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GASTBEITRAG: „Wie ich ohne idealen Arbeitslauf ein Sommerpraktikum in London ergatterte“

Banker London

Auch in London sind Banker nicht überall gern gesehen.

Arnaud Dupin studiert in Frankreich und hat es geschafft sich eines der begehrten Praktika in der Londoner City zu sichern. Gegenüber eFinancialCareers erzählt er von seinen Erfahrungen und gibt wertvolle Tipps. Die Herausforderungen dürften für Studenten aus Deutschland ganz ähnlich ausfallen. Übrigens: Bei Arnaud Dupin handelt es sich um ein Pseudonym.

Wer einen Berufseinstieg bei einer Investmentbank anstrebt, muss sich auf einen elitären Auswahlprozess gefasst machen. Es gibt nicht sehr viele Möglichkeiten, damit umzugehen:

1. Ihr strebt ein langes Praktikum in Paris an, was nicht sehr schwer zu erhalten ist, sofern Ihr Eure Vorstellungsgespräche vorbereitet (in denen es nur um Fachkenntnisse geht). Allerdings sind die Chancen sehr gering, nach dem Praktikum für eine Stelle in Sales, Trading oder der Strukturierung eingestellt zu werden – außer Ihr seid Studenten der französischen Elitehochschulen. Nur bei mir ist das nicht der Fall.

2. Ihr versucht ein Praktikum in London zu ergattern. Dabei handelt es sich um die berühmten „Summer Internships“, die üblicherweise zehn Wochen dauern. Die Auswahl fällt sehr streng aus; es genügt nicht, jemanden zu kennen, um ein Praktikum zu erhalten. Dagegen liegen die Chancen viel höher, nach dem Praktikum einen Einstiegsjob zu erhalten. Unter dem Strich erhält die Mehrheit der Sommerpraktikanten ein Angebot als Analyst einzusteigen, sobald sie ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben.

Keine guten Noten und kein Vitamin B

Um ein Praktikum ohne Chance auf einen Einstiegsjob zu vermeiden, habe ich mir für die zweite Variante entschieden, die allerdings auch nicht ohne Schwierigkeiten ist. Das gilt ganz besonders, wenn Ihr nicht das Ideal-Profil eines französischen Kandidaten mitbringt: Ausbildung in Paris, Grande École de Commerce / d‘ Ingenieur oder einen sehr guten Masterabschluss einer Universität. So ist es bei mir: Ich habe mein Studium an einer Wirtschaftshochschule in der Provinz verbracht – weit entfernt von den drei Wirtschaftshochschulen, die die französischen Großbanken bevorzugen.

Ach, ich vergaß zu erwähnen: Ich verfüge auch über keine Eltern, die Banker sind, und das Netzwerk das damit verbunden ist. Tatsächlich haben meine Eltern nicht einmal studiert und ich habe mein naturwissenschaftliches Abitur an einem Gymnasium in der Provinz abgelegt. Anschließend habe ich mein Studium nach einem Auswahlverfahren an der Wirtschaftshochschule aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, welche Rolle ein gutes Studium spielt.

Auslandspraktika als Ausgleich und …

Während meiner ersten vier Jahre an der Uni habe ich die Mehrzahl meiner Praktika im Ausland absolviert (in Europa und Asien) – teilweise in Finance, aber auch in Marketing und besonders im Unternehmensumfeld und nicht bei Banken. Während eines Praktikums in Asien habe ich einige Trader und Banker kennengelernt, die mir gesagt haben, dass der Sektor mir viel mehr Möglichkeiten für meine Zukunft bietet. Denn ich plane langfristig mein eigenes Unternehmensprojekt zu entwickeln. Die Aspekte der Unternehmensentwicklung, der Strategie, die kaufmännischen und Investitionsentscheidungen, auf die man im Investment Banking sehr stark trifft, stellten die entscheidenden Argumente für meine Wahl dar.

Also habe ich nach meiner Rückkehr nach Frankreich ein entsprechendes Fachgebiet gewählt. Allerdings bin ich schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass meine Möglichkeiten beschränkt sind, vor allem weil ich mein erstes Praktikum bei BNP Paribas absolviert habe. Dieses Praktikum zu erhalten, war allein schon ein Erfolg. Dabei musste ich jedoch feststellen, dass die von mir besuchte Hochschule nicht passte.

