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Leitartikel: Die Bezahlung ist in diesem Jahr gelaufen, falls die Vergütungsquoten nicht deutlich anziehen sollten

In 2009 haben die Banken ihre Vergütungsquoten (compensation ratios) massiv heruntergefahren. Doch im abgelaufenen Quartal sind die Vergütungsquoten gemessen als Höhe der Vergütung im Vergleich zu den Erträgen wieder angestiegen. Dies ist eine glückliche Wendung, wenn in Betracht gezogen wird, dass a) die Erträge in 2010 traurig aussehen und b) einige Banken irrigerweise ihre Mitarbeiterzahl aufgestockt haben.

Bei Goldman Sachs, Morgan Stanley (Institutional Securities), JPMorgan (Investment Bank), Credit Suisse (Investment Bank) und Deutsche Bank (Corporate Banking und Securities) sind die Bruttoerträge im ersten Halbjahr binnen Jahresfrist um 6,5 bis 25 Prozent gefallen.

Zur gleichen Zeit haben diese Unternehmen unglücklicherweise ihre Mitarbeiterzahl gesteigert. So beschäftigt Goldman Sachs jetzt 2900 Mitarbeiter mehr als im zweiten Quartal 2009, bei JPMorgan sind es 496 mehr, bei der UBS 1228. bei der Credit Suisse 1800 und bei der Deutschen Bank 1725 mehr.

Mit Ausnahme der UBS kann keine der Banken eine Gegenleistung für ihre Einstellungen vorweisen. Der traurigste Fall ist die Credit Suisse, wo die Mitarbeiterzahl in den ersten sechs Monaten um 10 Prozent zulegte und die Erträge um 25 Prozent abstürzten.

Die Aussichten für Q3 und Q4 sehen mies aus

Auch gibt es keine Hoffnung für eine Erholung der Erträge im zweiten Halbjahr.

Traditionellerweise sinken die Erträge aus dem Investmentbanking ab Juni. So gilt Goldman Sachs – zu recht oder unrecht – als Maßstab für die Branche. Dort fielen die Erträge in 2004, 2005 und 2006 im zweiten Halbjahr durchschnittlich um 8 Prozent geringer aus.

Dieses Jahr wird das dritte wahrscheinlich ebenso enttäuschend ausfallen wie das zweite Quartal. Obgleich sich Barclays in der vergangenen Woche positiv über das Geschäftsklima äußerte, gestand Stephen Hessler von der RBS ein, dass sich alles ziellos entwickle.

Zwischenzeitlich haben die Analysten von Sanford Bernstein ihre Vorhersage für eine Erholung der Erträge aus M&A sowie Corporate Finance auf das dritte Quartal 2011 verschoben, da das Volumen im M&A-Geschäft sich bis 2011 vermutlich nicht wirklich erholen wird und es sechs Monate dauere, bis sich das in Erträgen niederschlage, was keine gute Nachricht für die aufgeblähten M&A-Teams ist, die auf ein paar Gebührentropfen warten.

Hoch mit den Vergütungsquoten

Nichts davon betrifft im besonderen Maße die Bezahlung, so lange die Banken den Anteil an ihrer dahinschwindenden Erträge, die sie für die Bezahlung aufwenden, kräftig erhöhen.

Das scheint gegenwärtig tatsächlich zu passieren. So fiel die Vergütungsquote im ersten Halbjahr bei Goldman Sachs mit 43 Prozent höher aus als mit 35,8 Prozent im gesamten vergangenen Jahr. Bei JPMorgan betrug sie 36 Prozent, verglichen mit 33 Prozent im vergangenen Jahr. Bei UBS und Credit Suisse belief sie sich auf rund 50 Prozent, verglichen mit 81,2 Prozent (eine Ausnahme) und 42 Prozent im zurückliegenden Jahr.

Die eigentliche Frage lautet – soweit es die Bezahlung betrifft, ob die Banken die Nerven behalten und einen höheren Anteil an den Erträgen auch im dritten und vierten Quartal für die Vergütung aufwenden.

Leider werden sie das wohl kaum machen. Bedenken Sie die jüngste Studie der Bank von England, wonach wenn die Bonuszahlungen in die Stärkung des Eigenkapitals umgeleitet worden wären, die Finanzkrise niemals passiert wäre. Dass passt nicht wirklich zu höheren Vergütungsquoten, oder vielleicht doch?

So lange sich die Erträge nicht erholen, muss irgendetwas nachgeben: die Vergütungsquote, die Vergütung selbst oder aber die Zahl der Stellen.

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