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DER BERATER: Wie ich trotz Zusage nie einen Vertrag erhielt

Unser Gastautor arbeitet als Consultant im Kapitalmarktumfeld und ist auf der Suche nach einem neuen Job. In einem Blog berichtet unser Kolumnist über seine Erfahrungen bei diesem Unterfangen.

Nachdem mein erstes Interview nicht zum Erfolg geführt hatte, war ich weiter auf der Suche. Wie in einem meiner vorherigen Blogeinträge angekündigt, arbeite ich auch mit einem Headhunter zusammen, der lediglich mit seiner Ehefrau eine Mini-Boutique betreibt. Dieser ruhige Engländer – den ich lediglich über das Telefon kenne – hatte eine passende Anfrage. Es ging um die Corporate Strategy einer Großbank. Hier insbesondere für eine spezialisierte Unterabteilung. Dieser Job wurde exklusiv von diesem Headhunter besetzt und war daher nirgendwo anders zu finden.

Angesetzt war der Termin an einem Freitag, an dem ich einfach keinen Urlaub bekommen konnte (Deadlines, Workload usw.). Daher entschloss ich mich, an dem Tag krank zu sein. Damit ich nicht zufällig in der Bahn oder im Flieger einem Kollegen über den Weg lief, nahm ich den langen beschwerlichen Weg im Auto auf mich.

Die erste Interview-Runde erfolgte mit einem sehr angenehmen, selbst neuen, aber sehr senioren Mitarbeiter. Er war selbst gerade zur Bank gekommen und noch innerhalb seiner Probezeit. Zuvor war er Partner in einer Unternehmensberatung gewesen, in der ich auch ein Praktikum absolviert hatte. Aus dieser Zeit hatten wir gemeinsame Bekannte. Am Anfang des Gesprächs erklärte ich ihm mein Verständnis, wie sein Bereich aufgestellt war (mittels einer vorbereiteten Grafik) und wo er sich in die Gesamtstrategie der Bank einfügte. Natürlich waren auch meine Projekte wieder ein großer Bestandteil des Gesprächs. Als Feedback bekam ich die gute Vorbereitung angerechnet. Ebenfalls fragte er nach der “Erlaubnis”, bei meinem ehemaligen Chef (einem der gemeinsamen Bekannten) eine Referenz über mich einholen zu dürfen. Natürlich stimmte ich dem zu.

Die zweite Interview-Runde fand sehr schnell im Anschluss statt. Hier wurde ich von zwei promovierten Mitarbeitern des Strategiebereichs interviewt. Es lief wie üblich: Zuerst gingen wir den Lebenslauf und anschließend die Projekte durch. Natürlich gab es hier eine Menge Nach- und Detailfragen. Am Ende wurde ich nach “möglichen Verbesserungen und neuen Ideen” gefragt. Hier hatte ich ein kleines Powerpoint-Handout vorbereitet und auf jeder der fünf Seiten (je ein Slide) hatte ich eine neue Idee visualisiert. Natürlich kamen nicht alle gut an und einmal huschte auch ein Lächeln über die Lippen der beiden. Insgesamt wurden die Vorschläge aber sehr gut aufgenommen und meine Vorbereitung geschätzt.

Etwa drei Wochen nach dem Interview rief mich mein Headhunter an und teilte mir mit, dass die Bank mich “wolle”. Ich trat in telefonischen Kontakt mit meinem zukünftigen Chef und war auch mit ihm einmal Abendessen. Jedoch realisierte sich der Vertrag nie. Es gab zwar eine Telefonkonferenz mit dem Headhunter und dem potenziellen Chef sowie zwei Deadlines, die nicht eingehalten wurden. Der Vertrag – so wurde mir versichert – würde nur in HR hängen. Jedoch wurden nach der zweiten Deadline keine Anrufe oder Emails mehr beantwortet. Zu diesem Zeitpunkt entschloss ich mich, die Jobsuche wieder aufzunehmen.

Und nun, neun Monate nach dem Gespräch, herrscht nach wie vor Funkstille und der Vertrag ist nie bei mir eingetroffen. Die chaotische Personalpolitik wird mir auch von ehemaligen HR-Mitarbeitern der Bank und Headhuntern bestätigt.

Kommentare (1)

Comments
  1. Das scheint im Finanzbereich nun mittlerweile wohl zum Standard zu werden. Mir ging es vergangenes Jahr bei einer sehr renommierten (was immer das heute noch heißen mag) Privatbank nicht anders.
    Auch einiger meiner Ex-Kollegen berichteten in letzter Zeit von ganz ähnlichen Geschichten.

    Und da wundert sich mancher Arbeitgeber noch über die oft gerügte mangelnde Loyalität und das rücksichtslose “Söldnertum” ihrer Berater. Alles hausgemacht…

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