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Die Karriere-Kolumne – Ist das Web 2.0 Falle oder Beschleuniger?

Das Internet kann Karrierefalle und Karriereturbo zugleich sein. Die Karriereberaterin Svenja Hofert verrät, wie Banker Fallen geschickt umgehen.

Der HR-Verantwortliche schien alles zu wissen. Auch die Dinge, die nicht im Lebenslauf standen. “Sie wollten das Studium abbrechen? Warum haben Sie Ihren Plan, einen Internetshop aufzubauen, dann doch wieder aufgegeben?” Der Diplom-Kaufmann und Investmentbanker Thomas Müller-Weißenbach* fühlte sich wie auf dem Tribunal, als ihn der Personalverantwortliche auf die “Jugendsünde” ansprach. Dass diese im Diskussionsbeitrag eines Web 2.0-Forums noch für jeden zu ergoogeln war, daran hatte er einfach nicht gedacht.

Wenige Fach- und Führungskräfte sind sich bewusst, dass Personalverantwortliche durch die Namenssuche ein ganzes berufliches Leben nachzeichnen können. Jeder, der aktiv im Internet ist, hinterlässt dort Spuren, die früher oder später von einem potentiellen Interessenten interpretiert und karrieretechnisch relevant werden können. Doch nicht nur Google oder spezielle Angebote wie stalkerati.com öffnen die Tür zum bisherigen Berufsleben. Sie können selbst prüfen, was man dort über Sie findet und die betreffenden Portalbetreiber um Löschung bitten. Soziale Netzwerke wie Facebook und Xing legen ebenfalls eine Menge an Informationen jenseits des eigentlichen Profils offen. Dass Fotos Bände sprechen ist anscheinend auch in der Bankerszene nicht jedem klar. Oder warum findet man im Business-Netzwerk Xing Fotos von Investmentbankern mit Afrikahut oder Skiern in der Hand?

Wer zum Bekannten- und Freundeskreis gehört, sagt ebenso eine Menge über die Person selbst aus. Lauter Kontakte auf Leitungsebene? Top! Nur Bekanntschaften mit lauter unprofessionellen Fotos? Eher Flop.

Auch Interessen sprechen Bände: Wer bei Xing Mitglied in den Gruppen “freie Waldorfschule” und “Papa im Job” ist, zeigt – sofern er diese Mitgliedschaften in der Standardeinstellung öffentlich macht – damit auch eine ganze Menge von der eigenen Persönlichkeit und Haltung. “Business for Golf” oder der “Banking Club” passen da schon besser. Jedenfalls, wenn Sie als Zielgruppe Ihrer Präsenz den potentiellen Arbeitgeber im Visier haben. Jeder, der sich in sozialen Netzwerken präsentiert, sollte sich dessen bewusst sein – und wissen, dass er die Entscheidung treffen kann, Informationen “unsichtbar” zu machen. Mit einfachen Grundeinstellungen, leider selten genutzt.

Planvoll eingesetzt helfen soziale Netzwerke der Karriere auf die Sprünge. Derzeit suchen auffallend viele Unternehmen direkt über Xing nach geeigneten Kandidaten. Das hat sich in den letzten drei, vier Monaten spürbar geändert. Nicht selten höre ich, dass sogar Vertreter von Dax-30-Unternehmen in Xing auf Mitarbeitersuche sind. Nicht die Personaler, die Fachabteilungen!

Logisch: Durch die direkte Suche spart man sich den Headhunter und den ganzen Aufwand, der durch eine offizielle Ausschreibung entsteht. Natürlich werden aber die angesprochen, die einen guten Eindruck machen: mit stimmigen Foto, interessantem Profil, fehlerfreien (!) Informationen – im internationalen Bankingbereich übrigens am besten gleich auf Englisch.

Tipps für Xing:

· Profifoto muss sein.

· Alle Daten sind vollständig.

· Also bitte: Diplom-Betriebswirt und nicht Dimplom – Fehler sind peinlich.

· Wer international arbeitet, schreibt sein Profil auf Englisch (lässt dies aber von einem Muttersprachler lektorieren).

· Intelligente Beschreibungen bei “ich suche” und “ich biete”, die möglichst alle relevanten Suchwörter enthalten.

· “Herausforderungen” ist DAS Signalwort für Headhunter, insofern sollte es vorkommen – auch gerne fantasievoll in Worten versteckt.

· Kontakte sind alles, also verbinden Sie sich mit den richtigen.

· Sie müssen nicht alle Mitgliedschaften offen legen. Entscheiden Sie, was die anderen sehen sollen.

*Name geändert

Über die Autorin: Mit mehr als 20 Karriere-Büchern zählt Svenja Hofert zu den erfolgreichsten Karriere-Coaches in Deutschland.

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