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Sinn und Unsinn einer Aufspaltung der Deutschen Bank

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Die angekündigte Strategieüberprüfung der Deutsche Bank könnte um einiges größer ausfallen als bislang erwartet. Laut Medienberichten hat der Aufsichtsrat des Konzerns in einer 14stündigen Marathonsitzung drei Szenarien diskutiert:

Die drei Pläne zur Restrukturierung des Konzerns

Die komplette Abspaltung des gelben und blauen Privatkundengeschäfts. Demnach soll das Filialgeschäft unter den Marken Deutsche Bank und Postbank in einer neuen Gesellschaft gebündelt und diese an die Börse gebracht werden. Angeblich bevorzugt die Doppelspitze um Anshu Jain und Jürgen Fitschen diese Lösung. Überdies würden Einschnitte beim Personal vergleichsweise überschaubar ausfallen, was den Arbeitnehmervertretern die Entscheidung erleichtern dürfte. Die Deutsche Bank würde sich fortan auf Investment Banking, Asset und Wealth Management sowie das Transaction Banking konzentrieren.

Die zweite Lösung bestehe in einem Verkauf der Postbank, wie es schon seit dem Jahreswechsel von den Medien diskutiert wird. Als Drittes könne die bestehende Universalbankenstrategie weitergeführt werden. In diesem Fall würde jedoch ein kräftiges Sparprogramm erforderlich werden, um die Eigenkapitalrendite von 5,1 Prozent in 2014 deutlich zu steigern. Eine Entscheidung hat der Aufsichtsrat am Freitag jedoch noch nicht gefällt.

Was Bankenanalysten von den Plänen halten

Laut Bankenanalyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux in Frankfurt sei es noch zu früh, um die Pläne der Bank abschließend zu kommentieren. „Es gibt schon einen Grund, wieso es noch kein offizielles Statement gibt“, sagt Becker. Dennoch hegt er Zweifel an einem kompletten Rückzug der Deutschen Bank aus dem Privatkundengeschäft.

„Ich würde es verstehen, wenn die Deutsche Bank die Postbank verkauft“, ergänzt Becker. Erst seit der Übernahme des Retailspezialisten in 2010 habe der deutsche Branchenprimus mit der Rentabilität des Privatkundengeschäfts zu kämpfen. Vor der Übernahme habe der Konzern mit seinem angestammten Privatkundengeschäft eine hohe zweistellige Eigenkapitalrendite eingefahren. „Im Retailgeschäft gehört die Deutsche Bank zu den teuersten Anbietern am Markt“, sagt Becker. „Daher leuchtet mir die Trennung vom gesamten Retailbanking nicht unmittelbar ein.“

Generell habe die Deutsche Bank mit ihrer hohen Komplexität als Universalbank ein Kostenproblem. „Wenn eine Bank ihr Geschäft in verschiedenen Bereichen und Ländern betreibt, dann werden Kosten ein Thema – besonders die Compliance wird schwieriger“, sagt Becker. Die Deutsche Bank hat von den US-Regulatoren in den zurückliegenden Monaten wiederholt einen Rüffel erhalten und erklärte sich bereit, allein in ihrer US-Compliance 500 neue Stellen zu schaffen.

Investment Banking bleibt Hauptproblem

Obgleich in den heutigen Medienberichten über die Aufsichtsratssitzung vom Freitag kaum von einer Restrukturierung des Investment Bankings die Rede ist, sieht Becker hier Handlungsbedarf. „Das Fixed Income-Geschäft muss auf jeden Fall auch verkleinert werden“, erläutert Becker. Während sich andere Anbieter wie die UBS schon vor Jahren aus dem eigenkapitalintensiven Handel mit festverzinslichen Produkten zurückgezogen haben, hielt Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain unbeirrt an der Sparte fest. „Das Problem, wieso die Bank nicht auf die Beine kommt, ist das Investment Banking“, meint Becker. „Das hat in den vergangenen Jahren nicht funktioniert. Da läuft im Aufsichtsrat die Geduld ab.“ Spätestens bis zur Hauptversammlung am 21. Mai muss der Aufsichtsrat eine neue Strategie absegnen.


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