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Welche IT-Trends den Finanzdienstleistern in 2015 bevorstehen

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Wie für viele andere Branchen auch spielt die IT für Banken und Finanzdienstleister eine immer größere Rolle. Allerdings hinken nicht alle Branchen so weit hinter den Trends hinterher wie viele Finanzdienstleister. Immer noch gibt es Banken, die mit tausenden Einzellösungen zu kämpfen haben. Dabei hängt die Zukunft vieler Institute maßgeblich von einer modernen, kostenschonenden IT ab. Hier die elf heißesten Trends:

1. Der Aufstieg der „offensiven“ Data Scientists

Im abgelaufenen Jahr haben sich auch die Banken dem breiten Trend angeschlossen und Data Scientists angestellt. Laut IT-Berater Paul Rowaday von der TABB Group beschäftigten sich diese Fachkräfte bei Banken hauptsächlich mit Projekten aus den Bereichen Unternehmenssteuerung, Risiko und Compliance. Doch dies dürfte sich 2015 ändern. „Im nächsten Jahr werden wir uns vom defensiven zum offensiven Einsatz von Data Scientists weiterentwickeln. Sie werden Sie auch im Front Office finden“, beteuert Rowaday. „Ich spreche nicht davon, dass Data Scientists die Quants ersetzen werden. Während sich Quants auf Trading-Strategien mit hohen Umsätzen konzentrieren, werden die Data Scientists daran arbeiten, wie sich große Datensätze nutzen lassen, um langsamere Märkte zu verstehen.“

2. Startups im Fintech-Bereich werden schnell wachsen

In 2014 haben Investmentbanken selbst in Fintech-Startups investiert oder ihnen zumindest Finanzierungen zur Verfügung gestellt. „Das ist schon seltsam. Denn damit geben sie im Grunde zu, dass sie keine Innovationskultur besitzen und diese Expertise einkaufen müssen“, sagt Adam Honore, Chef des Beratungsunternehmens MarketsTech. „Nächstes Jahr werden Sie mehr in wachsende IT-Unternehmen investieren.“

3. Automatisierung kompensiert schwache Erträge

Den Banken fällt es immer schwerer, ihre Erträge zu steigern. Deswegen versuchen Sie auf der Kostenseite zu drücken. Dazu bemühen sie sich, die immer noch vielen manuellen Abläufe in den Supportfunktionen sukzessive zu automatisieren. Nur auf diese Weise dürften sie in der Lage sein, eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent und mehr zu generieren. Laut einer Studie von McKinsey zur Banking-IT ließen sich die entsprechenden Kosten mit dem konsequenten IT-Einsatz immerhin halbieren.

„Wenn wir uns die großen Universalbanken anschauen, dann verfügen sie über 400 bis 500 Kernaktivitäten oder Prozesse. Zwei Drittel davon stehen in keinerlei Kundenbeziehung. Während das gesamte Personal nicht über Nacht wegrationalisiert und wegautomatisiert werden kann, könnten es viele Arbeitsschritte schon. Daher halten wir dies für eine große Chance produktiver zu werden.“

4. IT-Sicherheitsexperten stehen hoch im Kurs

Die jüngsten Hacks bei JP Morgan und Sony dürften den Bedarf an IT-Sicherheitsexperten weiter anheizen. Da die Banken immerhin das Geld ihrer Kunden hüten, stellt dies einen besonders sensiblen Bereich dar. Daher rechnen sowohl Honore als auch Rowaday mit einer kräftigen Nachfrage nach IT-Sicherheitsexperten. „Der Fokus auf Sicherheit erlaubt den Banken auch ihre Reputation bei Regierung, Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen“, sagt Rowadays.

5. Unternehmensspezifische Lösungen immer seltener gefragt

Für jeden Mitarbeiter im Front Office geben Investmentbanken durchschnittlich 485.400 Dollar (394.800 Euro) an IT aus – wahrlich keine Peanuts. Dies liegt zu einem Teil daran, dass die Banken in der Vergangenheit viele unternehmenseigene Lösungen programmiert haben. Aus Kostengründen geht der Trend jetzt immer mehr zu Standardlösungen – besonders wenn die Eigenlösungen keinen Wettbewerbsvorteil versprechen.

„Auf lange Sicht werden die Banken es sich einfach nicht mehr leisten können, Eigenlösungen für jeden Bereich ihrer Infrastruktur zu entwickeln und zu betreiben. Daher werden sie einige dieser Funktionen auslagern“, meint Rowaday.

6. Banken entdecken die Agile Softwareentwicklung

Schon in den zurückliegenden zwölf Monaten haben die Banken Experten für die Agile Softwareentwicklung eingesetzt. Ein gutes Beispiel hierfür stellt JP Morgan dar. Der Kostendruck dürfte auch hier für anhaltende Nachfrage sorgen. „Wir haben herausgefunden, dass agile Methoden dabei helfen, die Kosten und die Lieferzeit zu kontrollieren“, schreibt McKinsey. „Banken, die agile Methoden bei weniger als einem Viertel ihrer Projekte einsetzen, liefern 70 Prozent der Projekte im Kosten- und 55 Prozent im Zeitrahmen ab. Dagegen liefern Banken, die agile Methoden bei mehr als der Hälfte ihrer Projekte einsetzen, 96 Prozent innerhalb des Budgets und 79 Prozent innerhalb der Zeit ab.“

7. Die Fondsgesellschaften werden sich dem IT-Boom anschließen

Die Aufsichtsbehörden ziehen auch bei den Fondsgesellschaften sukzessive die Zügel an. Daher dürften auch hier die Neueinstellungen für die Bereiche Unternehmenssteuerung, Risiko und Compliance zulegen, meint Bob McDowall, der als unabhängiger Unternehmensberater arbeitet.

„Die Asset Manager müssen immer noch die gleichen Mühen in der Risikoermittlung und Steuerung durchmachen wie die Investmentbanken“, sagt er. Mittlerweile gibt es bereits kleine IT-Unternehmen wie FundApps, die den Fondsgesellschaften dabei helfen. McDowall rechnet damit, dass die Asset Manager teilweise Fachkräfte einstellen werden und teilweise Expertise von außen einkaufen werden.

8. Die Digitalisierung wird vielen Devisen- und Zins-Tradern den Job kosten

Die Banken unternehmen immer mehr Anstrengungen, um den Handel mit Währungen und Zinsprodukten zu automatisieren. Die UBS wurde sogar von Aufsichtsbehörden aufgefordert, 95 Prozent ihres Devisenhandels automatisiert abzuwickeln. Die immensen Bußen, die Banken für die Manipulation von Devisenkursen und Zinssätzen zahlen mussten, dürften diese Entwicklung nur noch beschleunigen.

9. Der Einsatz IT für Risikomanagement und Compliance steigt weiter

Der Aufwand für Risikomanagement und Compliance wird auch im neuen Jahr einen Großteil der IT-Investitionen der Banken aufzehren. „Die Implementation von regulatorischen Lösungen gewinnt in den USA und Europa an Reife und die Unternehmen bewegen sich von einem defensiven Einsatz der Modellierungs-Techniken zur Erfüllung der regulatorischen Auflagen zu etwas, das stärker auf den Geschäftserfolg einwirkt“, sagt Rowadays.

10. Der Aufstieg des Chief Digital Officers

Das Personalvermittlungsunternehmen Accenture rechnet damit, dass sich das Ökosystem der Finanz-IT im neuen Jahr verändern wird. Es werde erforderlich „Chief Digital Officers“ zu ernennen. Diesen CDOs werde die IT-Strategie obliegen und sie müssten sich anschauen, was kleinere Player unternehmen. So müssten die Banken z.B. „soziale Lösungen“ für institutionelle Anleger entwickeln. Die Banken müssen also immer stärker darauf achten, was in der digitalen Welt außerhalb des Bankings vor sich geht.

„Die IT beginnt die Mauern einzureißen, die einst die Kapitalmärkte und den privilegierten Zugang der großen Player zu Informationen, Preisen und Liquidität geschützt haben“, heißt es von Accenture. „Neue Marktteilnehmer werden mit innovativen Technologien von allen Seiten kommen: kleine IT-Startups und nichttraditionelle Anbieter – wie Goolge – werden mit einem Vorsprung oder ohne Altlasten in den Wettbewerb eintreten.“

11. Gelangen Banken in die Cloud?

Die Banken gehören zu den Branchen, die immer noch nicht die Cloud erreicht haben. Dies liegt aber keinesfalls nur an Sicherheitsbedenken. Der größere Hinderungsgrund für den Aufstieg des Banking in die Cloud scheint vielmehr in inneren Widerständen zu bestehen. Wieso sollten die Entscheider in den IT-Abteilungen die Banken zu einem Schritt ermuntern, der ihren eigenen Job kosten könnte?

„Das größte Wachstumsgebiet, bei dem die Banken immer noch hinterherhinken, ist die Cloud. Leute, die Kompetenz über die Infrastruktur-Migration in die Cloud mitbringen, werden sicherlich im nächsten Jahr sehr gefragt sein“, sagt Honore. „Angestellte in der Infrastruktur werden auch weiterhin intern gegen die Cloud kämpfen. Denn sie drohen ihren Job zu verlieren; aber damit verzögern sie nur das Unvermeidliche. Ich möchte niemand sein, der sich um die Rechenzentren der Banken kümmert.“


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