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GASTKOMMENTAR: Wieso die besten Einstiegsjobs immer an Studenten aus reichen Familien gehen

rich student

Bei David Keen handelt es sich um ein Pseudonym.

Ich studiere VWL an einer der britischen Top-Unis. Wie viele meiner Kommilitonen auch möchte ich ins Investment Banking gehen; aber anders als viele Kommilitonen komme ich nicht aus einer reichen Familie mit guten Beziehungen ins Banking und ich habe auch keine noble Privatschule besucht. Dies stellt sich immer mehr als ein gravierender Nachteil dar.

Bevor ich mein Studium aufnahm, bin ich davon ausgegangen, dass es sich beim Einstieg um einen meritokratischen Prozess handle und dass es den anderen Studenten wie mir ergehen würde. Doch tatsächlich stammen fast alle von Privatschulen, Grammar Schools (Gymnasien) oder internationale Schulen und es gibt kaum andere Absolventen gewöhnlicher öffentlicher Schulen wie mich selbst.

Mit diesem Background fällt es mir schwerer einen Einstiegsjob im Banking zu finden. Viele meiner Kommilitonen verfügen entweder über Familienangehörige, Freunde oder ehemalige Mitschüler, die ihnen bei einem Einstieg helfen können. Schon bevor sie ihr Studium aufnahmen, haben viele bereits für eine Boutique gearbeitet oder haben zumindest ein paar Tage bei Finanzdienstleistern hier oder dort verbracht. Dies erleichtert es ihnen auch, in den Top-VWL-Seminaren voranzukommen, weil sie bei ihren Stellungnahmen aufregende Dinge erzählen können. Dies erleichtert es ihnen, an einer der begehrten Spring-Weeks (Minipraktika im Frühjahr) teilzunehmen. Von dort aus fällt es ihnen wiederum leichter, ein Sommerpraktikum (in den Semesterferien) zu bekommen.

Ich bin nicht bitter. Ich gebe lediglich die Realitäten wieder. Wenn ich selbst in ihrer Situation wäre, würde ich genau das gleiche machen. Dennoch ist es ein wenig deprimierend. Mir gelang es im vergangenen Jahr an einer Spring-Week teilzunehmen. Bei dem anderen Praktikanten stellte sich heraus, dass er der Sohn von zwei pensionierten Bankern war. Seine Eltern haben einige Strippen gezogen, um ihn unterzubringen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Es wird immer schwierig sein aus einer Arbeiterfamilie oder sonstiger Herkunft in gewachsene Strukturen zu gelangen. Man muss sich an anderen Wegen orientieren, die einen selbst von der Masse abheben. Eine Unmöglichkeit ist jedoch ausgeschlossen und somit gibt es immer eine Chance.

  2. Das ist eigentlich schon immer so gewesen, und hierzulande ist es seit PISA bekannt, dass Herkunft statt Können entscheidet – jedenfalls 70% bis 80%.
    Deshalb helfen Verweise auf Fälle, wie Ex-Bundeskanzler Schröder aus einer Arbeuterfamilie oder Joschka Fischer, als Ex-Außenminister, Taxifahrer, Sponti, Hausbesetzer usw. wenig, denn Ausnahmen bestätigen nur die Regel.
    Es ist aber interessant, dass die heutigen Superreichen Banker, Industrielle, wenige Künstler, Handwerker, Ärzte sind, so dass sich doch merikratische Kriterien (Leistung und Bildung lohnt sich) gegenüber ererbten Reichtum (Aristrokratie) im 20. Jahrhundert zu einer gerechteren Begründung geführt hat.
    Interessant in diesem Zusammenhang auf Piketty und sein Kapital des 21. Jahrhunderts zu verweisen.
    Es besteht somit immer Hoffnung, dass gesellschaftliche oder politische Strömungen hier tatsächlich über das Umdenken oder Gesetze gerechtere Zustände herbeiführen oder zumindest Tendenzen stärken können. Eine Frage des Wollens und Könnens der Beteiligten und Betroffenen.

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