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Der große Mangel an Investment Bankern: Selten waren die Einstiegschancen so gut

Im Investment Banking steht die Personalpyramide Kopf.

Im Investment Banking steht die Personalpyramide Kopf.

Wer von einer Karriere in M&A oder Equity Capital Markets (ECM) träumt, sollte jetzt aufwachen. Denn selten waren die Chancen für Berufseinsteiger und jüngere Berufstätige so glänzend wie heute. Headhunterin Sabrina Tamm von Financial Talents in Frankfurt berichtet von einem Fall, dass sogar ein Absolvent als Analyst bei einer Schweizer Großbank in Frankfurt eingestellt wurde, obgleich er kein vorheriges Praktikum im Investment Banking mitbrachte.

Bis vor kurzem wäre so etwas noch undenkbar gewesen, meint Tamm. Denn eigentlich gilt seit Jahren das immer gleiche Anforderungsprofil für Berufseinsteiger im Investment Banking: Einschlägiges Studium mit überdurchschnittlichen Noten, Auslandsaufenthalt und relevantes Praktikum. „Das bedeutet, dass man im Investment Banking – möglichst bei der eigenen Bank – ein Praktikum absolviert hat oder zumindest ein entsprechendes Praktikum von der Konkurrenz mitbringt“, berichtet Tamm.

Damit scheint der Personalmangel auf dem Junior-Niveau in M&A und Equity Capital Markets eine neue Stufe zu erreichen. Bislang war es schon so, dass Senior Analysts und Associates mit Deutschkenntnissen eine heiß begehrte Mangelware darstellten – und zwar nicht nur in Frankfurt. Tamm berichtet von einer Anfrage einer renommierten M&A-Boutique aus London, die einen Junior Investment Banker mit Deutschkenntnissen sucht. „Da musste ich passen“, erzählt Tamm. „Associates im ersten Jahr scheint es einfach nicht mehr auf dem Markt zu geben.“

Mittlerweile fänden selbst erstklassige Adressen kaum noch dringend benötigtes Personal. Da sich die sogenannten Tier 1- und Tier 2-Banken zwischenzeitlich ausgiebig bei weniger renommierten Instituten in Frankfurt bedient hätten, gebe es hier einige Teams, die fast nur noch aus Directors und Managing Directors bestehen, berichtet Tamm.

Die Gründe für den Analysten- und Associate-Mangel

Auf dem Associate-Level beobachtet auch Headhunter Dirk Albütz von Fibance einen empfindlichen Fachkräftemangel. „Eigentlich sollte es beim Personal eine Pyramide geben“, sagt Albütz. Also wenige Führungskräfte und viele Associates und Analysten. „Aber den wenigsten Banken gelingt dies.“ Den Fachkräftemangel auf Juniorebene führt Albütz einmal auf die mangelnden Neueinstellungen in Folge der Finanzkrise zurück.

„Ein anderes Phänomen stellt die Generation Y dar, die einfach mehr Wert auf Work-Life-Balance legt“, ergänzt Albütz. Jüngere Leute würden immer häufiger die langen Arbeitszeiten im Investment Banking scheuen und auf die Corporate-Seite wechseln. Albütz berichtet, dass er allein im laufenden Jahr fünf junge Investment Banker bei DAX- oder MDAX-Unternehmen untergebracht habe.

Allerdings müssten die Banker dort beim Fixgehalt Abstriche von 5000 bis 10.000 Euro in Kauf nehmen, berichtet Albütz. „Sie müssen auch auf einen Bonus verzichten, wie er bei Banken üblich ist“, ergänzt der Headhunter. Bei DAX- oder MDAX-Unternehmen seien meist nur Zusatzgratifikationen von 5 bis 10 Prozent drin. Dennoch falle es ihm leichter Associates zu einem Wechsel zu Corporates als zu anderen Banken zu animieren. „Die Kandidaten sagen mir, dass sie einfach mal ein Wochenende frei haben möchten.“ Andererseits musste Albütz auch schon Suchaufträge von Banken nach Associates ablehnen, weil er kaum Chancen sah, sie im gegenwärtigen Marktumfeld umzusetzen.

Auch Headhunter Rolf Behrens von Banking Consult in Bad Nauheim hat schon einige Investment Banker bei Industrieunternehmen platziert. Es handle sich um eine einfache Abwägung: „Die Arbeitszeiten sind humaner als im Investment Banking, das Ist-Gehalt ist nicht unbedingt geringer.“ Leute müssten dort weniger arbeiten, aber auch die Gesamtvergütung falle schmaler aus.

Wichtige Karriereentscheidungen fallen auf Associate-Level

Laut Albütz würden besonders Großbanken ihre Analysten-Klassen nicht nach M&A, Equity Capital Markets und Leveraged Finance aufteilen. „Meist wollen die Großbanken, dass die Analysten ein breites Wissen erwerben und es in einem Bereich vertiefen“, berichtet Albütz. Dies läge an dem Umstand, dass zu großen Transaktionen oftmals auch Kapitalmarktprojekte gehören. „Umso größer die Bank, desto häufiger sind die Transaktionen kapitalmarktnah“, betont Albütz. Doch ab dem vierten Jahr müssten sich die Junior Associates auf einen Bereich wie M&A, ECM oder Leveraged Finance festlegen, empfiehlt Albütz.

Wie Banken dem Fachkräftemangel entrinnen

Trotz des Fachkräftemangels gibt es immer noch Analysten und Associates, die ein offenes Ohr für Personalberater haben. Laut Headhunterin Angela Hornberg von Advance Human Capital in Frankfurt würden die jüngeren Kandidaten einfach genauer darauf achten, wie sie das neue Stellenangebot weiterbringt. „Die Leute wollen ein klares Upgrade: eine renommiertere Adresse, eine schnellere Beförderung, mehr Verantwortung oder schlicht mehr Geld“, resümiert Hornberg. Wenn das Paket stimme, ließen sich auch jüngere Investment Banker zu einem Wechsel bewegen.

Ganz ähnlich sieht dies Behrens. „Schwierig wird es, Analysten oder Associates zu einem Wechsel von einer Tier-1 zu einer anderen Tier-1 Bank zu bewegen“, erläutert der Experte. Dies sei nur mit einer rascheren Beförderung möglich. „Anders sieht es aus, wenn man Kandidaten aus der zweiten Reihe anspricht“, beobachtet Behrens. „Das gibt es schon einige Bewegung.“

Generell empfiehlt Behrens, dass sich die Investment Banken in Deutschland offener für andere Kandidaten zeigten und nicht nur Absolventen von deutschen Privatunis wie European Business School oder WHU einstellten. „Wenn sie sich etwas flexibler zeigen und auch beispielsweise deutsche Graduates von den Top-Universitäten aus London akzeptieren, welche nicht unbedingt eine Reihe von Praktika im Investment Banking nachweisen können, dann würden sie sehr gute Kandidaten finden“, meint Behrens. Einschlägige Praktika seien überbewertet.

 


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