… eine eiserne Motivation

Dennoch war ich nicht bereit, den Kopf hängen zu lassen. Ich habe mich das erste Mal um ein „Summer Internship“ beworben. Gleichzeitig habe ich mich um einen Master in Finance bei der ESCP Europe beworben. Daher hatte ich in jenem Jahr keine Sommerferien – aufgrund der vielen Telefoninterviews. Allerdings wurde ich von der ESCP Europe angenommen.

Im nächsten Jahr bewarb ich mich zum zweiten Mal für ein „Summer Internship“. Wieder war das Ergebnis gleich null. Zumindest hatte ich ein Vorstellungsgespräch, weil ich eine „Zielhochschule“ (Target School) in meinem Lebenslauf hatte. Bei dem zweiten Versuch habe ich erkannt, dass es Methoden gibt, um auf sich aufmerksam zu machen.

Wenn bei einer angelsächsischen Bank auf einige dutzend Praktikumsstellen einige zehntausend Bewerbungen eingehen, dann müsst Ihr dafür sorgen, dass Euer Lebenslauf ganz oben auf dem Stapel landet. Doch wie stellt man das an? Indem Ihr bestimmte Erfahrungen und Aspekte  aus Eurem Lebenslauf in der E-Mail anführt, die den Bedürfnissen der Angestellten der fraglichen Bank entgegenkommen. Eben dies brachte mich weiter.

Fachpraktika, Networking und private Fortbildungen

Während ich auf die nächste Chance ein Jahr später wartete, habe ich ein sechsmonatiges Praktikum bei der Société Générale absolviert, um meine fachliche Ausbildung zu komplettieren. Die französischen Banken stellen zwar nicht mehr ein, aber sie bilden immer noch aus. Davon kann man profitieren. SocGen hat sich auf den Märkten mit Derivaten und strukturierten Produkten einen Namen gemacht. Eine solche Erfahrung sollte sich bei einer amerikanischen Bank in einem Praktikumsplatz auszahlen.

Ich habe diese Berufserfahrungen und Vorstellungsgespräche genutzt, um mein Netzwerk auszubauen. Ich wurde sogar zu Recruitment-Veranstaltungen eingeladen, wie sie Banken in Paris und London organisieren. Die HR-Abteilungen sind immer dabei und oftmals auch Teams von den Fachgebieten, die Euch interessieren. Dies half mir bei meinem Ziel weiter: der Karriereeinstieg über eine Sommerpraktikum.

Gleichzeitig habe ich auch an privaten Fortbildungen teilgenommen, die einen Kandidaten beim Einstieg im Investmentbanking helfen. Jeder kennt sie, aber niemand traut sich, darüber zu sprechen.  Das erlaubte mir, meine Lücken zu füllen, insbesondere weil sich die Vorstellungsgespräche auf Fachkenntnisse spezialisieren. Dabei traf ich sogar Leute, die bei Goldman Sachs, JP Morgan und Merrill Lynch arbeiteten. Kurz, es handelte sich um eine lohnende Investition. Zumal ein solches Seminar etwa das Wochengehalt eines Bank-Praktikanten in der Londoner City kostet.

Der erfolgreiche dritte Versuch

Im vergangen Herbst habe ich zum dritten Mal den Bewerbungsprozess bei den Großbanken in der City durchgemacht. Es handelte sich um etwa zehn Bewerbungen bei ausgewählten Banken oder mit anderen Worten um 30 Stunden Online-Bewerbungen. Um meine Chancen zu erhöhen, habe ich diese Zahl schließlich verdoppelt. Ich wurde so langsam zu einem Experten in Online-Bewerbungen, Numerischen Tests, Lebenslauffragen und in Vorstellungsgesprächen. Und auch das Netzwerk, das ich in den zwei vorausgehenden Jahren aufgebaut hatte, sollte sich als nützlich erweisen. Denn damit konnte ich parallel zu den Bewerbungen meinen Lebenslauf lancieren.

Von Merrill Lynch wurde ich an einem Tag zu einem wahren Auswahl-Marathon eingeladen. Dabei wurde ich mit dem gesamten Arsenal konfrontiert: Tests, Assessment Center, Mittagessen mit den Recruitern, Präsentation und drei Vorstellungsgespräche. Am Mittag des nächsten Tages erhielt ich die Zusage für ein neunwöchiges Sommerpraktikum. Ich habe das Angebot mit dem starken Willen angenommen, aus ihm einen Einstiegsjob herauszuschlagen. Kurz, es ist vollbracht. Jetzt geht es endlich los.

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