Verfügung (für 2010 insgesamt 250). Das Internship-Programm soll talentierten Studierenden einerseits einen Einblick in die Tätigkeit einer Bank geben und andererseits die Möglichkeit offerieren, in enger Zusammenarbeit mit Senior Professionals erste Praxiserfahrungen zu sammeln. Während dem Programm haben die Studierenden die Möglichkeit, sich für eine weitere Karriere in der Bank zu empfehlen”, erklärt ein UBS-Sprecher. Wie sich die Zeiten doch ändern können!

Kommentare (5)

Comments
  1. Nun die Zeit der Selfmade-Manager scheint endgültig Geschichte zu sein zu sein. Man könnte heute zum Schluss kommen,dass nur noch Hochschulabgänger in einer Bank etwas zu suchen hätten, vor allem in höheren Chargen. Doch das ist nur die eine Seite.
    Die jüngste Vergangenheit hat uns drastisch vor Augen geführt,dass trotz
    unzähliger hochquaifizierten Juristen und sog. Finazanalisten die Banken an und über den Rand des Abgrundes gemanagt (geospelt)haben.
    Gerade solche Grübeltypen haben mit Ihrer Erfahrung von der Pike auf öfters ein besseres Gespür und Bauchgefühl für das Geschäft
    als die hochgelobten Theoretiker aus der Gilde der Ratingmafia.

  2. Auch Nobelpreisträger und ausgezeichnete Akademiker sind keine Garantie für eine überdurchschnittliche Performance, soviel sollten wir doch in der Zwischenzeit gelernt haben. Es ist auch keine Garantie, dass sie integer sind und/oder charakterlich gereifte Persönlichkeiten sind. Unfehlbar sind auch sie nicht, obwohl man vielleicht denken würde, dass Lohrbeeren verpflichtend wirken könnten. Der gesunde Menschenverstand und den Mut auf das Bauchgefühl zu hören, ist immer noch das beste Rezept, um sich nicht zu blenden lassen.
    Früher galt noch das Wort: “My word is my bond”………und wurde man wortbrüchig, traf man sich im Wald zum Duell. Heute verstecken sich viele oder machen sich aus dem Staub…..die Vergangenheit wird sie einholen. Das Bankgeschäft ist Ehrensache und nichts für Gauner.
    Amerika hat die meisten Nobelpreisträger hervorgebracht, genutzt hat es aber wenig, wie man sieht.

  3. Der Artikel zeigt hier nur die Seite der jungen Neueinsteiger. Fakt ist aber, dass die meisten aller Kundenberater im Wealth Management bei UBS, aber auch bei anderen so genannten Top-Adressen ebenfalls nie eine Hochschule von innen gesehen haben. Wenn der Kunde Glück hat, dann hat der Berater seines Vertrauens zumindest eine Weiterbildung a lá Bankakademie o.ä. abgeschlossen, mehr aber meist nicht. Dies reicht sicherlich für den einfachen Filialbetrieb bzw. für Retail-Kunden, nicht aber für die meist und insbesondere bei Kunden im (U)HNWI-Bereich sehr schwierigen und komplexen Fragestellungen z. B. hinsichtlich Themen wie Steuern, Stiftungs- und Erbrecht. Den meisten Kunden ist dies sicherlich nicht klar. Diese gehen aufgrund der “guten” Adresse davon aus, hochqualifizierte Berater gegenübersitzen zu haben. Der Grund hierfür ist klar: die Berater ohne Studium kosten im Vergleich deutlich weniger und bringen meist bereits zu Beginn Kunden von ihren vorhergehenden Instituten mit.

  4. Die Firmen verbauen sich leider Chancen, wenn sie nur noch auf das Papier anstatt auf die tatsächlichen Qualitäten eines Bewerbers achten.
    In den USA und Australien sieht man das viel pragmatischer. Wer will bekommt die Chance sich zu beweisen und wenn er es gut gemacht hat wird er gefördert, unabhängig davon was für eine Ausbildung er hat. Denn letztendlich ist nur entscheidend wieviel Profit kann ich mit einem Mitarbeiter erzielen.

  5. Heute hätte Osi Grübel mindestens auch einen Hochschulabschluss. Bei diesem inflationären Titelumfeld ist ein Grundstudium soviel wert wie früher eine solide Ausbildung zum Kaufmann. Zudem bietet ein Studium nur einen einfacheren Einstieg und nicht automatisch auch eine Karriere.
    Wer in der Praxis und Theorie nicht verbinden kann, bringts zu nichts.

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier