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Wieso der Ausstieg aus dem Investmentbanking der glücklichste Tag meines Lebens war

Jeanne Chung, eine Korea-Amerikanerin, hat 2004 das Yogastudio “Absolute Yoga” in Singapur aufgemacht. Sie erzählt gegenüber eFinancialCareers, wie aus einer hochfliegenden Investmentbankerin eine zertifizierte Yogalehrerin und Chefin ihres eigenen Unternehmens wurde.

Investmentbanking war nicht meine erste Karrierewahl, sondern ich bin dort irgendwie hineingeraten

Ich habe Ingenieurswissenschaften an der Universität Michigan studiert und ich arbeitete fünf Jahre in Chicago in der Management-Beratung für Finanzdienstleistungen. Dabei handelte es sich um meinen ersten richtigen Job. Allerdings konnte ich nicht erkennen, wie ich das für den Rest meines Lebens machen sollte. Also entschied ich mich, meinen MBA am Massachusetts Institut für Technologie (MIT) zu machen.

Als ich dort war, wollten alle ins Banking gehen. Dies war in späten 90er Jahren während des Internetbooms. Ich dachte, dass es sich glamourös und cool anhört, einen Investmentbanker mit Schwerpunkt Technologie zu werden und so setzte ich das um.

Ich begann bei Robertson Stephens, einer amerikanischen Investmentbanking-Boutique in 1997, die zwischenzeitlich dicht gemacht hat. Dort war ich für Technologieunternehmen zuständig und half ihnen dabei, Wachstumskapital aufzunehmen. Es handelte sich um eine verrückte, aufregende Zeit, weil der Sektor wuchs und wuchs. Es gab Tonnen von Deals und IPOs.

Beim Banking handelt es sich um einen der strenger analytischen Jobs. Sie müssen ihren Kopf benutzen, es ist wettbewerbsintensiv. Dies kann Ihnen ein Erfolgserlebnis verschaffen, dass Sie es so weit gebracht haben.

In dieser Zeit habe ich eine Menge Geld verdient. Dennoch stellte ich fest, dass ich kein Karrierebanker werden wollte. Die Umgebung war hochpolitisch, reichlich sexistisch und die Arbeitszeiten waren irrsinnig – manchmal brachte ich es sogar 100 Stunden in der Woche. Für meine Arbeit reiste ich durch die USA und nach Europa. Obgleich sich das höchst glamourös anhört, verbrachte ich doch die meiste Zeit in Meetings und hatte keine Zeit, dies zu genießen. Die Arbeitszeiten machten es auch schwierig, die Beziehungen mit Familie und Freunden aufrechtzuerhalten.

Als die Technologieblase um das Jahr 2001 herum platzte, wurden die Zeiten für Banker weitaus härter. Da ich mich bis dahin auch elend fühlte, entschied ich mich zu gehen. Ich war auf Yoga gestoßen und mochte es wirklich. Gegen Ende meiner Bankkarriere habe ich vorgegeben zu Meetings zu gehen, obgleich ich stattdessen Yogaklassen besuchte.

Die Entscheidung zum Ausstieg

Es handelte sich um den glücklichsten Tag meines Lebens, als ich aus dem Banking ausstieg. Ich habe sogar die Analysten zum Mittagessen und zu Drinks eingeladen. Ich war überhaupt nicht besorgt, sondern nur ermutigt. Als ich ging, hatte ich zunächst überhaupt keinen Plan, wie es weitergehen sollte. Ich hegte lediglich die Idee, ein Jahr Auszeit zu nehmen und dann vielleicht auf die Buyside zu wechseln und bei einem Private Equity-Fonds zu arbeiten, doch das Yoga kam dazwischen.

Ich begann Yoga zu studieren und reiste viel zwischen 2001 und 2004, bevor ich mich entschloss, ein eigenes Yogastudio 2004 in Singapur aufzumachen. Dies hat sich mittlerweile auf zwei weitere Studios vermehrt und wir hatten bislang rund 22.000 Teilnehmer, also läuft es ganz gut.

Ich bedauere nichts

Die Schwierigkeit bei einem eigenen Geschäft ist, dass es einen 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche in Beschlag nimmt. Denn wenn ein Problem am Ende eines Arbeitstages auftaucht, dann bin ich verantwortlich, gleich ob es sich um das Personal, Kursteilnehmer oder den Betrieb dreht. Es handelt sich also um eine ganz andere Form von Verantwortung.

In meiner jetzigen Position stütze ich mich auf Erfahrungen aus meiner Zeit als Berater, auf meine MBA-Studien und aufs Banking. Ich organisiere das Marketing, prüfe die Statistiken, Verträge, den Cashflow und arbeite mit Buchhaltern zusammen – ich mache also so ziemlich alles. Dabei haben mir meine Erfahrungen weitergeholfen.

Falls Sie aus dem Banking aussteigen wollen, dann lautet mein Rat….

In jedem Unternehmen dreht sich alles um Politik und Firmenveränderungen. Gehälter, Jobtitel und die Weiterentwicklung sind wichtig, doch sind sie letztlich auch befriedigend und persönlich erfüllt? Falls dies der Fall ist, dann ist alles in Ordnung. Das ist gewissermaßen der Lackmustest. Sie müssen versuchen herauszufinden, welche Karriere zu Ihnen passt, ob es sich ums Banking oder um etwas anderes handelt, damit Sie alle Ihre Zeit, Energie und Leidenschaft darauf verwenden können.

Ich habe schon von verschiedenen Bankern gehört, die die Branche verlassen haben und Unternehmer geworden sind. Als ich ausstieg, haben mich Leute gefragt, “Wieso machst Du das?”. Jetzt heißt es eher: “Du bis so cool”. Mithin denke ich, dass sich die Zeiten gewandelt haben und die Menschen offener für Karrierewechsel sind.

Kommentare (3)

Comments
  1. Es hängt halt vieles davon ab, ob man viel Geld verdienen will oder nicht. Ich kann mir sicher auch einige spaßigere Beschäftigung vorstellen, allerdings wird dort auch weniger gezahlt. Leider hat die Dame nicht verraten, wie sie jetzt finanziell dasteht.

  2. Es kam in dem Artikel ziemlich klar raus, dass das Leitmotiv der Frau nicht Gewinnmaximierung war. Sie wird viel. Jetzt weniger verdienen. Aber es gibt eben auch Leute, die nicht sich oder ihr Denken, Handeln, ihr Leben über Geld definieren. Ich kenne einige solche “Umsteiger” und finde den Schritt klasse. Viele wollen es denen gleichtun, trauen sich aber nicht. Weil sie am Geld hängen oder sich dem Druck und der Meinung des Umfeldes beugen.
    Aber es kann ja jeder selbst entscheiden, was ihm wichtig ist.

  3. VERDIENEN kommt von DIENEN. Man kann auf viel Geld verdienen, in dem man vielen Menschen dient. Es kommt auf den Nutzen an, den man stiftet. Man kann also überall erfolgreich sein. Die Hauptsache ist, dass man etwas aus Überzeugung und von Herzen tut. Dann stellt sich der Erfolg automatisch ein. Damit auch das Einkommen!

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