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Vice Presidents tappen immer häufiger in die Karrierefalle

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In der Hackordnung von Investmentbanken befinden sich Vice Presidents in einer besonders unglücklichen Situation: Sie rangieren in einer Sandwichposition zwischen den jüngeren Mitarbeitern, den Analysten und Associates also, sowie den Führungskräften, den Directors und Managing Directors.

„Es gibt einen natürlichen Stau nach oben“, sagt Personalberater Andreas Krischke von Indigo Headhunters in Frankfurt. „Wenn sich die Directors und Managing Directors nicht bewegen, dann gibt es kaum Beförderungsmöglichkeiten.“ Denn die Kuchen seien in der Branche verteilt. Die Managing Directors und Directors würden an ihren Umsatzbringern festhalten, wodurch es den Vice Presidents schwer falle, ein eigenes Geschäft aufzubauen.

„Wenn sie zum Director oder Managing Director befördert werden wollen, dann müssen sie einen eigenen ‚Business Case‘ aufbauen“, betont Krischke. In der Vergangenheit fiel dieser Karrieresprung leichter, weil die Branche wuchs. Doch mittlerweile seien die Umsätze stagnierend oder sogar rückläufig.

Ganz ähnlich sieht dies Headhunter Dirk Albütz von Fibance in Frankfurt. „Als Vice President müssen sie versuchen einen eigenen Kundenstamm aufzubauen, um zum Director oder Managing Director befördert zu werden“, betont Albütz. Da die Investmentbanken während der Krise zu wenige Berufseinsteiger eingestellt hätten, sei der Markt von Investmentbankern mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung „wie leergefegt“.

„Daher müssen die Vice Presidents immer mehr Aufgaben wie z.B. das Modellieren übernehmen, wofür eigentlich Associates oder Analysten zuständig sind“, beobachtet Albütz. Dies wiederum erschwere es den Vice Presidents sich einen eigenen Kundenstamm aufzubauen, was die Voraussetzung für eine Beförderung darstelle. „Sie können sich nicht weiterentwickeln, weil sie die Aufgabe von Associates übernehmen.“

Diese Karrieresackgasse bewegt immer mehr Vice Presidents dazu, sich anderswo umzuschauen. „Ich registriere eine steigende Anfrage von Vice Presidents“, berichtet Albütz. Es gebe durchaus noch die eine oder andere für Vice Presidents interessante Stelle im deutschen Investment Banking. Die Vice Presidents würden sich indes die Organigramme potenzieller Arbeitgeber deutlich kritischer als in der Vergangenheit anschauen: Gibt es neben dem Managing Director noch einen Director und sind die Unternehmen in der Lage ihre Associates zu halten? „Darauf achten die Kandidaten viel genauer als in der Vergangenheit. Die Kandidaten auf VP-Level fragen immer häufiger: ‚Wie viele Leute arbeiten dort?‘“

Krischke berichtet unterdessen, dass die Banken oftmals die höheren Kosten eines Vice Presidents scheuen. „Viele Banken rechnen intern für einen Vice President mit dem zwei- bis zweieinhalbfachen Kosten eines Associates“, sagt Krischke. Die tatsächlichen Gehaltsunterschiede würden allerdings geringer ausfallen. So mancher Arbeitgeber heuere deswegen einen Associates an, obwohl er eigentlich einen Vice President wolle.

Albütz rechnet damit, dass zumindest der akute Associate-Mangel in Bereichen wie M&A und Equity Capital Markets ein endliches Phänomen sei. Derzeit würden die Banken wieder verstärkt Nachwuchs anheuern. „In zwei, drei Jahren wird die Lücke geschlossen sein“, prophezeit Albütz.

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