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KOMMENTAR: Fusionspoker um die Deutsche Börse: Wieso das Gegenangebot der NASDAQ ein Segen für den Finanzplatz Frankfurt ist

Die Nachricht war zu gut, um wahr zu sein. Die Deutsche Börse plant einen Fusion mit dem New Yorker Mitbewerber NYSE Euronext. Da der deutsche Konzern mehr wert ist als die amerikanisch-europäische NYSE Euronext, schienen die Deutschen bei dem Deal die Oberhand zu gewinnen – und zwar im Verhältnis 60:40. Doch dem Traum vom Mainhattan als Weltzentrum des Börsenhandels stehen die schnöden Fakten entgegen:

Das operative Geschäft des gemeinsamen Konzerns soll von dem US-Amerikaner Duncan Niederauer in New York gesteuert werden. In Frankfurt würden lediglich der Aufsichtsratsvorsitzende Reto Francioni, derzeit Deutsche Börse-Chef, sowie das margenstarke Derivategeschäft verbleiben. Die geplanten Synergieeinsparungen von 300 Mio. Euro würden zwangsläufig in einen weiteren Personalabbau münden.

Ein solches Szenario könnte sich rasch als weiterer Stoß für den Finanzplatz Frankfurt entpuppen. Denn schon heute spielt die Mainmetropole hinter London und Zürich bestenfalls die dritte Geige in Europa – mit fallender Tendenz:

Weshalb der Finanzplatz Frankfurt schon heute zweitklassig ist

So hinkt Frankfurt im Investmentbanking meilenweit hinter London – und mittlerweile sogar Paris – hinterher. Zwar ist die gesamte angelsächsische und französische Bankenlandschaft in Frankfurt präsent. Doch handelt es sich bei den Investmentbankern von Goldman Sachs, Morgan Stanley, BNP Paribas und Co. schwerpunktmäßig um Sales-Teams, die Kundenaufträge in der starken deutschen Wirtschaft akquirieren sollen. Die Handelssäle und die Produktfabriken befinden sich zumeist in London.

Auch bei den heimischen Instituten sieht es traurig aus: Commerzbank und Landesbanken ziehen sich derzeit schneller aus dem Investmentbanking zurück als die napoleonische Armee vor Moskau. Selbst bei der Deutschen Bank ist Frankfurt nur noch ein Anhängsel der Londoner Zentrale – und nicht umgekehrt.

Nicht viel besser sieht es im Private Banking aus. Dort verstärken die meisten Schweizer Häuser massiv ihre Präsenz. Denn die Kunden in Deutschland sind interessant und die einheimische Konkurrenz schwach. So spielt das Private Banking innerhalb der Deutschen Bank und der Commerzbank nur eine periphere Rolle. Bei Hedgefonds hat der Standort Deutschland sogar ein ähnliche Bedeutung wie Botswana für die Autoindustrie – nämlich keine.

Was für das NASDAQ-Angebot spricht

Aus diesem Grunde kommt das Gegenangebot der NASDAQ für die NYSE Euronext wie gerufen. Das Angebot der Amerikaner für die NYSE ist aus zwei Gründen attraktiver als das der Deutschen Börse: Es liegt um 19 Prozent höher und die Wall Street-Ikone NYSE würde nicht in die Hände von Ausländern fallen – ein Argument, was in den patriotischen USA von nicht zu unterschätzender Zugkraft ist.

Vor diesem Hintergrund ist die Ablehnung Francionis, das deutsche Angebot zu erhöhen, nur zu begrüßen. Bei einem Scheitern der Börsenfunktion wäre zwar die Deutsche Börse abermals der Verlierer, der Finanzplatz Frankfurt aber der Gewinner.

Für Frankfurt bleibt nur noch zu hoffen, dass die US-Kartellwächter keinen Strich zur die rein amerikanische Fusion machen. Denn mit der Vereinigung von NYSE und NASDAQ würde in den USA ein Konzern mit marktdominierender Macht entstehen.

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