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Wie der Super-Franken Jobs und Gehälter bei Schweizer Banken bedroht

switzerland

Nach der Freigabe des Franken-Kurses ist die Währung gestern wie eine Sylvester-Rakete in den Neujahrshimmel gestiegen. Am Ende des Handelstages wurde sogar die Parität zum Euro unterschritten, was ein Minus von 16,7 Prozent bedeutet. Mit dem neuen Super-Franken haben jedoch nicht nur Exportindustrie und Tourismus zu kämpfen, sondern auch Banken.

Erträge in Euro und Kosten in Franken

„Die Banken geraten dadurch in eine schwierige Situation“, erläutert Christian Hintermann, Leiter Transactions & Restructuring Financial Services bei KPMG Schweiz. Das gelte vor allem für Privatbanken, die stark im Offshore-Geschäft engangiert seien. „Manche Privatbanken verwalten zu 90 Prozent ausländische Vermögen, die in Fremdwährungen denominiert sind“, sagt Hintermann. Damit würden auch die Erträge in Währungen wie Euro oder US-Dollar anfallen. Wenn der Franken sich bei einem Minus von 10 bis 15 Prozent einpendele, dann würden die Erträge dieser Banken in ähnlicher Höhe einbrechen.

„Auf der anderen Seite sind die Kosten – besonders bei den kleineren Banken – zu 100 Prozent in Franken“, erläutert der Spezialist. Auf diese Weise erodiere die ohnehin schon schwache Rentabilität der Privatbanken weiter. „Das ist genau das Gegenteil von dem, was sich die Banken erhofft haben.“

Schon in der Vergangenheit hatte die Branche mit steigenden Regulierungskosten und den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Mit dem starken Franken steige der Druck auf die Banken noch weiter.

Profitabilität der Privatbanken ohnehin angeschlagen

„Die Profitabilität der Banken ist durch verschiedene Faktoren in der nahen Vergangenheit verstärkt unter Druck gekommen“, sagt auch Marcel Tschanz, Bankenexperte von PwC Schweiz. „Dabei sind die Abschaffung der Retrozessionen, die erhöhten Kosten durch die gesteigerten Regulierungsanforderungen und die erhöhte Preistransparenz und damit Konkurrenz nur einige davon. Die Banken sind deshalb fortlaufend daran, ihre Kosten zu optimieren und sie versuchen ihre Value Proposition, ihre Prozesse und ihre Marktfokussierung entsprechend anzupassen.“ Besonders gefordert seien dabei die kleineren Banken.

Laut Hintermann hätten die Banken nur die Wahl, die Kosten zu senken oder weiter zu konsolidieren. KPMG beobachte schon seit etwa einem halben Jahr verstärkte M&A-Aktivitäten. Immer mehr Auslandsbanken würden ihre Schweizer Töchter hinterfragen. Darüber hinaus werde es aufgrund des starken Frankens für ausländische Banken deutlich teurer, in der Schweiz auf Einkaufstour zu gehen. Daher rechnet Hintermann, dass bei der anstehenden Konsolidierungswelle vor allem größere Schweizer Banken zum Zuge kommen werden, die sich durch die Übernahme Skaleneffekte erhoffen.

Personalkosten müssen sinken

Hintermann rechnet jedoch auch damit, dass die Banken energischer versuchen werden, ihre Personalkosten zu senken. Nach einer KPMG-Studie aus dem August seien die Personalkosten im Schweizer Private Banking seit der Krise kaum gesunken. Während der Personalaufwand pro Kopf in 2007 bei etwa 227.000 Franken lag, seien es im Mittel der vergangenen drei Jahre immer noch rund 213.000 Franken gewesen. „Ich glaube der Personalaufwand muss weiter sinken, wenn die Banken unprofitabel sind oder nur eine tiefe Profitabilität aufweisen“, sagt Hintermann. Personalabbau und niedrigere Vergütungen seien die logische Folge. Denn immerhin rund 60 Prozent der Kosten entfallen in der Branche auf das Personal. Darüber hinaus müssten die Banken allenfalls versuchen IT oder Produkte auszulagern. „Es stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, dass alle Banken eine eigene IT-Plattform besitzen.“

Durch den Regulierungsdruck, die Digitalisierung und die Weißgeldstrategie habe sich der Druck auf den Produktionsstandort Schweizer erhöht, meint auch Tschanz. Daher müsse die Branche insbesondere bei der IT über günstigere Produktionsstandorte nachdenken. Allerdings kann Tschanz dem starken Franken auch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Ein anderer Aspekt dürfte sein, dass ausländische Konkurrenten jetzt günstiger gekauft werden können. Akquisitionen im Ausland sollten also zunehmen.“


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