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Der geplatzte Karrieretraum: Wieso Trading längst kein Traumjob mehr ist

Der Traum von einer Karriere im Trading platz oft ebenso rasch wie eine Seifenblase.

Der Traum von einer Karriere im Trading platz oft ebenso rasch wie eine Seifenblase.

Trading hat nie einen brillanten Karriereweg geboten, doch zumindest stellte es einen Weg zum Ruhm dar. In der Vergangenheit konnten Top-Trader zumindest erwarten, ein größeres Handelsbuch und höhere Risikolimits eingeräumt zu bekommen. Und bei besonders guter Performance bestand die Möglichkeit vom Banking zu einem Hedgefonds zu wechseln.

Dagegen scheinen die Karrierewege heutzutage weitaus verschlungener zu verlaufen. Denn heute werden die größten Handelsbücher von Maschinen gemanagt, die Risikolimits sind eng und Hedgefonds stellen zumeist Trader von anderen Hedgefonds ein. Und falls doch einmal ein Trader einen Job bei einem Hedgefonds findet, dann geht er großes Risiko ein, schnell wieder vor die Tür gesetzt zu werden.

Für Trader einer Investmentbank gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich auf die neuen Realitäten ein oder sie wechseln zu einem Hedgefonds mit dem Risiko, wenige Monate später ihren Job zu verlieren.

Laut dem Headhunter Zaheer Ebrahim von der Kennedy Group in London seien die glücklichsten Trader diejenigen, die sich auf die neue risikoscheue Umgebung einlassen. „Auftrags-Trader [die nur im Kundenauftrag handeln] sind recht zufrieden“, sagt Ebrahim. „Banken brauchen sie immer noch. Es kann nicht alles automatisiert werden und für das, was sie machen, verdienen sie ganz gut. Frustriert sind die Trader, die Risiken eingehen wollen.“

Bei den risikofreudigen Tradern handelt es sich um Banker aus dem mittleren Karrierelevel, die ursprünglich im Trading angefangen haben, um ihre eigenen Ideen umsetzen zu können, und später herausfinden mussten, dass ihre eigentliche Aufgabe nur darin besteht, die reibungslose Abwicklung der Kundenaufträge zu gewährleisten. Nach der Einführung der Volcker-Rule in den USA und ähnlichen Begrenzungen des Eigenhandels der Banken durch die EU-Behörden verschwindet das risikobehaftete Trading zusehends aus den Banken. „Das Risiko, das sie bei Banken eingehen dürfen, ist tatsächlich sehr begrenzt“, erzählt Ebrahim. „Es ist nicht so, wie es einmal war. Das Market Timing ist wichtiger als alles andere.“

Ähnliches berichtet Headhunter Michael Karp von der Options Group  in New York über die Situation an der Wall Street. Karp erhält regelmäßig Anrufe von risikofreudigen Tradern, die ziemlich frustriert sind. „Für Trader ist es momentan nicht leicht“, erzählt Karp. „Es gibt eine Menge, die auf die Buy Side wechseln wollen [wie z.B. Hedgefonds], aber Hedgefonds sind mittlerweile unglaublich wählerisch.“

Auch Ebrahim erhält immer häufiger Anrufe von Tradern, die auf die Buy Side, zu Fondsgesellschaften also, wechseln möchten. „Meistens können wir ihnen nicht helfen“, bestätigt der Personalvermittler. „Gelegentlich finden wir jemanden in einer Bank, der über eine gute Ausbildung und gute Trading-Ansätze verfügt und dann geben Hedgefonds ihnen eine Chance. Aber ein Hedgefonds wird sie nicht behalten, wenn sich die Ansätze nicht auszahlen, denn Hedgefonds wollen Leistungsträger einstellen und nicht jemand, der keine Performance abliefert.“

Der schwierigste Arbeitsplatz für Trader in Banken stellt derzeit der Devisenhandel dar. Der Spot-Handel ist bereits weitgehend automatisiert – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Nach den jüngsten Skandalen rund um die Manipulierung der Devisenkurse drängen auch die Aufsichtsbehörden auf eine weitere Eliminierung menschlicher Eingriffe.

Paradoxerweise erwartet ein auf Forex spezialisierter Headhunter, der namentlich nicht zitiert werden möchte, dass 2015 ein gutes Jahr für Devisenhändler wird. Im abgelaufenen Jahr hätten Investmentbanken wie Deutsche Bank, Citi und RBS eine Reihe von Devisenhändlern vor die Tür gesetzt, die in die Manipulierung von Währungskursen verstrickt waren. Damit wurden jedoch auch Lücken in die Belegschaft gerissen. „Es gibt derzeit einfach nicht genügend gute Forex Trader, um sie zu ersetzen“, sagt der Headhunter. „Entweder werden jüngere Trader schneller befördert oder die Banken nehmen einen tiefen Atemzug und warten einige Jahre, bis die heutigen Juniorbanker so weit sind, um selbst Verantwortung zu übernehmen.“

Dies hört sich nicht gerade wie eine Karrieresackgasse an. Doch was ist, wenn Betroffene nicht zu den glücklichen Nachwuchstradern im Währungshandel gehören? Karp empfiehlt Betroffenen, ihre Karriereambitionen herunterzuschrauben: „Trader, die keinen Job finden, können immer noch ins Risikomanagement wechseln.“

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