☰ Menu eFinancialCareers

Wieso die Ernennung Tidjane Thiams ein schlechtes Omen für Investment Banker ist

Tidjane Thiam

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam

Der wohl nicht ganz unfreiwillige Abgang von Credit Suisse-Chef Brady Dougan im Juni kommt einer kleinen Kulturrevolution bei der zweitgrößten Schweizer Bank gleich. Dabei geht es nicht darum, dass mit Thiam erstmals ein Afrikaner das Ruder der Credit Suisse übernimmt. Vielmehr wird mit Dougan einer der letzten Dinosaurier von der Spitze einer Großbank vertrieben, der schon vor der Finanzkrise in 2008 im Amt war.

Ein noch wichtigeres Signal bedeutet indes, dass mit dem 52jährigen jemand an die Spitze der Credit Suisse rückt, der noch nie bei einer Bank gearbeitet hat. Dagegen gilt Dougan bis heute als das Urbild des angelsächsischen Investment Bankers, der mit der Credit Suisse immer noch ein große Rad im internationalen Investment Banking drehen wollte, während sich der Lokalrivale UBS zumindest aus dem Fixed Income-Geschäft weitgehend zurückgezogen hat.

Doch das Festhalten am Investment Banking durch Dougan hat zuletzt immer mehr zu Kopfschütteln unter Marktbeobachtern gesorgt. Denn die Eigenkapitalrendite der Sparte fiel mit 7,7 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr eher bescheiden aus und auch die Aufwands-Ertrags-Quote von 84,9 Prozent liegt deutlich zu hoch. Für jeden Franken Ertrag musste der Schweizer Bankenriese also fast 85 Rappen auf dem Tisch legen.

Die Analysten der Deutschen Bank rechnen jedenfalls mit einem Strategieschwenk Richtung Wealth Management: „Angesichts des Hintergrunds des neuen CEO erwarten wir einen Schwerpunkt auf jährliche Einkommensströme, die auf Anlagen basieren – also Wealth Management. Wahrscheinlich mit einem Fokus auf die Schwellenländer sowie einen weiteren Abbau in der Investmentbank, vor allem im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC).” Ein weitgehender Rückzug aus dem Geschäft würde sich positiv auf die risikogewichtete Eigenkapitalausstattung und die Leverage Ratio auswirken.

Von daher darf man gespannt sein, welche neuen Impulse Thiam für die strategische Ausrichtung der Credit Suisse mitbringt. Der 52jährige kommt vom britischen Versicherungskonzern Prudential, wo er 2007 als Finanzchef anfing und 2009 zum CEO aufstieg. Sein vorheriger Lebensweg unterscheidet sich ebenfalls signifikant von dem eines angelsächsischen Investment Bankers.

So wurde Thiam 1962 als Spross einflussreicher afrikanischer Familien in der Elfenbeinküste geboren. Seine Ausbildung erhielt Thiam an renommierten französischen Elitehochschulen. So studierte er ab 1982 fortgeschrittene Mathematik und Physik zunächst ans der École Polytechnique in Paris und später an der École Nationale Supérieure des Mines ebenfalls in Paris. Anschließend erwarb er 1988 einen MBA an der angesehenen französischen Business School INSEAD in Fontainebleau nahe Paris.

Sein Berufseinstieg erfolgte bei der Strategieberatung McKinsey. In den 90er Jahren schwenkte Thiam zu einer politischen Karriere in seinem Heimatland Elfenbeinküste um, wo er sogar zum Minister für Planung und Entwicklung aufstieg. Nach einer weiteren Zwischenstation als McKinsey-Partner in Paris arbeitete Thiam von 2002 bis 2008 in leitenden Funktionen beim Versicherungskonzern Aviva, bevor er in den Prudential-Vorstand aufrückte.

Gegenüber eFinancialCareers erinnert sich eine McKinsey-Partnerinnen in Paris an ihren ehemaligen Kollegen. Thiam sei Risiken sehr professionell angegangen und sei intellektuell sehr fähig und unabhängig gewesen. „Trotz dieser Verantwortungen ist Tidjane Thiam in Lage eine Vision zu haben und eine Strategie zu entwickeln, die in einer Fundamentanalyse der Branche verankert sei”, sagt die McKinsey-Partnerin, die anonym bleiben möchte.

Thiam ist Doppelbürger der Elfenbeinküste und Frankreichs, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Besonders erstaunlich: Thiam soll neben Französisch und Englisch auch Deutsch sprechen. Man wird sehen, wie gut das ausfällt.


Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier