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Was bietet die attraktivere Karriere: Investmentbanking oder Strategieberatung?

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Ambitionierte Studenten stehen vor keiner einfachen Frage: Wer bietet die attraktivere Karriere? Goldman Sachs oder McKinsey? Investmentbanking oder Strategieberatung? Beide bieten exzellente Perspektiven, gute Bezahlungen und Glamour. Wir geben einige Hinweise, um die Entscheidung zu erleichtern.

Bezahlung

Geld sollte bei der Karrierewahl nicht das wichtigste Kriterium darstellen. Dennoch handelt es sich gewiss um keine Nebensächlichkeit. Laut dem Branchenportal Wall Street Oasis fallen die Vergütungen international wie folgt aus.

Strategieberatung

Associates: 69.000 Dollar (54.500 Euro)

Consultants: 105.600 Dollar (83.400 Euro)

Manager: 155.100 Dollar (122.500 Euro)

Principal / Partner: 319.800 Dollar (252.600 Euro)

Front Office-Banking

Analyst (1. Jahr): 80.400 Dollar (63.500 Euro)

Analyst (2. Jahr): 103.000 Dollar (81.700 Euro)

Analyst (3. Jahr): 108.000 Dollar (85.300 Euro)

Associate (1. Jahr): 113.000 Dollar (89.300 Euro)

Associate (2. Jahr): 124.000 Dollar (98.000 Euro)

Associate (3. Jahr): 160.000 Dollar (126.400 Euro)

Vice President: 294.000 Dollar (232.300 Euro)

Managing Director: 624.000 Dollar (493.000 Euro)

Damit geht der Sieger-Lorbeer bei der Bezahlung ganz klar ans Investment Banking. Dennoch erzählt ein ehemaliger Berater von McKinsey, dass bei einer langjährigen Karriere Strategieberater sogar besser als Banker abschneiden können. In den ersten zehn Jahren würden Banker jedoch höchst wahrscheinlich mehr als Consultants kassieren. „Sobald Sie aber den Managing Director-Level in einer Investmentbank erreicht haben, dann befindet sich die Vergütung auf dem Plateau“, erzählt der ehemalige Strategieberater. „Im Banking können Markt- und persönliche Volatilität eine große Rolle spielen. Dagegen zeigt der Trend in der Beratung geradewegs nach oben.“ Während die Vergütung im Banking ab dem Managing Director-Level stagniert, steige die Vergütung bei McKinsey erst richtig, nachdem man den Senior Partner-Level erreicht hat. „Ich wette, dass der Median bei der Vergütung von Veteranen mit 15 bis 20 Jahren Berufserfahrung bei McKinsey oder der Boston Consulting Group höher als bei Bankern liegt.“ Angeblich kassieren Senior Partner bei den Strategieberatungen 1 Mio. US-Dollar aufwärts.

Das Fazit lautet: Beim Banking fällt die Vergütung von Anfang an üppig aus, während diese sich im Consulting erst nach vielen Jahren einstellt.

Jobsicherheit

Beim Aspekt der Jobsicherheit scheint das Consulting dem Banking voraus zu sein. Die Wahrscheinlichkeit 15 bis 20 Jahre in der Branche durchzustehen fällt demnach in der Strategieberatung deutlich höher als im Investmentbanking aus.

Bei McKinsey ist die Zahl der Berater zwischen 1994 und 2001 von weltweit etwa 3300 auf rund 7700 gestiegen. Jetzt sind es sogar mehr als 9000, wobei die Gesamtbeschäftigung bei über 17.000 liegt. Bei der Beschäftigung zeigt der Trend also klar nach oben und eine Wende ist nicht abzusehen.

Bei den Banken zeigt der Trend klar in die entgegengesetzte Richtung. So ist z.B. die Beschäftigung in der City of London, Europas größtem Finanzzentrum, zwischen 2000 und 2007 laut den Daten von CEBR um 10 Prozent gestiegen. Doch auf den Aufschwung folgte mit der Finanzkrise ein dramatischer Einbruch. Seither ist die Beschäftigung dort um 35 Prozent eingebrochen. Da der Kostendruck weiter steigt und die Erträge schwächeln, sind vor allem im Geschäft mit festverzinslichen Anlagen weitere Einschnitte absehbar.

Folglich geht der Punkt in der Kategorie Jobsicherheit klar ans Consulting.

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten im Investmentbanking fallen je nach dem Geschäftsbereich sehr unterschiedlich aus. Falls Sie in „Sales and Trading“ arbeiten, dann müssen Sie mit einem zeitigen Arbeitsbeginn rechnen. Allerdings schließen die Märkte auch irgendwann, wodurch die Arbeitszeiten am Abend begrenzt sind. Falls es jemanden indes in die Investment Banking Division (M&A und Capital Markets) verschlägt, dann ist er rasch mit horrenden Wochenarbeitszeiten von manchmal sogar 100 Stunden konfrontiert, was sich natürlich fatal auf das Privatleben auswirkt.

Eine 40-Stunden-Woche ist auch in der Strategieberatung unbekannt. Darüber hinaus leben viele Consultants während der Woche aus dem Koffer. Laut dem Ex-Berater können sich Consultants glücklich schätzen, wenn sie während der Woche um 10 Uhr nachhause kommen. Doch anders als in der Investment Banking Division (IBD) ist Wochenendarbeit eher ungewöhnlich.

Viele Investmentbanken haben das Problem von allzu langen Arbeitszeiten in Teilen ihrer Geschäftsfelder erkannt und versuchen gegenzusteuern. Um die hohe Arbeitsbelastung vor allen des jüngeren Personals zu begrenzen, werden derzeit verstärkt Absolventen eingestellt. Bei der Bank of America sollen die Neueinstellungen binnen eines Jahres sogar um 40 Prozent nach oben geschnellt sein.

Doch auch in der Strategieberatung ist das Problem nicht unbekannt. So versucht Boston Consulting die Politik eines vorhersehbaren Dienstschlusses durchzusetzen. Andere wie McKinsey schwören auf flexible Arbeitszeiten. Die Mitarbeiter können auf Zeitkonten Ausgleichszeit ansparen und diese nehmen, wenn sich dazu eine Gelegenheit bietet.

Fazit: Wer ein erholsames Wochenende wünscht, sollte eine Karriere in „Sales and Trading“ oder im Consulting anstreben. Wenn Sie wenig reisen und möglichst auch relativ früh nachhause kommen wollen, dann scheint „Sales and Trading“ die richtige Wahl zu sein. Falls Sie indes ein wahrer Workaholic sind, dann werden sie in der IBD sicherlich auf Ihre Kosten kommen.

Lebensstil

Der große Nachteil der Consulting-Branche liegt in der umfangreichen Reisetätigkeit. Denn der Arbeitsort ist regelmäßig beim Kunden, wo immer der auch seinen Sitz hat. Das sogenannte McKinsey-Modell etwa besagt, dass der Berater von Montag bis Donnerstag beim Kunden verbringt und Freitag im Home Office, berichtet ein Angestellter von McKinsey. Wie weit der Kunde entfernt ist, stellt reine Glückssache dar. „Das Reisen ist ein Killer: Sie leben die ganze Zeit aus dem Koffer, wenn Sie nicht gerade einen feinen Auftrag in Ihrer Heimatstadt haben“, erzählt der ehemalige McKinsey-Consultant.

Fazit: Die Reisetätigkeit stellt den wohl wichtigsten Nachteil des Beratungsgeschäfts dar.

Die Arbeit an sich

Doch wie sieht die Arbeit selbst aus? Jüngere Banker dürften einen Großteil ihrer Zeit mit der Erstellung von Finanzmodellen und Verkaufsunterlagen, den sogenannten Pitch-Books, verbringen. Dagegen produzieren Consultants schöne Powerpoint-Präsentationen mit ansehnlichen Grafiken, was keinen großen Unterschied darstellt.

Theoretisch sollte das Arbeitsleben von Consultants erfüllender ausfallen, zumindest wenn sie ihre Empfehlungen auch implementieren dürfen. Ein Branchenkenner berichtet indes, dass viele Berater von den endlosen Präsentationen und seltenen Möglichkeiten zur Umsetzung ihrer Ideen frustriert sind. Daher würden viele auch das Consulting verlassen und Management-Aufgaben in anderen Branchen übernehmen. Laut dem Branchenkenner würden Einsteiger oft auch rasch wechselnden Projekten zugeordnet, womit sie gelegentlich zu kämpfen hätten.

Fazit: Hier gibt es keine klare Entscheidung, da dies sehr von den individuellen Vorlieben abhängt.

Das Nachleben

Doch welche Perspektiven verheißen beide Karrierewege in anderen Branchen? Der Ausstieg aus dem „Sales and Trading“ einer Bank kann schwerfallen. Spitzenkräfte mögen es zu einem Hedgefonds schaffen. Wer weniger talentiert ist, dem bleiben als Alternativen oftmals nur Jobs in Risikomanagement oder Compliance. Aktienanalysten können in der Investor Relations unterkommen.

Wer Berufserfahrung in M&A oder in Debt Capital Markets gesammelt hat, kann womöglich zu einer Private Equity-Gesellschaft wechseln. Vielleicht bietet sich auch eine Chance in der Strategieabteilung eines Unternehmens.

Dagegen scheinen die Absprungmöglichkeiten bei Consultants vielfältiger auszufallen. Wer beispielsweise in der Strategieberatung mit Banken Erfahrung gesammelt hat, kann u.a. im Banking unterkommen. So stammt Morgan Stanley-Chef James Gorman beispielsweise von McKinsey. Die Consulting-Branche ist dafür berühmt, dass sie ein gutes Sprungbrett ins Management anderer Branche bietet. Dazu müssen die Consultants aber Beratungserfahrung in einschlägigen Branchen mitbringen.

Fazit: Die Absprungchancen fallen in der Strategieberatung vielfältiger aus.

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