☰ Menu eFinancialCareers

Wie der Karrierewechsel mit über 40 zum Erfolg wird

Career change at 40

Career change at 40

Für die Karriere im Banking stellt Mitte 40 immer einen Wendepunkt dar. Denn dann setzt langsam die Altersdiskriminierung ein. Auch schauen sich viele Investmentbanker nach Jobs um, die weniger Arbeitsintensiv sind. Headhunter berichten sogar, dass es nur wenige Trader jenseits von 42 gebe und nahezu keine über 50.

Vor der frühzeitigen Verschiebung auf das Abstellgleich ist niemand gefeit. So hat der damalige EMEA-Finanzchef der Credit Suisse Chris Carpmael in 2013 die praktische Nicht-Existenz älterer Mitarbeiter vor einem Gericht gerechtfertigt. Dies sei nun einmal die „Natur der Branche“ – nur um ein Jahr später im Alter 48 selbst den Laufpass zu bekommen. Folglich sollte sich jeder Investmentbanker nach seinem 40. Geburtstag einen Plan B zurechtlegen. Hier einige Tipps dazu:

Wem der Absprung besonders schwer fällt

Corporate Bankern und Kapitalmarktexperten fällt der Karriereschwenk leichter als dem Personal aus den Handelssälen. „Corporate Banker verfügen über einen Hintergrund, der sie dazu qualifiziert, in den Finanzabteilungen von Großunternehmen zu arbeiten. Bei Corporate Bankern ist es durchaus üblich, dass sie abspringen und für ihre Kunden arbeiten z.B. in Finance oder Treasury“, erzählt Clarke Pitts, der früher als Managing Director im Handel mit Aktienderivaten bei JP Morgan und Daiwa tätig war.

„Wenn Sie aber im Sekundärhandel arbeiten, dann sind Ihre Kompetenzen außerhalb der Finanzmärkte weniger hilfreich“, ergänzt Pitts. Trader müssten sich daher häufig selbst neu erfinden – z.B. als Unternehmer. „Man sieht recht häufig ehemalige Marktprofis, die ein ganzes Portfolio von Geschäften betreiben“, ergänzt Pitts.

Pitts selbst hat einen kleinen Fonds aufgemacht und ein Buch über Strukturierte Produkte verfasst. „Es handelt sich um eine sehr allgemeine Einführung, worum es sich bei Strukturierten Produkten handelt und wie es in der Branche aussieht“, erzählt er weiter. „Die Leute sprechen viel über Hedgefonds, aber sie ignorieren die große Branche der Strukturierten Produkte, weil sie sie einfach nicht verstehen. Es handelt sich um einen Versuch, für ein wenig Klarheit zu sorgen.“

Überstürzen Sie nichts

Doch bevor Sie den Job wechseln, sollten Sie erst ein wenig Abstand gewinnen und Ihre Optionen genau abwägen. „Wenn man erschöpft ist, fällt eine berufliche Neuorientierung sehr schwer“, warnt Karrierecoach Karin Peeters. „Falls Sie ausgebrannt sind, dann müssen Sie sich erst darum kümmern, dass Sie sich hier und jetzt besser fühlen, damit Sie sich erholt auf den Karrierewechsel konzentrieren können.“

Peeters rät Betroffenen sich erst einmal gründlich auszuschlafen und sich einige Wochen Zeit zu nehmen, bevor Sie eine so schwerwiegende Entscheidung fällen. Dies sieht Karrierecoach Philip Beddows von The Silk Road Partner ähnlich: „Nehmen Sie sich Zeit. Es gibt eine Menge zu tun und Sie sollten nicht in Panik geraten.“

Machen Sie sich klar, was Sie wollen

Laut Peeters kommen viele Leute, die einen Karriereschwenk mit Mitte 40 versuchen, oftmals mit ganz praktischen Problemen zu ihr. „Die Leute wissen genau, welche Kompetenzen Sie transferieren können. Sie wissen, wie viel Geld sie verdienen müssen und wie weit sie zur Arbeit pendeln wollen. Sie wissen auch, was sie NICHT machen wollen“, sagt Peeters.

Doch viel weniger hätten sich Gedanken darüber gemacht, was sie tatsächlich machen wollen, was sie begeistert und was ihnen wichtig ist. „Ich arbeite mit dem Eisberg-Modell“, erzählt Peeters. „Was in Ihrem Lebenslauf steht, macht nur einen kleinen Teil Ihrer Persönlichkeit aus. Die Leute fangen in den Finanzdienstleistungen aus recht unterschiedlichen Gründen an. Sie müssen sich ganz genau überlegen, was Sie noch vom Leben wollen.“

Beddows rät dagegen zu einem anderen Ansatz. Demnach sollten Betroffene sich wie ein kleines Unternehmen begreifen und die eigene Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung einer genauen Prüfung unterziehen: Wie hoch ist Ihr Cashflow? Welche Produkte oder Kompetenzen können Sie anbieten? Wie können Sie sich selbst re-branden und Ihre Kunden bzw. Arbeitgeber davon überzeugen Ihre Produkte oder Dienstleistungen (Arbeitskraft) zu kaufen? „Im Kern geht es darum zu verstehen, worin Ihr Geschäft wirklich versteht“, sagt Beddows. „Wer sind Sie? Was sind Sie? Was wollen Sie tatsächlich mit Ihren kommenden 20 Jahren machen?“

Bringen Sie ihre Aktionäre (Ihre Familie also) auf Ihre Seite

Ein Karrierewechsel mit Mitte 40 gelingt nur, wenn man seine Familie von dem Schritt überzeugt. „Die Leute in ihren 30ern sorgen sich immer noch darum, wie Ihre Eltern darauf reagieren, wenn sie eine große Bank verlassen, aber Leute in ihren 40ern sorgen sich mehr darum, wie sie Ihre Hypothek abzahlen und die Schulgebühren bestreiten.“

Auch die Unterstützung des Lebenspartners ist wichtig. „Sie fühlen, dass ein Partner sie mit einer bestimmten finanziellen Zukunft im Kopf geheiratet hat und das ändert sich plötzlich.“ Damit mutiert der Lebenspartner zu jemanden, der einfach nur Geld verlangt. Daher muss dieses Thema vor einem Karrierewechsel angesprochen werden. „Es geht nicht nur ums Geld“, meint Peeters. „Es geht darum, wie Sie leben wollen und wie Sie sich gegenseitig respektieren. Lohnt es sich wirklich viel Geld zu verdienen, aber sich nie zu sehen – oder sich erst zu sehen, wenn man in den Ruhestand gegangen ist?“

Laut Beddows könne man Partner und Kinder als Aktionäre begreifen und Sie stehen vor einem grundlegenden Strategiewechsel. Auch dabei müsse die Geschäftsführung die Aktionäre an Bord holen und sie von dem Schritt überzeugen.

Sondieren Sie den Markt

Nachdem Sie herausgefunden haben, wohin die Reise gehe soll, sollten Sie Ihr neues Selbst in Ihrem Netzwerk testen. Macht der Schritt von der Aktienanalyse oder von Equity Sales hin zu Investor Relations Sinn? Danach können Sie beispielsweise Investor Relations-Mitarbeiter aus Ihrem Bekanntenkreis fragen. Auch Headhunter können hierzu Ratschläge erteilen. Allerdings dürften Kontakte aus dem persönlichen Netzwerk hilfreicher sein. Denn Headhunter bevorzugen Leute zu vermitteln, die möglichst genau auf eine Stelle passen.

„Die größte Herausforderung besteht darin, dass die Leute Ihr neues Selbst annehmen, besonders wenn Sie mit Ihnen ein Großunternehmen verbinden“, sagt Beddows. Ein Karrierewechsel sei auch über 40 noch möglich. Allerdings müssten die Leute über ein starkes Selbstvertrauen und Hartnäckigkeit verfügen. Auch Peeters und Pitts raten niemanden von dem Versuch ab. „Trader sind normalerweise ziemlich hell und besitzen viel Energie. Darüber hinaus verfügen Sie auch über reichlich Kapital“, betont Pitts.

Ähnliche Artikel:

Spielt Altersdiskriminierung in Deutschland eine untergeordnete Rolle? 

Alle wollen Trader werden: Der große Traum vom Aufstieg ins Front Office

GASTKOMMENTAR: Wie Sie mit Erfolg rausfliegen

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier